Leichtathletik Internationaler Ansporn

Vor einem Jahr hat Catia Azevedo in München beeindruckt.

(Foto: Claus Schunk)

Zum Münchner Ludwig-Jall-Sportfest holt die LG Stadtwerke Topstarter aus dem Ausland, um die eigenen Athleten zu fordern.

Von Andreas Liebmann

Der Flieger aus London Gatwick landete am Freitag um 9.10 Uhr in München. Der aus Lissabon eine Stunde später. Was eben so dazu gehört, wenn man ein Leichtathletik-Meeting mit dem Prädikat "International" austrägt: Man muss die ausländische Elite auch bis zum Start bringen. Weshalb Christian Gadenne, Geschäftsführer der LG Stadtwerke München, beim Fahrdienst half. Für die britschen Sprinter Zanson Plummer, 21, und Aidan Syers, 34; den algerischen 400-Meter-Läufer Soufiane Bouhadda; oder für Hürdensprinterin Olimpia Barbosa, 23, und 400-Meter-Läuferin Catia Azevedo, 24, beide aus Portugal. Wobei: Barbosa war dann gar nicht aufgetaucht am Flughafen, Plummer hatte den Flug verpasst und reiste später solo an. "Das kommt immer mal wieder vor", sagt Lauftrainer Daniel Stoll, der sich für den veranstaltenden PSV München um die Akquise der Topathleten gekümmert hatte. Knapp ein Dutzend war einzusammeln.

Olympiateilnehmerin Azevodo zeigte vor einem Jahr in München die beste Meeting-Leistung, sie wird wie damals gegen die Ambergerin Corinna Schwab und Münchens Christina Hering antreten. Hering hat ihre Stärken eher über 800 Meter, an diesem Samstag beim 33. Ludwig-Jall-Sportfest, wie das Pfingstmeeting im Dantestadion (Beginn 10.30 Uhr) offiziell heißt, wird sie aber über die halbe Strecke antreten - und zwei Stunden später als Tempomacherin für ihre Trainingskolleginnen Katharina Trost, Christine Gess und Mareen Kalis über 1500 Meter.

Die Auswahlkriterien aus Sicht des Veranstalters sind klar: Die besten Gäste sollen gut zu den eigenen Startern passen, wie Barbosa, die prima gewesen wäre für Münchens Hürdensprinterin Paulina Huber. Dass auch die Sprints der Männer über 100 und 200 Meter international besetzt sind, habe sich laut Stoll eher unbeabsichtigt ergeben, hier wird die LG Stadtwerke durch den 400-Meter-Spezialisten Johannes Trefz vertreten. Absagen mussten der Augsburger Aleksandar Askovic (100 m) und gleich zwei jener Dreispringer, die Münchens starke Gruppe um Paul Walschburger und David Kirch fordern sollten. "Schade für die Jungs", findet Gadenne - in Christoph Garritsen (Münster) ist aber immer noch einer dabei, den man erst schlagen muss, auch wenn seine Bestleistung von 16,22 Meter schon zwei Jahre alt ist. Für Münchens Kugelstoßerinnen Selina Dantzler und Amelie Döbler gilt die U20-Konkurrenz als Normwettkampf, um sich für die WM im Juli in Tampere zu empfehlen.

Neben diversen aktuellen Absagen hat die Münchner Traditionsveranstaltung ein weiteres Handicap: das internationale Pfingstsportfest in Rehlingen, das anders als sonst nicht am Pfingstmontag stattfindet, sondern am Sonntag. Viele Bundestrainer haben ihren Fokus dort, weshalb sie ihre Kaderathleten nahezu verpflichten, im Saarland anzutreten. Lokalmatadore wie Speerwerfer Jonas Bonewit und Hochspringer Tobias Potye fehlen deshalb in München. Um an beiden Orten zu starten, ist die Erholungszeit zu kurz und die Distanz zu groß, findet Gadenne. Wobei: Der Algerier Soufiane Bouhadda will tatsächlich ins Saarland weiterreisen. Hat er auf der Fahrt vom Flughafen erzählt.