Eishockey Zurück im Schraubstock

Abklatschen, abputzen, weiter geht’s: Die Tölzer Löwen (in weiß) reisen enttäuscht aus Freiburg ab.

(Foto: Oliver Rabuser)

Tölz verliert gegen den EHC Freiburg mit 2:5 und trifft nun in der zweiten Abstiegsrunde auf Bayreuth.

Von Max Ferstl, Bad Tölz

Leos Sulak war zuletzt ein verschwiegener Zeitgenosse. Zumindest in der Öffentlichkeit. Wenn er gefragt wurde, redete er wenig und sagte noch weniger. Während der entscheidenden Phase der Saison geben Eishockey-Trainer nur äußerst widerwillig Einblick in ihre Gedankenwelt. Schließlich könnte der Gegner aus dem Gesagten ja eine winzige Erkenntnis herausfiltern. Das will keiner, gerade wenn es so eng zugeht wie in der ersten Abstiegsrunde in der DEL 2 zwischen den Tölzer Löwen und dem EHC Freiburg. Die ist seit Dienstag vorbei. Und Sulak, Freiburgs Trainer, konnte offen reden.

Er begann die Pressekonferenz mit einer Entschuldigung. Dafür, dass er zuletzt "nicht viel sagen wollte". Dann lobte er die Tölzer, die seinen Freiburgern in der zurückliegenden Serie ebenbürtig waren. Eine Tatsache, mit der zu Saisonbeginn nicht viele gerechnet hätten. Auch Sulak nicht: "Nach dem ersten Spiel in der Vorrunde haben wir alle gedacht: Tölz ist der Absteiger Nummer eins." Und jetzt? Sind die Löwen immer noch ein Kandidat für den Abstieg. Aber dass sie der erste Anwärter wären, das denken nur noch wenige.

Gründonnerstag haben die Tölzer Heimrecht - ein kleiner Vorteil in der erneuten Best-of-seven-Serie

Am Dienstagabend haben die Tölzer Löwen das entscheidende siebte Spiel der Playdown-Serie in Freiburg 2:5 verloren. Während die Freiburger dadurch sicher auch nächste Saison in der DEL 2 spielen dürfen, müssen die Tölzer in die zweite Playdown-Runde. Dort empfangen sie an diesem Donnerstag (19.30 Uhr) die Bayreuth Tigers, die das entscheidende Spiel bei den Lausitzer Füchsen verloren. Erneut wird im Modus best-of-seven gespielt. Wer als Erster vier Partien für sich entscheidet, bleibt in der DEL 2. Der Verlierer steigt in die Oberliga ab. Eine ganze Saison verdichtet sich also in wenigen Spielen, der Druck nimmt noch mal zu. Wie bei einem Schraubstock, der eine Umdrehung enger gedreht wird.

Diesem Druck hätten sich die Tölzer entziehen können. Dafür wäre am Dienstagabend allerdings ein besserer Start notwendig gewesen. Zwei Mal ging ein Puck in einer Mischung aus Pech und Unvermögen im eigenen Drittel verloren. Das nutzte Freiburgs bester Stürmer Nikolas Linsenmaier (16./18. Minute) zur Führung. "Wir sind nicht so gestartet, wie wir uns das vorgenommen haben", klagte Löwen-Trainer Rick Boehm. Doch ansonsten war die Partie in den relevanten Kategorien ausgeglichen. Beide Mannschaften schossen ungefähr gleich oft aufs Tor, keine leistete sich auffallend viele Strafzeiten, die Torhüter machten einen stabilen Eindruck.

Entscheidend war deshalb auch ein Umstand, den Trainer aus Prinzip nie gelten lassen. Außer natürlich, sie genießen das Privileg der freien Rede wie Sulak. Der gab zu: "Wir hatten heute auch riesiges Glück." In der Anfangsphase kurvte zum Beispiel Johannes Sedlmayr flink ums Freiburger Tor herum - der Puck blieb auf der Linie liegen. Oder später, als Tölz die Partie an sich gerissen und durch Sedlmayr den Anschlusstreffer geschafft hatte (41.), klatschte Michael Endraß' Schuss an den Pfosten.

Stattdessen war es so wie immer in dieser Serie: Sobald es eng zuging, sobald die Spiele hin- und herwogten - immer dann verrichteten die Freiburger ihre Arbeit mit der kühlen Effizienz eines Chirurgen. Mit zwei präzisen Eingriffen leiteten Marc Wittfoth und Lukas Zib (49./50.) die saison-rettenden Maßnahmen ein. Kurze Komplikationen verursachte lediglich der Tölzer Stürmer Marcel Rodman mit seinem 4:2-Anschlusstreffer (58.), doch da war Freiburg bereits über den Berg. Spätestens als Philip Rießle ins leere Tor traf (59.).

Die Tölzer müssen nun noch ein wenig leiden. Die Aussichten sind allerdings nicht so schlecht. Gegen Bayreuth haben die Löwen in der Hauptrunde gut ausgesehen, mit drei Siegen und nur einer Niederlage. Die Tigers sind im Angriff abhängiger von ihren Spitzenspielern als die flexiblen Freiburger. Die Kanadier Anthony Luciani und Eric Chouinard tragen die Hauptlast beim Tabellenletzten.

Nützlich für die Löwen ist auch, dass sie diesmal das Heimrecht besitzen, weil sie die Hauptrunde besser abgeschlossen haben. Sollte es wieder zu einem entscheidenden siebten Spiel kommen, würde dieses in Bad Tölz stattfinden. "Wir werden bereit sein", versprach Boehm. Er sagte auch: "Wir müssen uns auf die einfachen Sachen konzentrieren." Also: "Einsatz für Einsatz, Pass für Pass, Check für Check." Und, ganz wichtig: Bloß nicht zu weit vorausschauen. Boehm klang wie einer dieser Trainer, die am liebsten schweigen würden.