Fußball-Bayernliga Warum Ismaning auf den Aufstieg verzichtet

SZ: Ketzerische Frage: Ist es nicht sogar einfacher, mit einer Mannschaft Meister zu werden, die nicht aufsteigen kann?

Schmöller: Weil die Spieler dann nicht fürchten müssen, dass sie ausgetauscht werden? Das kommt bestimmt vor. Man muss sich in manchen Ligen nur die letzten Spieltage anschauen, da kommen die kuriosesten Ergebnisse zustande. Bei uns spielt das keine Rolle. Fakt ist: Wir wollten die Meisterschaft. Und wir haben sie.

SZ: Warum verzichtet der Verein auf den Aufstieg? Vorjahresmeister Memmingen hat den Sprung gewagt und in der Regionalliga gut mitgehalten.

Schmöller: Aber auch die sind erst im dritten Anlauf hochgegangen. Memmingen hat ein wunderschönes Stadion bekommen, das wohl sogar drittligatauglich wäre. Kennen Sie unser Stadion? Die Frage ist doch: Muss man für eine Saison dieses Fass aufmachen, wenn die Ligen nächstes Jahr ohnehin zusammengeführt werden? Das wäre finanziell ein Fiasko geworden. Warum sollten wir sehenden Auges in eine Dummheit hineinlaufen?

SZ: Nicht nur in der Regionalliga, auch in der Dritten Liga geraten die Vereine in immer größere Schwierigkeiten - siehe ihr früherer Verein Unterhaching. Muss der Verband auch hier nachbessern?

Schmöller: Die Dritte Liga ist grundsätzlich sinnvoll, die Regionalliga dagegen war ein Kunstmodell, nicht tragbar. Darauf hat der DFB Gott sei Dank reagiert.

SZ: Es fällt auf, dass Vereine außerhalb Münchens auf Amateurebene wesentlich erfolgreicher sind. Die Stadt hat den FC Bayern, den TSV 1860 - dann kommt schon Feldmoching, Bezirksoberliga.

Schmöller: Stadtvereine haben deutlich schlechtere Voraussetzungen: Es ist nicht leicht, Sponsoren zu finden, wenn 200 Meter weiter bereits der nächste Verein wartet. Oder Zuschauer: Es könnten zwar mehr sein, aber wir haben eine gewisse Stammkundschaft. Wir haben das Glück, dass Ismaning keine arme Gemeinde ist. Die Zusammenarbeit mit einer Gemeinde ist wohl leichter als mit einer Großstadt.

SZ: Das letzte Saisonspiel führt Ismaning nach Hof: Sie hätten vermutlich darauf verzichten können, dass es für den Gegner im Abstiegskampf noch mal um etwas geht, nachdem er sich vor einem Zivilgericht zwei Punkte erstritten hat?

Schmöller: Wir wollten vor dem Spiel eigentlich zu McDonald's essen gehen, das werden wir nun sein lassen. Wir ziehen unser Standardprogramm durch und wollen uns dort als Meister präsentieren.

SZ: Einer der größten Hofer Konkurrenten ist der SV Heimstetten, Ihr ehemaliger Verein. Dessen Vorsitzender hat vorab bereits öffentlich Zweifel an der Ismaninger Einsatzfreude gehegt.

Schmöller: Dafür gibt es keinen Grund, und dafür habe ich kein Verständnis. Mit solchen Aussagen disqualifiziert man sich nur selbst. Sie werden doch nicht glauben, dass wir lieber durch ganz Bayern fahren als nach Heimstetten zum Derby.