Formsache Atemlos durch die Ammersee-Prärie

Aus seiner Geburtsstadt Berlin hat Jürgen Herrmann, 74, den Spitznamen „Atze“, aus seinen Jahrzehnten als Radiomoderator den Titel „Mister Music“. Mit Thomas Gottschalk, Fritz Egner, Fred Kogel und Jim Sampson zählte er zu den Bayern-3-Legenden.

(Foto: Catherina Hess)

Ein"Lokal"-Patriot mit Hüftschwung: Wie der Kult-Radiomoderator Jürgen Herrmann dem Altern vorbeugt.

Sport ist...

Jürgen Herrmann: ...Spaß und Leidenschaft, verbunden mit maßvollem Ehrgeiz und Begeisterung. Keine Quälerei, sondern stetige Herausforderung fürs Alter.

Ihr aktueller Fitnessstand?

Bin sehr zufrieden, dank regelmäßiger Spaziergänge und Frühgymnastik getreu dem Motto: "Ten Minutes a Day keeps the Doctor away" (alter AFN-Radiospruch).

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Der Hüftschwung à la Elvis "The Pelvis" lag mir damals mehr als der am Barren. Der Einkehrschwung wird heute von mir weniger auf der Piste, dafür des Öfteren in der Kneipe oder der regionalen Gastronomie getätigt. Bin also eher "Lokal"-Patriot.

Sportunterricht war für Sie?

Immer ein schulisches Highlight, verbunden mit Spaß und willkommener Abwechslung vom Schulalltag. Wir hatten in den 50er Jahren wöchentlich zwei bis drei Stunden Leibesübungen - so hieß das damals.

Ihr persönlicher Rekord?

Ich war nie der rekordverdächtige Typ. Meine letzte persönliche Höchstleistung liegt ein paar Jährchen zurück, circa 50 Kilometer mit dem Mountainbike - ohne Pedelec-Unterstützung. Quasi "Atemlos" unterwegs durch die Ammersee-Prärie.

Stadionbesucher oder Fernsehsportler?

Je nach Sportart (und viel lieber noch bei Rockkonzerten) ein gelegentlicher Stadionbesucher. Im TV-Sport ein aktiver Hingucker bei der Fußball-Bundesliga, beim Pokal, in der Champions League, bei EM, bei WM...

Bayern oder Sechzig?

Bin Berliner und Sternzeichen Waage - eigentlich beide. Bei den Bayern gibt's mehr zum Feiern (Meisterschaft), und bei den Blauen, da muss man leider ab und zu verzweifelt in den Himmel schauen. Aber ist der nicht auch blau?

Ihr ewiges Sportidol?

Emil Zatopek, tschechischer Langstreckenläufer, mehrfacher Olympiasieger, Europa- und Weltrekordler, das ewige Lauf- und Konditionswunder, alles ohne Doping. Es lebe der wahre Sport!

Ein prägendes Erlebnis?

Boris Beckers siegreiches und unvergessenes Wimbledonfinale, das war im Sommer 1985. Er gewann in 3:1 Sätzen gegen Kevin Curren, Spannung pur.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Vielleicht im 100-Meter-Lauf oder beim Windsurfen.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Mit Steffi Graf. Das klingt für einen Mann vielleicht etwas ungewöhnlich, aber für mich ist Steffi sportlich wie menschlich bis heute nicht nur Vorbild, sondern auch Bespiel für kommende Generationen.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.