Fußball-Bayernliga Grün-Weiße Hoffnung

Zum Karriereabschluss einen Pokal: Philipp Bönig im Mai 2015 bei Ferencváros Budapest.

(Foto: Aleksandar Djorovic/imago)

Der Ex-Profi Philipp Bönig wird Trainer des BCF Wolfratshausen. Empfohlen hat ihn ein neuer Sportchef.

Von Andreas Liebmann, Wolfratshausen

Gründonnerstag, klar. Eigentlich ein seltsamer Termin für eine Pressekonferenz, in der Wegweisendes zur Zukunft verkündet werden soll. Mitten hinein in die Feiertage. Andererseits: Grün ist die Farbe der Hoffnung. Laubfroschgrün ist das Wappen des BCF Wolfratshausen. Laubfroschgrün-weiß, um genau zu sein. An einer riesigen grünen Pokalvitrine vorbei geht es ins Wolfratshauser Sportlerheim, wo nun einer sitzt, dessen Heimatverein FC Erding ebenfalls grün-weiß trägt. Und der bei seinem Karriereende als Fußballprofi vor knapp drei Jahren das Trikot von Ferencváros Budapest ablegte - auch das grün-weiß. Philipp Bönig müsste sich hier wohlfühlen.

190 Erstligaspiele hat der Linksverteidiger Bönig, 38, in seiner Laufbahn absolviert, davon 50 in Ungarn, unter den Trainern Ricardo Moniz und Thomas Doll. Von der kommenden Saison an soll er nun den BCF Wolfratshausen trainieren, den Bayernligisten, von dem man nicht so genau weiß, ob er dann noch Bayernligist sein wird. Zurzeit deutet einiges auf eine erneute Abstiegsrelegation hin. Bönig wird unabhängig davon den 34-jährigen Marco Stier ablösen, der im Sommer nach Hamburg heimkehren will. Ein ehemaliger Profi wird also dem anderen folgen.

Der ehemalige Profi kommt auf Empfehlung des neuen Sportchefs: Onur Misirlioglu

Ein wohltuender Unterschied: Bönig spricht. Stier hat sich das Reden in der Öffentlichkeit in der Winterpause ja abgewöhnt und lässt seitdem seine Co-Trainer Rede und Antwort stehen. Wie Michael Rödl, der nun mit am Tisch sitzt, weil er auch in der nächsten Saison Co-Trainer bleiben soll. Philipp Bönig referiert erst einmal seinen Lebenslauf, ganz offenbar ist er nicht der Auffassung, dass ihn hier sowieso jeder zu kennen habe. Und er versichert: "Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die Mannschaft die Klasse halten wird." Schwierig zu planen sei die neue Spielzeit trotzdem. "Wir müssen schon in alle Richtungen denken."

Natürlich redet auch Manfred Fleischer, der Abteilungsleiter ist schließlich Politiker. Er betont, dass es mehrere gute Kandidaten gegeben habe, dass Bönig am meisten überzeugt habe, und wie wichtig es sei für die aktuelle Mannschaft, so früh Klarheit zu haben über die zukünftige sportliche Führung. Was gleich zu einer anderen, mindestens ebenso bemerkenswerten Personalie führt: zu Onur Misirlioglu. Denn der ehemalige BCF-Verteidiger war es, der Bönig empfohlen hatte, er ist hier neuerdings Sportlicher Leiter. Das Bemerkenswerte daran ist, dass der temperamentvolle 34-Jährige in der Vergangenheit schon einmal maßgeblich die Geschicke des BCF bestimmt hat, wenn auch ungewollt. Im Spätsommer 2016 hatte Fleischer von seinem glücklosen Coach Patrik Peltram verlangt, Misirlioglu wieder aufzustellen und den Trainer damit demontiert. Misirlioglu war damals wegen einer Nichtberücksichtigung gekränkt. Infolge der Causa verließen neben Peltram zahlreiche Funktionäre und Spieler auf einen Schlag den Ball-Club Farchet. Der robuste Misirlioglu kam auch unter Nachfolger Marco Stier kaum noch zum Zug.

Künftig soll Misirlioglu hier also das Gegenteil bewirken: Er soll das Team zusammenhalten, zu Harmonie und Teamgeist beitragen. Misirlioglu sei "zu hundert Prozent Farcheter", erklärt Fleischer seine Wahl, und er hat die Aufgabe tatkräftig begonnen. Rödl wie Misirlioglu, die jahrelang zusammenspielten, versichern, dass die Signale aus der Mannschaft positiv seien. Es sehe aktuell nicht danach aus, als hegten viele Spieler Wechselabsichten.

Philipp Bönig trägt überraschenderweise nichts Grünes, sondern einen dezenten braunen Pullover. Er redet ruhig, bescheiden, bairisch. Dass er selbst noch ein wenig grün ist als Trainer, stört hier niemanden. Er sei Hörgeräteakustiker, erzählt er. Klar werde er das Trainersein lernen müssen. Als Spieler unterschätze man leicht all die Aufgaben. Für den FC Erding hat er übrigens nie gespielt, er begann beim SC Eintracht Freising, trainiert von seinem Vater. Bald wechselte er in die Jugend des FC Bayern, wie später auch seine Brüder Sebastian, heute Co-Trainer bei Union Berlin, und Vincent, der früher aufhörte. Ein Jahr lang hat er die U19 des FC Erding trainiert, dann seine A-Lizenz gemacht. Es helfe schon, zwei Trainer in der Familie zu haben, sagt er, und er sei ja auch von vielen guten Trainern beeinflusst worden. Björn Andersson in der Bayern-Jugend hebt er hervor und Motivator Peter Neururer, mit dem er während seiner neun Jahre beim VfL Bochum die größten Erfolge feierte.

Als Spielertrainer komme er übrigens ganz sicher nicht, betont der 38-Jährige lachend. Dagegen spreche schon seine sensationelle Torquote. In den 140 Erstligaspielen in Deutschland traf Philipp Bönig kein einziges Mal.