Frauenfußball Starke Mädchen

Die E-Jugend gewinnt gegen Jungen, die Juniorinnen spielen in der Bundesliga, doch das Geld ist knapp: Der FFC Wacker München setzt jetzt auf Crowdfunding

Von Maria Kurth

München - Manchmal bekommt Thomas Leber Mitleid. Dann, wenn seine Mannschaft unterschätzt wird. Wenn acht- bis zehnjährige Jungen seine Mädchen nicht ernst nehmen. "Das tut mir dann weh", sagt Leber - "für die Jungen". Die werden nämlich nicht selten sehr hoch von seinen Mädchen besiegt. Für ihre Sprüche vor dem Spiel werden die Jungen dann doppelt bestraft. "Es gab ein Spiel", erinnert sich Leber, "da verlor eine dritte Vertretung gegen uns und musste danach einige Sprüche von ihrer ersten Mannschaft ertragen." So etwas tue ihm dann wirklich sehr leid.

Die E-Juniorinnen des FFC Wacker München sind das einzige Mädchen-Fußballteam in der Kreisliga Süd. Mit 21 von 24 möglichen Punkten wurde Lebers Mannschaft Erster und steht für die Philosophie des Vereins. Denn Wacker strebt mit guter Nachwuchsarbeit nach ganz oben. Und die E-Juniorinnen geben die Richtung vor.

Bei der Konkurrenz hat das durchaus Eindruck hinterlassen. "Die Mädchen sind kämpferisch und taktisch sehr gut", sagt Florian Rath. Er trainiert das Team des SV Stadtwerke München II. Das einzige Team, das den FFC bezwingen konnte. "Unsere Zuschauerzahlen sind durchwachsen, außer wenn die Mädels kommen. Die wollen alle sehen", sagt Rath. Sein Team ist punktgleich mit Wacker. Die Mädchen haben das bessere Torverhältnis (55:15), "aber eigentlich zählt der direkte Vergleich", sagt Rath, dessen Team demnach auf Rang eins stehen würde. Man habe es in der Tabelle dennoch einfach dabei belassen, es ist quasi ein Gentlemen's Agreement "Die Mädels haben das auch verdient", findet der SV-Trainer.

Leber ist stolz auf die vergangene Saison, doch "man muss das einordnen". Zur Rückrunde wurden die Staffeln neu eingeteilt. Als Vorletzter der Hinrunde landeten die E-Juniorinnen in der vermeintlich schwächsten Gruppe. "Trotzdem wurden die Mädchen besser im Zweikampf", sagt der Wacker-Coach. Bevor ein Mädchen für Wacker aufläuft, muss es sich beweisen, zweimal im Jahr gibt es zudem Probetrainings. Oft würden Eltern auch von allein kommen und ihre Töchter vorstellen. "Wacker München hat einen sehr guten Ruf", sagt Leber. Aber auch hohe Ansprüche: "Wir wollen Qualität haben", fordert Leber. Er achte neben den koordinativen und technischen Fähigkeiten vor allem auf die Laufbereitschaft. "Die kann man schlecht trainieren", sagt er.

Aushängeschild im Nachwuchsbereich sind die B-Juniorinnen. Sie spielen in der Bundesliga Süd. "Dort sollen auch mal Spielerinnen von uns hin", sagt Leber. Als Neuling in Deutschlands höchster Spielklasse landete das Team vergangene Saison auf dem achten Platz - zwölf Punkte vor den Abstiegsplätzen. Die B-Juniorinnen sind der Nährboden für große Hoffnungen, "sie sind die Ressource für die erste Mannschaft", sagt Leber. Die erste Mannschaft spielt in der Regionalliga, "in den nächsten zwei bis drei Jahren soll der Aufstieg in die zweite Bundesliga gelingen", sagt Thomas Vizjak, Marketing-Vorstand des Vereins. Gute Nachwuchsarbeit ist dafür erforderlich, kostet aber auch viel Geld. Doch mit den Ansprüchen wird es immer knapper. Vor ein paar Jahren verlor der Verein seinen Hauptsponsor. Seither ist er auf der Suche, "aber das ist unheimlich schwer", sagt Vizjak, weil es - WM hin oder her - "immer noch Vorurteile gegenüber Frauenfußball gibt". Erst, wenn der Aufstieg gelinge, glaubt Vizjak, wird es mehr Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung geben.

Rund 220 Vereinsmitglieder plus Trainer wollen betreut gefördert werden. Heißt: Der Verein braucht jetzt Unterstützung. Deshalb ist der FFC Wacker München auf der Crowdfunding-Plattform Fairplaid zu finden. Mit dem Slogan "Wacker weckt Leidenschaft" wirbt er für seine Projekte und hofft auf Geldgeber, um die anvisierten 10 000 Euro zu bekommen. Bis Ende Juli läuft das Projekt noch. "Die Resonanz ist nicht groß, aber das ist auch das Spiegelbild der allgemeinen Akzeptanz", sagt Vizjak. Die Gesamtsumme muss erreicht werden. Fehlen am Ende nur zehn Euro, erhält der Verein keinen Cent.

Vizjak hat im vergangenen Jahr die Münchner Macromedia-Hochschule um Hilfe gebeten. Professor Hansjörg Zimmermann war von der Idee einer Kooperation begeistert. Er entwickelte ein Seminar, das sich nur mit dem FFC Wacker beschäftigt. 35 Studenten halfen bei der richtigen Darstellung auf Fairplaid, T-Shirt- und Plakatkampagnen sollen folgen. "Wir wollen mit dem Geld die Trainerausbildung finanzieren, Seminare zur Stärkung der sozialen Kompetenz anbieten", sagt Vizjak. Auch Mitgliedsbeiträge von Kindern aus sozial schwächeren Familien sollen mit dem Geld übernommen und ein Techniktraining angeboten werden. "Wir wollen insgesamt besser dastehen", sagt Vizjak. So wie die E-Juniorinnen.