Handicap-Golfer De Los Santos "Man muss an sich glauben"

Balanceakt: "Der Golfschläger ist zu meinem zweiten Bein geworden", sagt Manuel De Los Santos.

(Foto: Imago)

Baseball-Profi Manuel De Los Santos verlor bei einem Unfall sein linkes Bein. Heute ist er Amateur-Golfer, hat gerade die Internationale Bayerische Meisterschaft gespielt und sagt: "Ich liebe, was ich tue."

interview Von Cathrin Schmiegel

Es ist zwölf Jahre her, da verlor der Profi-Baseballer Manuel De Los Santos bei einem Unfall sein linkes Bein - und seinen Lebensmut. Erst beim Golfen hat ihn der Dominikaner schließlich wiedergefunden. Heute lebt der 31-Jährige mit seiner Frau Elena in Frankreich und spielt mit einem Handicap von drei bei Amateur-Turnieren auf der ganzen Welt. Die Internationale Bayerische Meisterschaft für Golfer mit Behinderung brachte ihn am Wochenende nach Aschheim. Dort reichte es für den zweiten Platz, nur der Deutsche Michael Mittelhammer spielte besser. Kein Grund für De Los Santos, sich entmutigen zu lassen: In sengender Hitze trainierte er weiter.

SZ: Herr De Los Santos, wie lief das Turnier für Sie?

Manuel De Los Santos: Nicht so gut. Ich habe auf der Bahn eins zu viele Schläge gebraucht. Von dem Misserfolg lasse ich mich jedoch nicht unterkriegen, ich denke immer nur von Schlag zu Schlag. In drei Wochen werde ich in Schweden spielen. Ich freue mich darauf.

Dieser Optimismus zieht sich durch Ihr ganzes Leben: Sie waren früher Profi-Baseballer und mussten den Sport nach dem Unfall an den Nagel hängen. Wie haben Sie die Kraft gefunden, weiterzumachen und sich einer komplett neuen Sportart zuzuwenden?

Anfangs war es wirklich schwer. Ich habe eineinhalb Jahre gebraucht, alles zu verarbeiten. Da stieß ich im Internet auf einen Film. "Die Legende von Bagger Vance", ein Streifen, in dem es um einen ehemaligen Golfspieler geht, der nach einem Trauma seinen Lebensmut verliert und schließlich im Sport wieder zu sich findet. Die Geschichte hat mich sehr inspiriert. Der Film markierte einen Wendepunkt für mich. Ich beschloss, selbst Golfen zu lernen. Von da an arbeitete ich hart an mir und trainierte sechs bis sieben Stunden täglich. Jetzt bin ich froh, dass ich noch am Leben bin.

Es existieren wenige Angebote für gehandicapte Golfer. Die Internationale Meisterschaft für Golfer mit Behinderung ist in Deutschland alljährlich einzigartig. Wie steht es um die Inklusion im Golf?

Die Menschen, die uns beim Golfspielen zusehen, vergessen, dass wir eine Behinderung haben. Das ist gut so. Ich laufe alleine über den Platz, das mache ich für mich selbst, weil ich eine Herausforderung möchte. Man muss nur an sich glauben. Wir versuchen alle einfach, das Beste aus uns herauszuholen. Ich liebe, was ich tue. Okay, ich habe eine Behinderung. Und weiter? Der Golfschläger ist zu meinem zweiten Bein geworden.

Sollte sich der Sport für Golfer mit Behinderung professionalisieren?

Nein, es ist gut so wie es ist. Das sieht man ja auch in Aschheim. Es ist fantastisch hier, ich wurde sehr gut aufgenommen. Die Leute versuchen, mich in allem zu unterstützen. Solche Turniere sind leichter, wenn man weiß, dass man ein gutes Team um sich hat. Man spürt einfach, dass jeder hier das Spiel liebt.

Vermissen Sie Baseball manchmal?

Nein, ich mag Golf viel lieber. Viele Baseballspieler sind dumme Menschen. Sie denken, sie wären etwas Besonderes, weil sie gut in ihrer Sportart sind. Viele von ihnen verlieren den Bezug zum echten Leben, da sich nur noch alles um sie und den Sport dreht. Beim Golfen ist das anders. Hier helfen sich die Menschen gegenseitig. Sehen Sie sich nur mal um: Überall hier sind Freiwillige, die die Golfer unterstützen, wo sie nur können, und das Turnier für uns ermöglichen. So etwas kommt nicht in allen Sportarten vor.

Also sind Sie heute glücklicher?

Ja, definitiv. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mein heutiges Leben als Golfer mit nur einem Bein dem Leben als Baseballer mit beiden Beinen vorziehen.