Eishockey Volle Konzentration, volle Punktzahl

Sechzig Minuten Arbeit: Münchens Nationalverteidiger Konrad Abeltshauser (links) stoppt den Düsseldorfer Maximilian Kammerer.

(Foto: osnapix/imago)

Die Mini-Krise ist beendet: Nach dem 4:3 gegen Augsburg holt der EHC München auch am Sonntag bei der Düsseldorfer EG einen Sieg.

Von Christian Bernhard, Düsseldorf/München

Alexander Barta hatte zuletzt viel zu lachen. Der Stürmer der Düsseldorfer EG ist aktuell einer der gefährlichsten Angreifer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), beeindruckende acht Tore und drei Vorlagen verbuchte er alleine in den sieben Partien nach der Länderspielpause. Sein persönlicher Aufschwung verläuft analog zu dem der DEG, die seitdem sechs der sieben Partien gewonnen hat und auch bei der einzigen Niederlage punktete. "Gerade ist es ein Genuss", sagte der 34-Jährige vor dem Heimspiel gegen seinen ehemaligen Verein, den EHC Red Bull München, am Sonntagnachmittag.

Gegen den Meister endete aber sowohl Bartas persönliche, als auch Düsseldorfs Serie. 3:1 (0:0, 2:0, 1:1) gewannen die Münchner, weil Torhüter David Leggio 30 von 31 Schüssen hielt und sie knapp 15 Minuten Unterzahl ohne Gegentreffer überstanden. Damit bestätigte der EHC seinen Aufwärtstrend: Nach zuvor drei Pleiten in Serie vollendete er ein Sechs-Punkte-Wochenende, das er mit dem 4:3-Heimsieg im Derby gegen Augsburg am Freitag begonnen hatte. Der Rückstand auf Tabellenführer Eisbären Berlin beträgt nur noch fünf Punkte.

Verteidiger Markus Lauridsen wird bei seinem Comeback von einem Puck im Gesicht getroffen

Die Münchner begannen gegen Düsseldorf ohne den verletzten Steve Pinizzotto, der am Freitag nach zwei Dritteln hatte passen müssen, sehr konzentriert, speziell in der Rückwärtsbewegung. Die DEG schaffte es erst in der 13. Minute, ihren ersten Schuss auf das Tor von Leggio abzugeben. Der EHC dagegen prüfte Düsseldorfs Schlussmann Daniel Bakala von Beginn an, Jon Matsumoto etwa sehenswert mit einem Schuss aus der Luft (3.). Das Münchner Forechecking funktionierte sehr gut, die Düsseldorfer bekamen keinen geordneten Spielaufbau zustande.

Als Maximilian Kastner mit einer Strafzeit den Hausherren in der zwölften Minute das erste Überzahlspiel bescherte, kippte die Partie aber. Leggio musste gegen Stephan Daschner, Barta (beide 14.) und Jeremy Welsh (20.) retten und stand plötzlich unter Druck, da die DEG-Spieler vehement vors EHC-Tor zogen. In der 19. Minute wäre der Amerikaner chancenlos gewesen, doch Kevin Marshall zeigte, warum er Verteidiger ist und in seinen vergangenen fünf Spielzeiten nur einmal mehr als einen Treffer pro Saison erzielt hat: Nach einem Abpraller verfehlte der Düsseldorfer aus kurzer Distanz das leere Tor. "Das war eine Hundertprozentige", räumte Dominik Kahun nach dem Startdrittel ein. "Wir hatten einige Schwierigkeiten hinten drin, Leggio hat gut gehalten."

Im Mitteldrittel zeigten beide Teams, dass auch ein Spiel ohne Tore ein gutes Eishockey-Spiel sein kann. Die DEG machte in Überzahl weiterhin Druck, Barta (23.) und Spencer Machacek (24.) trafen das Gestänge. Im Gegenzug konnte Michael Wolf in Unterzahl nur mit einem Foul gestoppt werden, den Penalty hielt Bakala (24.). Dann fielen auch die Tore - und zwar für den EHC: Derek Joslin donnerte die Scheibe von der Blauen Linie zum 1:0 ins Tor (27.), Verteidiger-Kollege Ryan Button verwertete ein tolles Wolf-Zuspiel zweieinhalb Minuten später zum 2:0 (30.).

Auch danach blieb es ereignisreich: Leggio bewahrte die Münchner mit starken Paraden vor einem Anschlusstreffer, Markus Lauridsen, der nach mehreren Spielen Verletzungspause sein Comeback feierte, bekam einen Schuss ins Gesicht (31.) und musste ins Krankenhaus, Matsumoto traf die Latte (37.) und Daryl Boyle kassierte für einen Kniecheck gegen Marcel Brandt eine Spieldauerdisziplinarstrafe (39.). DEG-Verteidiger Daschner brachte es nach den zweiten 20 Minuten auf den Punkt: "Beide Mannschaften reißen sich den Arsch auf."

Das galt im Schlussdrittel besonders für das Münchner Unterzahlspiel, das Düsseldorf rund dreieinhalb Minuten lang kaum Chancen bot. Überhaupt bekam der Meister die euphorisierten Rheinländer defensiv immer besser in den Griff, bis auf einen Alleingang von Daniel Weiß (51.), bei dem dieser den Abschluss verpasste, ließ er kaum noch etwas zu. Patrick Hager machte dann mit seinem zweiten Tor des Wochenendes alles klar (56.), der 1:3-Treffer von Welsh (58.) war verdient - aber nur noch Ergebniskosmetik.