Handball Noch nicht gut genug

Vorne wie hinten stark: Svenja Jänicke erzielt eines ihrer sechs Tore, Katharina Wohlrab (vorne) assistiert, Emma Laigaard beobachtet.

(Foto: Toni Heigl)

Drittligist HCD Gröbenzell plant für kommende Saison den Aufstieg

Von Ralf Tögel, Gröbenzell

Anfang Dezember war es, als Lisa Sagert an der Hand operiert wurde. Der Discus triangularis war eingerissen, diese dreieckige Knorpel-Band-Struktur am Handgelenk, die Elle und Speiche mit den Mittelhandknochen verbindet. So ähnlich funktioniert der Meniskus im Knie, genauer muss man das auch gar nicht wissen. Klar ist jedenfalls, dass diese Stelle für eine Torhüterin eine sehr sensible ist. Und Lisa Sagert steht bekanntlich bei den Drittliga-Handballerinnen des HCD Gröbenzell im Tor, als solche ist sie vielleicht die Schlüsselspielerin im Team des Trainergespanns Hendrik Pleines und Harald Fischer. Jetzt ist sie wieder da, schneller als erhofft und stark wie immer. Lidija Radovanic rückt wieder ins zweite Glied, die langjährige kroatische Erstligaspielerin war ja aufgrund der Verletzung von Sagert verpflichtet worden, mit ihr dürfte der HCD eines der stärksten Torhüterinnen-Duos der Liga haben. Wovon sich die geneigten Zuschauer am Wochenende in der Dachauer ASV-Halle überzeugen konnten, dorthin mussten die Gröbenzellerinnen nämlich ausweichen, denn in der heimischen Wildmooshalle war der Kabarettist Bruno Jonas zugange. Was letztlich unterhaltsamer war, sei dahingestellt. Jedenfalls mussten die Handball-Zuschauer ihr Kommen nicht bereuen. 30:18 bezwangen die HCD-Frauen die Gäste der HSG Freiburg, vor allem dank einer beeindruckenden Abwehrleistung - mit einer beeindruckenden Lisa Sagert dahinter.

Die Gäste aus dem Breisgau gelten als sehr offensivstark, hatten in den beiden jüngsten Auswärtsspielen in Bietigheim (33 Tore) und in Pforzheim (29) jeweils deutlich gewonnen. Freiburg ist Fünfter, ein ambitioniertes Team, das allerdings in Bayern an seine Grenzen stieß. Denn Gröbenzell ist momentan in bestechender Form, feierte den fünften Sieg in Serie. Der allerdings war kein Selbstläufer, zur Halbzeit führte der HCD nur 13:11. Um sich nach dem Wechsel weiter zu steigern. Ganze vier Feldtore ließ die Defensive mit dem starken Mittelblock um Sina Fischer, Vera Balk und Svenja Jänicke zu, was dennoch auf das Tor kam, wurde von Sagert entschärft. Jänicke verdiente sich zudem auf der Schaltstation im Angriff Bestnoten, gestaltete das Spiel mit viel Übersicht und war mit sechs Treffern erfolgreich. Beste Werferin war Vera Balk (7), und weil auch die Fischer-Schwestern Sina (5) und Aline (4) viel Torgefahr ausstrahlten, fiel das Fehlen von Amelie Bayerl, die mit der Jugendnationalmannschaft unterwegs war, erst gar nicht ins Gewicht. Offensiv sei sogar noch einige Luft nach oben, fand Pleines. Defensiv kam das Gebotene seiner Vorstellung schon sehr nahe.

Jedenfalls wurden die Gäste zu Beginn der zweiten Halbzeit überrollt, ein 5:0-Lauf innerhalb von zwölf Minuten zum 18:11 brachte eine frühe Vorentscheidung. Der Rest war eine Demonstration der eigenen Möglichkeiten, die nach Ansicht des Trainers dennoch nicht für die Meisterschaft und damit die zweite Liga reichen dürften: "Ketsch ist einfach zu stark", erklärt Hendrik Pleines. Zwar beträgt der Vorsprung des Gegners aus dem Rhein-Neckar-Kreis zwischen Speyer und Heidelberg nur vier Punkte, und Ketsch muss noch in Gröbenzell antreten, aber die hochkarätig besetzte TSG hat bisher alle Spiele souverän gewonnen. "Wir nehmen nicht an, dass Ketsch noch einmal stolpert", sagt Pleines. Zu erfahren sei dieser Kader, zu stark besetzt.

Der Angriff des HCD ist daher für die kommende Saison geplant, erzählt der Chefcoach schon jetzt, was im Übrigen Voraussetzung für eine weitere Saison des Trainerduos Pleines/Fischer in Gröbenzell sei. "Wir wollen es im kommenden Jahr versuchen", sagt der HCD-Coach, darauf hätten sich Trainer, Mannschaft und Vereinsvorstand geeinigt. Und dafür werden bereits zum jetzigen Zeitpunkt hinter den Kulissen die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, Gespräche mit mehreren Spielerinnen geführt, die den Kader "weiter verstärken sollen", wie Pleines sagt. Namen will er natürlich zu dieser sensiblen Saisonphase keine nennen, es sollen aber Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung sein. Die hat im Übrigen auch Lisa Sagert. Sie spielte in Bietigheim zweite und in Metzingen erste Liga.