FC Ismaning Volle Birne

Torschütze, ausgehebelt: Anton Siedlitzki (li.) verliert nach seinem 1:0 in der 7. Minute die Bodenhaftung.

(Foto: Claus Schunk)

Die Elf von Rainer Elfinger vergibt beim 2:2 gegen Sonthofen den ersten Matchball zum Klassenerhalt - der Coach sieht mentale Gründe.

Von Christian Bernhard, Ismaning

Das Spiel war gerade erst zu Ende gegangen, da gingen die Blicke auf der Bank des FC Ismaning kollektiv aufs Handy. Sportdirektor Florian Hahn wischte auf seinem Smartphone rauf und runter, Trainer Rainer Elfinger schaute ihm dabei über die Schultern. Für die Ismaninger war das eingetreten, was sie hatten vermeiden wollen: auf die anderen schauen zu müssen. Mit einem Sieg gegen den 1. FC Sonthofen hätten sie am Samstagnachmittag den Klassenerhalt aus eigener Kraft fixieren können, doch sie holten beim 2:2 (2:2) nur einen Punkt - und mussten dadurch eben "leider viel aufs Handy schauen", wie Elfinger mit einem bitteren Lächeln erklärte.

Die Nachrichten, die ihnen da im Verlauf des Samstags noch zugetragen wurden, gefielen ihnen aber. Da der BCF Wolfratshausen in Holzkirchen 0:3 verlor, hat der FCI zwei Spieltage vor Schluss sechs Punkte Vorsprung auf Rang 15, der momentan reicht, um der Abstiegsrelegation zu entgehen. Elfingers Einschätzung vom frühen Samstagnachmittag ("dieser Punkt könnte Gold wert sein") hatte auch am Samstagabend noch Bestand.

Zufrieden war der Ismaninger Trainer dennoch nicht. "Nach dem 1:0 haben wir den Dreier liegen lassen", sagte er. Nachdem Anton Siedlitzki in Minute sieben auf Vorarbeit von Kapitän Maximilian Siebald das 1:0 erzielt hatte, hatten die Ismaninger die Partie im Griff und hätten in dieser Phase auch auf 2:0 erhöhen können. Ensar Skrijelj setzte sich nur drei Minuten nach dem Führungstreffer gut im Eins-gegen-Eins durch, scheiterte mit seinem Flachschuss aber an Sonthofens Torhüter Lucas Bundschuh. Stattdessen lagen die Hausherren in der 23. Minute plötzlich mit 1:2 zurück. Erst hatte Jannik Keller den Ball aus kurzer Entfernung zum 1:1 über die Linie gedrückt (19.), dann schirmte Gäste-Mittelstürmer Kevin Haug die Kugel mit dem Rücken zum Tor an der Strafraumgrenze gut ab und überwand Ismanings Torwart Sebastian Fritz nach einer Drehung mit einen platzierten Flachschuss ins rechte Eck (23.). "Dilettantisch" seien diese zwei Gegentreffer gewesen, sagte Elfinger, "wir haben sie ihnen aufgelegt." Bastian Fischer rundete die turbulente Anfangsphase aber nur weitere zwei Minuten später ab, indem er nach einer einstudierten Eckballvariante, bei der zwei Ismaninger Teamkollegen den flach getretenen Ball durchließen, das 2:2 erzielte.

Nach der Pause tat Ismaning zu wenig für das Offensivspiel. Zu Beginn der zweiten Hälfte machten die Hausherren zwar das Spiel, erarbeiteten sich dabei aber keine zwingenden Aktionen. Die Allgäuer hingegen hatten mehrere gute Chancen zum Sieg: Erst kam Burak Kesici zentral aus neun Metern Torentfernung völlig frei zum Schuss (69.), dann zog Hiroki Fukuda von der Strafraumgrenze platziert ab (73.). In beiden Situationen war Torhüter Fritz zur Stelle und parierte stark. "In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig gezeigt", fand Elfinger, "da hätten wir mehr machen müssen." Die Gründe dafür sah der Trainer vor allem im mentalen Bereich. Vielleicht habe der ein oder andere "zu viel in der Birne" gehabt, "weil es doch um viel bei uns geht", erklärte er. Besonders bei einigen Pass-Situationen habe man gesehen, "dass wir Stress im Kopf haben".

In der Schlussphase forderten die Ismaninger vehement einen Elfmeter, als Fischer im Strafraum zu Boden ging (83.), die Pfeife von Schiedsrichter Michael Freund blieb aber stumm. Dann war der erste Matchball auf den Klassenerhalt vergeben. Die Planungen für die neue Saison schreiten in Ismaning natürlich trotzdem voran - und zwar in Richtung Bayernliga. So selbstbewusst, betonte Rainer Elfinger, der Coach, "gehen wir schon an die Geschichte ran".