Internationaler Wettkampf Blech zum Auftakt

Münchner Schützen bleiben in Garching ohne Medaillen

Von Julian Ignatowitsch

Als Barbara Engleder am Samstagabend schließlich im Auto saß, war ihr das doch ganz recht. "Endlich", sagte sie. "Das waren schon zwei sehr lange Tage für mich." Nicht dass die 32-jährige Luftgewehr-Schützin den Internationalen Wettkampf (IWK) in Garching-Hochbrück nicht genossen hätte. Gespräche mit Kollegen, die Stände der Schausteller und Ausrüster, das internationale Flair - "gerade für eine extrovertierte Mieze wie mich wieder sehr unterhaltsam", sagte Engleder. Aber sportlich sei das Wochenende eben doch sehr kräftezehrend gewesen.

Zwei Wettkampfrunden fanden für die Frauen und Männer an Luftgewehr und Luftpistole jeweils statt. Zweimal erreichte Engleder die Finalrunde. Zweimal landete sie auf dem undankbaren vierten Platz, direkt hinter den Medaillenrängen. "Mein Finalmanko ist noch nicht ganz beseitigt", sagte Engleder, obwohl sie mit ihrem Ergebnis dennoch beste Deutsche war. Selbstkritik auf hohem Niveau.

Im Moment ist Engleder wohl die beste deutsche Schützin. "Ich gewöhne mich langsam an den neuen Modus", meinte sie. "Es wird stetig besser." Im Finale wird jetzt schon seit mehr als zwei Jahren auf Zehntelpunkte im Ausscheidungsverfahren gegeneinander geschossen. Viele Schützen haben damit noch ihre Probleme. Auch Engleder, die das spätestens bis zu den Olympischen Spielen 2016 abgestellt haben möchte. Die kommenden Aufgaben sind erst einmal andere. Der IWK gilt als wichtige Vorbereitung auf die Europameisterschaft Ende Februar, die in diesem Jahr in Arnheim in den Niederlanden ausgetragen wird. Für die Bundesligaschützen wie Engleder ist er zudem ein letzter Test unmittelbar vor dem Bundesligafinale am 7./8. Februar in Rotenburg an der Fulda. "Der Wettbewerb hier ist sehr beliebt, aber sportlich darf man ihn nicht so hoch hängen", sagt Simon Muschiol vom "Bund" München, einer der Vereine aus der Region, die nächste Woche um die deutsche Meisterschaft (Luftgewehr) kämpfen. Der zweite Finalist ist die HSG München (Luftpistole) mit der Deutsch-Mongolin Munkhbayar Dorjsuren. Der 45-Jährigen gelang bei der Generalprobe das gleiche unglückselige Kunststück wie Engleder: zweimal im Finale, zweimal Vierte. Das Glück hatten die Deutschen nicht unbedingt auf ihrer Seite. Am Ende sprang weder mit Gewehr noch Pistole Edelmetall für einen deutschen Profi heraus.

Zweimal im Finale, zweimal Vierte: Pistolen-Schützin Munkhbayar Dorjsuren aus München.

(Foto: Claus Schunk)

"Der IWK in München wird von den Schützen gerne als Einstieg ins neue Jahr genommen", erklärt Muschiol. "Da kann jeder gucken: Wo stehe ich, wie ist mein Level?" Medaillen seien nicht ganz so wichtig wie sonst, so lässt sich auch viel Blech etwas besser verschmerzen. Für die Schützenvereine ist der Wettbewerb auch immer eine willkommene Gelegenheit zur Talentsichtung, denn in Garching gehen auch Juniorinnen und Junioren an den Start. Außerdem kommen Athleten aus der ganzen Welt in die bayerische Landeshauptstadt, das ist im Schießsport sonst nur noch beim Weltcup im Mai geboten. "Hier sind sogar Schützen aus Sri Lanka dabei", sagte Sven Körper, Teammanager der SV Germania Prittlbach, der dritten Münchner Schützengilde. "Die sind für uns aber jetzt weniger interessant, weil Sri Lanka im Schießsport eher ein Entwicklungsland ist." Vielmehr wird er ein Auge auf die italienischen und weißrussischen Luftgewehr-Athleten geworfen haben. Die Italiener räumten gleich fünf Medaillen (je ein Mal Gold und Silber sowie drei Mal Bronze) ab, Weißrussland landete dreimal auf dem Treppchen (ein Gold, zwei Silber). Aus China, sonst die dominierende Nation, waren keine Schützen nach Garching gekommen.

Barbara Engleder freut sich jetzt auf die anstehende Aufgabe im Mannschaftswettbewerb. "Da wollen wir vorne landen und uns gegenseitig den Bauch pinseln", sagte sie. Wieder ein vierter Platz? "Sicher nicht. Das Ziel ist der Titel."