Fußball-Bayernliga "Warum sehenden Auges in eine Dummheit laufen?"

Ein lange geträumter Traum wird wahr: Der FC Ismaning ist Meister der Bayernliga. Frank Schmöller, Meistertrainer und 'König von Ismaning', spricht im SZ-Interview über Aufstiegsverzicht, Fast Food und Sprint-Qualitäten.

Interview: Wolfgang Wittl

Vor ein paar Monaten saß Karsten Wettberg, ehemaliger Trainer des TSV 1860 und König von Giesing, mit Frank Schmöller vom FC Ismaning zusammen und philosophierte über die Fußball-Bayernliga. Vielleicht werde Schmöller, 44, eines Tages ja auch in den Königsstand erhoben, scherzte Wettberg, "wenn er Bayernliga-Meister wird", denn das habe "noch keiner geschafft in Ismaning". Das hat sich, einen Spieltag vor Saisonende, gründlich geändert.

Überschäumende Freude: Frank Schmöller inmitten seiner freudetrunkenen Spieler. Pünktlich zum 90-jährigen Vereinsbestehen sichert sich der FC Ismaning den Titel in der Fußball-Bayernliga.

(Foto: Claus Schunk +49 1716039668)

SZ: Wie lebt es sich als König von Ismaning, Herr Schmöller?

Schmöller: Es ist ein gewisser Stolz, Zufriedenheit und die Bestätigung, dass wir alle im Team gut gearbeitet haben. Wenn man sich die Konstellation der Ligen und Mannschaften im nächsten Jahr ansieht, war es vielleicht die letzte Chance, Bayernliga-Meister zu werden. Dass wir das auch noch im Jahr unseres 90-jährigen Vereinsbestehens geschafft haben, ist natürlich Wahnsinn. Es hat jetzt aber keine Krönung stattgefunden.

SZ: Vereinschef Hans Blössl ist trotzdem recht zufrieden mit Ihnen: Er schwärmt von schönem Offensivfußball und einem wahren Team, das die Vorgaben des Trainers meistens umsetze. Wie meint er das: meistens?

Schmöller: Na, wenn sie meine Vorgaben immer umgesetzt hätten, dann hätten wir gar kein Spiel verloren. Im Ernst: Unser Vorstand arbeitet wie ich gerne mit einem Augenzwinkern, das ist angekommen.

SZ: Ein paar Spieler haben ihr Saisonziel jedoch verfehlt: Sie wollten aufsteigen, der Verein aber hat bereits im Winter seinen Verzicht erklärt. Wie ist das: Vorne mitzuspielen, ohne echtes Ziel?

Schmöller: Das ist der Grund, warum man diese Meisterschaft nicht hoch genug einschätzen kann. So durchzuziehen, das ist nicht normal und spricht für den Charakter der Spieler. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, wenn man im Winter bei minus 15 Grad im Schnee steht und der Trainer einen Zehn-Kilometerlauf ansetzt.

SZ: Wie haben Sie die Spieler motiviert?

Schmöller: Ich habe versucht, positive Emotionen zu wecken, positive Bilder zu schaffen.

SZ: Zum Beispiel?

Schmöller: Ich habe ihnen Bilder der Meisterfeier vor Augen gehalten: dass sie den Trainer mit Bier vollschütten dürfen, dass sie richtig was trinken dürfen. Wer hart arbeitet, darf hart feiern. Und das haben die Jungs gemacht, glauben Sie mir.

SZ: Naja, das mit dem Vollschütten hat nicht so geklappt: Ihrem Stürmer Florian Niederlechner sind Sie davongelaufen.

Schmöller: Ich mache es meiner Mannschaft eben nie besonders leicht.

SZ: Spricht nicht gerade für den Spieler.

Schmöller: Er hatte 90 Minuten in den Beinen.

SZ: Bei allem Respekt: Niederlechner ist nicht mal halb so alt wie Sie.

Schmöller: Sie unterschätzen meine Schnelligkeit, und später haben sie mich dann ja auch erwischt. Nein, ich wollte tatsächlich fünf Minuten alleine sein. Das war für mich ein emotionaler Moment, wir stecken ja alle sehr viel Arbeit rein.