Fußball-Regionalliga Wunder-Punkte

Der FC Pipinsried sichert den Ligaverbleib und geht entspannt ins große Duell am Samstag im Dachauer Hinterland mit den Münchner Löwen.

Von Jonas Kraus, Passau/Pipinsried

Schaldings Spielertrainer Stefan Köck wollte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Pipinsried gerade das Wort ergreifen, als er unterbrochen wurde. Das war auf der einen Seite ärgerlich, hatte er doch einiges zu berichten von diesem 1:1, bei dem er in der Schlussphase sogar den Aushilfstorwart spielen musste. Auf der anderen Seite war die Unterbrechung verständlich. Kurz zuvor hatte Aufsteiger Pipinsried den Klassenerhalt gesichert, was die Spieler veranlasste, singend das Schaldinger Vereinsheim zu stürmen. Dass bereits an diesem Samstag ihr nächstes großes Spiel ansteht, wenn sie vor erwarteten 7000 Fans den TSV 1860 München empfangen, der in Pipinsried die Regionalliga-Meisterschaft feiern will, rückte in den Hintergrund.

"Es war kein schönes Spiel", sagte Pipinsrieds Spielertrainer Fabian Hürzeler, nachdem er seine Spieler davon überzeugen konnte, doch bitte woanders weiterzufeiern. Überraschend kam die schwache Leistung für ihn nicht, in den vergangenen drei Wochen habe er nur einmal trainieren lassen, der eng getaktete Spielplan ließ nicht mehr zu. Da passte ihm die Partie beim SV Schalding gar nicht, zumal er mit seiner Mannschaft zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen nach Passau reisen musste. Die erste Auflage war Mitte April abgebrochen worden, nachdem ein Zuschauer eine Herzattacke erlitten hatte und reanimiert werden musste. Der Fußball rückte in den Hintergrund, ärgerlich war es für die Gäste dennoch, waren sie doch bis zum Abbruch in der 81. Minute das bessere Team und führten 1:0.

An diese Leistung konnte der Aufsteiger am Donnerstag nicht anknüpfen. Besonders in der ersten Halbzeit agierte die Mannschaft uninspiriert, lediglich Stürmer Manuel Müller strahlte Gefahr aus. Schalding hatte mehr von der Partie. "Wir hatten die Spielkontrolle und waren die bessere Mannschaft", lobte Köck.

Doch den Gastgebern fehlte die letzte Konsequenz, was auch der nachlassenden Spannung geschuldet war. Schaldings Ligaverbleib war vor dem Spiel bereits gesichert, zum fünften Mal in Serie. "Von Schalding können wir uns eine Scheibe abschneiden, die leisten herausragende Arbeit", sagte Hürzeler, der im Ligakonkurrenten eine Art Vorbild sieht.

Dass das Spiel nur noch für Pipinsried von Bedeutung war, wurde vor 405 Zuschauern in der zweiten Halbzeit deutlich. Die Gäste kamen sehr engagiert aus der Kabine, das Tor aber erzielte Schalding in der 65. Minute, als der eingewechselte Stefan Lohberger nach einer flachen Hereingabe nur einschieben musste. Pipinsried steckte dennoch nicht auf, zum sicheren Ligaverbleib brauchte es einen Punkt. Den nötigen Treffer besorgte der umtriebige Kasim Rabihic, der Torwart Markus Schöller in der 77. Minute mit einem strammen Schuss aus 20 Metern überwand.

Schöller stand dann eine Minute später erneut im Mittelpunkt. Nach einem weiten Pass kam er übereifrig aus seinem Tor gestürmt, traf anstatt des Balles nur den Gegner und kassierte dafür die rote Karte. Schalding hatte bereits dreimal gewechselt, der gelernte Verteidiger Köck stellte sich daher selbst in den Kasten. Kapital konnte Pipinsried daraus nicht schlagen, nur zwei Minuten später fällte Luis Grassow übermotiviert einen Gegenspieler und kassierte ebenfalls den Platzverweis. "Total unnötig" fand Hürzeler die Aktion, zu sehr darüber aufregen wollte er sich aber nicht. Das "Wunder" Klassenerhalt war geschafft, ins Spiel gegen den designierten Meister kann seine Mannschaft nun ganz entspannt gehen. Lediglich die kurze Pause ist Hürzeler ein Dorn im Auge, ein freier Tag zwischen Nichtabstiegsfeier und der nächsten Partie sei doch deutlich zu wenig. Trotzdem sagte er: "Wir wollen die Löwen ärgern."