Fußball Der Bertl ist zurück

Profi außer Dienst: Zuletzt in Aalen war Robert Lechleiter mehr verletzt als gesund.

(Foto: Imago/Eibner)

Als Spätberufener startete Robert Lechleiter seine Fußballkarriere, die ihn bis in die zweite Liga führte. Nun, mit 35, wird er Trainer seines Heimatvereins TSV Aßling. Der kämpft gegen den Abstieg aus der zehnten Liga

Von Stefan Galler

Von außen betrachtet klingt die Meldung wie eine Sensation: Der frühere Zweitligaprofi Robert Lechleiter wechselt als Trainer in die Fußball-A-Klasse. Die zehnte Liga. Aus dem Mund von Sebastian Kerschbaumer klingt das Ganze eher wie eine Selbstverständlichkeit. Kerschbaumer leitet gemeinsam mit Stefan Holzmann die Fußball-Abteilung des TSV Aßling, und er kommentiert die Personalie so: "Der Bertl hat immer gesagt, dass er irgendwann zu uns zurückkommen will." Der kleine Klub aus dem südlichen Landkreis Ebersberg ist Lechleiters Stammverein, in dessen Jugendabteilung er als Fünfjähriger mit dem Fußballspielen begann.

Dass Lechleiter nun, als 35-Jähriger, zu seinen sportlichen Wurzeln zurückkehrt, ist allerlei Zufällen geschuldet. Zunächst wäre da die lange Verletzungshistorie am Ende seiner aktiven Karriere: Zwei Kreuzbandrisse, dazu ein Knorpelschaden im Knie. "Ich habe es nach der Verletzung im Mai 2014 weiter probiert, aber ständig Schmerzen gehabt und auch eine Instabilität festgestellt", erzählt er. "Irgendwann musste ich mir dann eingestehen, dass es nicht mehr geht." Also beendete Lechleiter im März 2015 seine Laufbahn, die ihn nicht nur nach Unterhaching (2003 bis 2008), sondern bis nach Mecklenburg-Vorpommern (Hansa Rostock, 2008) und an die Ostalb in Baden-Württemberg (VfR Aalen, 2009 bis 2015) geführt hatte. Und weil er ein bodenständiger Mensch ist, zog es ihn sogleich wieder in die Heimat: In Aßling, wo auch seine Eltern nach wie vor wohnen, siedelte sich der gelernte Kfz-Mechaniker an, baute dort für sich, seine Frau und die beiden Kinder ein Haus und suchte sich in der Nähe einen neuen Job: Er schult derzeit um, wird Immobilienkaufmann. Und weil dieser Schritt jetzt absolute Priorität hat, legt Lechleiter seine Pläne, eine Trainerausbildung zu machen, zumindest vorerst auf Eis: "Alles weitere hängt dann davon ab, wie es im Job weitergeht", sagt der Mann, der immerhin 158 Zweitligaeinsätze (29 Tore) in seiner Vita stehen hat.

Folglich stand einem Engagement beim TSV Aßling nichts im Wege, zumal der Klub in einer sportlich schwierigen Situation steckt: Trainer Christian Bergmann warf nach nur fünf Spieltagen aus privaten Gründen das Handtuch, vorübergehend übernahmen die Spieler Mirko Beißwenger und Felix Zeibe die Verantwortung. Die Mannschaft tat sich schwer in der Vorrunde, belegt in der A-Klasse 2 im Kreis Inn/Salzach Rang zehn unter 14 Teams, zwei Zähler vor den Abstiegs-, einen vor den Relegationsrängen. "Wir müssen stabiler werden", weiß Spartenchef Kerschbaumer. "Vor allem zu Beginn und am Ende eines Spiels ist die Mannschaft wackelig."

Diese Unsicherheiten soll Lechleiter aus den Köpfen der Spieler bekommen. "Wir erwarten von ihm, dass er unsere Mannschaft taktisch besser macht. Und vielleicht wird er als bekannte Persönlichkeit auch den ein oder anderen Spieler anlocken", so Kerschbaumer. Lechleiter selbst will vor allem "nichts mit der Relegation und dem Abstieg zu tun haben". Er habe schon einige Spiele der Aßlinger gesehen und dabei durchaus Potenzial festgestellt: "Alle sind sehr engagiert, wir haben jetzt in der Vorbereitung viel Zeit und werden die Mannschaft entsprechend einstellen." Im Training könne er wegen seines Knies zwar nicht aktiv eingreifen, aber zumindest "vieles anleiten" und seine Erfahrung weitergeben. Die Vereinbarung zwischen ihm und dem Klub gilt zunächst bis zum Ende der kommenden Saison 2016/17. Und wer weiß, vielleicht ist ja einer seiner Schüler so talentiert, dass er einen ähnlichen Weg einschlägt wie Lechleiter selbst.

Der hatte seinen großen Durchbruch als Spätberufener. Mit 19 ragte er in einem Pokalspiel mit Aßling gegen den Bezirksligisten SC Baldham-Vaterstetten derart heraus, dass ihn Baldhams damaliger Trainer Franz Schick sofort engagierte; zwei Jahre später ging es nach Ismaning, Bayernliga, nach vier Jahren unterschrieb er beim Zweitligisten Unterhaching. Der heutige TSV-Vorsitzende Christian Stable kickte in Aßling damals Seite an Seite mit dem Stürmer. Und freut sich über dessen Rückkehr: "Der Kontakt zu Bertl ist nie abgerissen, er war öfter da und hat uns besucht", sagt Stable und berichtet von unkomplizierten Verhandlungen mit dem alten Freund: "Ich musste ihn nicht groß überreden."

Lechleiter nimmt die Aufgabe motiviert an: "Das niedrigere Niveau in der A-Klasse stört mich überhaupt nicht." Mit seiner aktiven Karriere ist der 35-Jährige im Reinen: "Ich hatte fünf super Jahre in Unterhaching, dann in Aalen mit den Aufstiegen in die dritte und zweite Liga meine erfolgreichste Zeit. Trotz meiner Verletzungen bereue ich nichts. Und jetzt geht es weiter."