Triathlon Die Rückkehr des Rennpferds

Vor zwei Jahren bricht sich Markus Hörmann das Hüftgelenk, Ärzte prophezeien ihm das Ende seiner Karriere. Der Tölzer stellt seine Ernährung um - und startet nun gelassen in Herning.

Von Nico Horn

Im Juni 2016 war fast schon vorbei, was noch nicht mal so richtig begonnen hatte. Markus Hörmann, 28, erhielt damals eine bittere Diagnose: Ein Teil seines Hüftgelenks war herausgebrochen. Der Triathlet erinnert sich noch gut an diese Zeit: "Ja gut, bei Ihnen ist's auch rum", habe ihm ein Arzt damals ziemlich unmissverständlich mitgeteilt. Es kam anders. Am Samstag tritt der Tölzer beim Triathlon im dänischen Herning über die Mitteldistanz an - das bedeutet 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und zum Abschluss einen Lauf über die Halbmarathon-Strecke. Es ist das letzte wichtige Vorbereitungsrennen vor der Challenge in Roth (1. Juli), dem weltweit größten Langdistanz-Triathlon (3,86 km; 180 km; Marathon). Doch bis dahin musste Markus Hörmann einen langen Weg zurücklegen.

Zunächst ist die Verletzung ein riesiger Schock für den damals 26-Jährigen. Zu diesem Zeitpunkt habe er sich in seinem Sport verrannt gehabt, sagt er: "Ich habe mich über den Triathlon definiert." Am Ende ist es eine Erfahrung, die Hörmann weiterbringt - sie verändert seine Einstellung zum Sport. "Ich bin heute nicht mehr nur Triathlet", sagt er. Die Vorstellung, aufgrund seines exzessiven Trainings später eventuell nicht mit seinen Kindern spielen oder "auf'n Berg steigen" zu können, erschreckt ihn.

Emotionaler Höhepunkt: Markus Hörmann 2017 beim Zieleinlauf in Roth, wo er Platz zehn belegte. Härtetest bestanden.

(Foto: Alexander Fuchs/oh)

Hörmann entscheidet sich also für eine Operation an der Hüfte. Im Klinikum rechts der Isar verläuft die Arthroskopie gut, schon nach zwei Wochen kann er in der Reha wieder schwimmen. Etwa zur selben Zeit intensiviert sich Hörmanns Kontakt zu einem alten Bekannten: Manfred Hohenleitner ist Stoffwechsel-Coach, den Triathleten aus der Kurstadt kennt er bereits seit 2008. Irgendwann verlieren sie sich aus den Augen. "Weil ich zu verbissen war", vermutet Hörmann. Doch Hohenleitner merkt, dass es bei Hörmann nicht gut läuft - also hilft er ihm. Sie durchlaufen gemeinsam das Stoffwechsel-Coaching, am Ende dreht Hörmann seine Ernährung nach eigener Aussage "um 180 Grad".

"Wenn man sich zu 80 Prozent gut ernährt, können die 20 Prozent Ausnahmen gar nicht so schlimm sein", erklärt Hörmann das neue Prinzip vereinfacht. Er gönnt sich jetzt auch mal was: "Nach einem Rennen gibt's zum Grillen auch mal ein Bier." Das bedeutet aber keinesfalls, dass der Tölzer nicht gewissenhaft arbeiten würde. "Markus ist viel professioneller geworden", betont sein Trainer Jo Spindler. Am liebsten würde Hörmann im kommenden Jahr beim Ironman auf Hawaii antreten. Sollte er bis dahin weitestgehend gesund bleiben, schätzt er seine Chancen auf die Qualifikation gut ein, und auch Spindler ist optimistisch: "Mein Gefühl ist gut, es läuft einfach." Falls es 2019 dennoch nicht mit der Qualifikation klappt, versucht er es eben 2020 noch einmal, sagt Hörmann. "Da werde ich 30" - in diesem Alter beginnt meistens die beste Zeit im Leben eines Profi-Triathleten.

