Handball Zweite Welle

Der FC Bayern will in die Bundesliga? Keine neue Idee. Sie gewinnt aber nicht an Wahrheit dadurch, dass man sie wiederholt - oder doch?

Von Ralf Tögel

Wer im Internet schwimmt, muss wissen, dass dort Strudel lauern. Besonders seit der Erfindung der sozialen Medien kann man in diesem virtuellen Meer leicht in die Tiefe gerissen werden, wenn sich kleine Informationen mit beigemengten Halbwahrheiten zu riesigen Neuigkeiten vollsaugen - um mit der Wucht eines Tsunami alles zu überschwemmen. Beispiel? Uwe Schwenker, kein Geringerer als der Präsident der Handball-Bundesliga (HBL), habe die Rückkehr des Profi-Handballs nach München angekündigt. Marketingleute des FC Bayern und von Borussia Dortmund hätten sich darüber ausgetauscht. Eine kleine Randnotiz, entstanden bei einer Veranstaltung der Vereinigung Schleswig-Holsteinischer Sportjournalisten in Molfsee bei Kiel. Die Fortsetzung des ewigen Fußball-Derbys FCB gegen BVB im Handball?

Klaus Voik, ehemals Milbertshofen

"Die aktuelle Situation für Profi-Handball in München ist nicht schlecht. Ich kann mir vorstellen, dass man noch einmal einen Versuch starten wird."

Die Welle rollte los.

Bob Hanning, kein Geringerer als der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), fand die Idee - welch Wunder - interessant. Die Renaissance packender Bundesliga-Duelle in der Rudi-Sedlmayer-Halle? Wem es entfallen sein sollte: Ende der Achtzigerjahre kreuzten gleich zwei Handball-Bundesligisten aus der Landeshauptstadt, der TSV Milbertshofen und der MTSV Schwabing, miteinander die Klingen. Doch in diese Richtung etwas aufzubauen, könnte nach jeweils grandiosen Insolvenzen ein bisschen dauern. Mil, wie der Europapokalsieger zu seinen großen Zeiten gerufen wurde, spielt in der Bezirksoberliga. Schwabing krebst gar in der siebtklassigen Bezirksliga herum. Also brachte Hanning den TuS Fürstenfeldbruck ins Spiel. Der Drittligist ist im Raum München der mit Abstand am höchsten notierte Verein, hat folglich als einziger reelle Möglichkeiten, zeitnah nach oben zu kommen. Hanning findet jedoch, man müsste auf jeden Fall mit dem Namen München an den Start gehen. Wie auch immer, er stehe mit Rat und Tat zur Seite.

Lange ist's her: Ende der Achtziger balgte sich Schwabings Kapitän Andreas Dörhöfer (li.) mit Nürnbergs Mathias Bracher in der Bundesliga.

(Foto: Imago)

Es ist nun aber nicht so, dass diese Idee eine völlig neue ist. Am konkretesten hat Klaus Voik einmal solche Gedanken formuliert. Der ehemalige Nationalspieler war jahrelang für den TSV Milbertshofen am Ball, darf also als Kenner der Münchner Szene gelten. Zwei Jahre nach dem deutschen Weltmeistertitel 2007 plante er, Profi-Handball in die Stadt zurückzuholen - mit der Mannschaft der HSG Nordhorn, wie er erzählt. Voik war Spieler, Trainer und später Gesellschafter in Nordhorn, das von einer Insolvenz bedroht war. Voiks Plan: die Mannschaft samt Lizenz von Niedersachsen nach Bayern zu transferieren. "Vier Millionen hätten wir gebraucht", erinnert sich Voik, um eine realistische Chance im Handball-Oberhaus zu haben. "1,5 Millionen hatten wir." Da kam ihm der Gedanke an den FC Bayern. Was Voik nicht wusste: "Dass die Bayern so Basketball-affin sind." Zu einem Gespräch mit dem damaligen Präsidenten Uli Hoeneß kam es nicht, sagt Voik, "mit dem Namen FC Bayern würde das aber in jedem Fall funktionieren". Hoeneß hatte aber seinerzeit im Gespräch mit der SZ abgewunken: Noch eine Profi-Abteilung? Vorstellbar, vielleicht, aber allein aus zeitlichen Gründen für ihn schlichtweg nicht zu realisieren.

Derzeit ist Drittligist TuS Fürstenfeldbruck Münchens Aushängeschild.

(Foto: TuS Fürstenfeldbruck)

Nun also die Reanimation des Münchner Themas - wieder im Nachgang eines großen Erfolges der Nationalmannschaft, Deutschland ist bekanntlich seit Ende Januar Europameister. Mit ähnlichen Erfolgsaussichten, wie Voik findet: "Damals hat es der DHB brutal verpasst, aus dem Thema Kapital zu schlagen. Es sieht so aus, als ob sie denselben Fehler wieder machen." Von konkreten Gesprächen im Münchner Raum weiß er nichts, Voik glaubt aber, dass es das Umfeld hergeben würde, dass genügend finanzielle Kraft in München stecke, um Berufshandballern eine Heimat zu bieten. Momentan, sagt Voik, "ist die Situation für Profi-Handball in München nicht schlecht". Er könne sich vorstellen, dass "man noch einmal einen Versuch starten wird".

Auch Martin Wild, Trainer des TuS Fürstenfeldbruck, findet die Idee charmant. Aber: "An uns ist noch niemand herangetreten." Die Brucker kennen die Statements von HBL-Chef Schwenker und DHB-Vize Hanning nur aus der Presse. Wild erinnert sich vielmehr, dass es "das Gerücht von einem Münchner Bundesligaverein vor zwei Jahren schon einmal gab", sogar der Name des Trainers war schon auf dem Markt: Weltmeister Markus Baur. Passiert ist: nichts. Die neue Aufregung und die Einbeziehung des Namens TuS Fürstenfeldbruck ist für die Brucker aber eine Art Anerkennung. Wild sagt, dass man das Ganze wohlwollend zur Kenntnis nehme, "es zeigt, dass wir auch auf einer größeren Bühne wahrgenommen werden". Es sei bisher nicht oft vorgekommen, dass sich der DHB-Vizepräsident Leistungssport mit dem TuS Fürstenfeldbruck beschäftigt.

Und was sagen die Verantwortlichen? Die tz hatte kürzlich gemeldet, dass sowohl die Bayern als auch der BVB über einen Einstieg in den Handball nachdenken. Die Bayern, das wird bisweilen fast vergessen, haben ja eine Handballabteilung, die Männer spielen in der Bezirksoberliga. Beide Vereine winken aber ab: kein Thema, nie gewesen. Vorstellbar? Warum nicht. Und nun?

Nationalspieler Dominik Klein wurde zuletzt auffallend oft in Fürstenfeldbruck gesichtet, hat nie einen Hehl daraus gemacht, nach seiner Karriere mit Frau Isabell, die aus Ismaning stammt, hier leben zu wollen. Dem Vernehmen nach haben sie schon ein Haus gekauft. Außerdem hat Klein für den FC Bayern schon mehrere Handball-Jugend-Camps organisiert. Ob er schon mit Uli Hoeneß gesprochen hat?