Das Leben als Triathlet bleibt genau getaktet. Viel Zeit für andere Tätigkeiten bleibt nicht

2017 - nur 13 Monate nach der OP - startete Hörmann im fränkischen Roth, wurde Zehnter. Das kürzere Rennen in Dänemark an diesem Wochenende soll ihm die nötige Härte für die diesjährige Roth-Challenge verschaffen. "Ich brauch' das, ich bin eher ein Rennpferd." Im Training lässt es Hörmann dagegen etwas ruhiger angehen. "Er braucht weniger Training als andere", sagt sein Coach. Trotzdem ist das Leben als Triathlet genau getaktet. Viel Zeit für andere Tätigkeiten bleibt da nicht.

Tölzer Triathlon: Jubiläum am Kirchsee

Wenn an diesem Sonntag zum 30. Mal der Tölzer Triathlon stattfindet, werden paradoxerweise gar nicht so viele Tölzer unter den etwa 500 Teilnehmern sein. Der Grund dafür ist simpel: Ein Großteil der 400 Mitglieder des austragenden Wassersportvereins Bad Tölz (WSV), bei dem viele Triathleten aus dem Tölzer Land trainieren, muss wie viele weitere Tölzer bei der Organisation des Wettkampfs aushelfen. "Das ist der Triathlon von Triathleten für Triathleten", sagt Mitorganisatorin Barbara Rohr. Die Sportler des WSV tragen ihre vereinsinternen Meisterschaften schon seit Jahren bei anderen Wettkämpfen aus. Laut Rohr komme aber trotzdem die Mehrheit der Starter aus dem Oberland, aber auch aus München, und sogar eine Spanierin ist in diesem Jahr dabei.

Gestartet wird in vier verschiedenen Wettbewerben: der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen; 40 km Radfahren; 10 km Laufen), im Volkstriathlon (0,5 km; 24 km; 5 km), in der Staffel mit mindestens zwei Athleten sowie in diesem Jahr erstmals auch in einem Wettkampf der Landesliga Süd - hierfür ist Tölz 2018 die zweite von vier Stationen. Die beliebteste Strecke aber bleibt der Volkstriathlon. Nur über die Olympische Distanz sind auch noch kurzfristige Nachmeldungen möglich.

Markus Hörmann, der bekannteste Triathlet aus dem Landkreis und Titelverteidiger, ist diesmal nicht dabei, er bereitet sich im dänischen Herning auf die Challenge Roth am 1. Juli vor. Der Attraktivität des Tölzer Jubiläumswettkampfs schade das kaum, hier geht es laut Rohr doch eher um ein tolles Event für Breitensportler. "Unser Triathlon ist ein Klassiker im Oberland", sagt sie, "welche andere Strecke ist schon so idyllisch gelegen?" Vom warmen Kirchsee aus (erster Start: 8.20 Uhr) sieht man das Brauneck, die Benediktenwand und das nahe Kloster Reutberg. Als Favorit gilt übrigens doch ein Mitglied des WSV Bad Tölz: Andreas Posch, der 2017 hinter Hörmann Zweiter war. Den Titel will man sich im Oberland halt doch nicht wegschnappen lassen. Nico Horn

Einst machte Hörmann eine Ausbildung zum Elektriker, das war dann aber nicht so sein Ding. Mittlerweile ist er gelernter Stoffwechselcoach. "Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, die wollte ich weitergeben." Doch gerade im Sommer, wenn viele Reisen anstehen, kann er sich kaum um Klienten kümmern, sein Job als Triathlet lässt das nicht mehr zu.

Dennoch ist Hörmann froh, für die Zukunft vorgesorgt zu haben. "Als Athlet möchte ich mich nicht von Preisgeldern abhängig machen." Richtig Geld verdiene man bei Rennen nur als absoluter Spitzenathlet. "Der Rest ist eher für'n hohlen Zahn." Da er sich nicht auf die olympische Distanz konzentriert, erhält er weder vom Deutschen Olympischen Sportbund noch vom Innenministerium Geld. Er finanziert sich hauptsächlich über Sponsoren. Einen Vorteil hat das: Er kann auch Verletzungspausen finanziell verkraften. Erst mal will er aber nutzen, dass er jetzt gesund ist. Der neue Hörmann legt ja gerade erst los.