Eishockey Massenhaft Quirligkeit

Noch fehlt das alte Kampfgewicht: Jung-Nationalspieler Dominik Kahun freut sich dennoch aufs Comeback.

(Foto: Imago)

Dominik Kahun, 20, kehrt nach seiner hartnäckigen Viruserkrankung ins Team des EHC München zurück. Trainer Jackson setzt große Erwartungen in ihn

Von Christian Bernhard

Der Großteil der EHC-München-Spieler war schon lange in der Kabine, da feuerte Dominik Kahun zusammen mit Yannic Seidenberg und Joachim Ramoser noch Schuss um Schuss auf das Tor ab. Mit und ohne Torwart, aus allen erdenklichen Winkeln. Es schien, als wolle Kahun gar nicht mehr vom Trainings-Eis gehen.

Kahuns Lust auf Eishockey ist seinem jungen Alter geschuldet. Mit 20 Jahren gibt es kaum etwas Schöneres, als das, was man am liebsten tut, zu seinem Beruf gemacht zu haben. Dieser Tage war Kahuns Antrieb aber noch größer. Nach einer langwierigen Viruserkrankung, die ihn mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt hatte, konnte er wieder mit der Mannschaft trainieren und wird nun am anstehenden Spieltags-Wochenende der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sein Comeback feiern. "Mir geht es wieder gut, ich bin gesund", sagt er. Die Partie gegen die Nürnberg Ice Tigers am Freitag (19.30 Uhr, Olympia-Eishalle) wird erst seine zweite im Jahr 2016 sein. Mitte Januar war er gegen Straubing aufgelaufen, ehe ihn der Virus erneut ihn in die Knie zwang. So musste er untätig zuschauen, wie seine Kollegen Spiel um Spiel bestritten. "Natürlich hat das keinen Spaß gemacht", erzählt er, "aber die Jungs haben immer gewonnen als ich weg war." Deshalb sei es "ganz lustig" gewesen, sagt der Jung-Nationalspieler in den Katakomben der Olympia-Eishalle - und lacht.

Kahun hat zuletzt viel Zeit im Kraftraum verbracht, um das Gewicht, das ihm der Virus geraubt hat, wiederaufzubauen. "Sehr viele Kilogramm" habe er verloren, erzählt er, von denen noch nicht alle wieder zurück sind. Er habe noch nicht die Masse, die er brauche, "aber ich bin auf einem guten Weg". Langsam komme alles wieder. Obwohl Kahun noch nicht bei 100 Prozent ist, hat EHC-Trainer Don Jackson schon bei seinem Comeback eine tragende Rolle für ihn vorgesehen. "Er kehrt dorthin zurück, wo er uns verlassen hat", erklärt Jackson. Das bedeutet: Kahun rückt direkt wieder in die Top-Angriffsreihe neben Kapitän Michael Wolf und Mads Christensen, mit denen er im Dezember die gegnerischen Abwehrreihen vor große Probleme gestellt hatte. Auch in Überzahl ist er schon am Freitag wieder gesetzt. "So ist es geplant", sagt Jackson.

Kahun selbst will nichts überstürzen. "Ich will, dass wir weiter gewinnen", betont er. Das Mannschaftswohl steht an erster Stelle, er schaue erst einmal nicht darauf, ob er score. Aber: "Mit der Zeit möchte ich natürlich wieder auf das Niveau, wo ich vorher schon war." Das war teamintern sehr weit oben. Trotz seines jungen Alters war Kahun bis zur Viruserkrankung einer der besten, wenn nicht der dominierende EHC-Angreifer. Mit seiner Antrittsstärke und Quirligkeit trieb er die Münchner Offensive an und punktete im Schnitt fast einmal pro Partie (zehn Tore plus 19 Vorlagen in 34 Spielen). Noch jetzt, da die meisten Teamkollegen zehn Spiele mehr als er absolviert haben, liegt er mit seinen 29 Scorerpunkten nur fünf Zähler hinter dem EHC-Führenden Keith Aucoin.

Kahun war nicht der einzige Münchner, der es diese Woche besonders genossen hat, auf dem Eis zu stehen. Maximilian Kastner drehte erstmals nach seiner Knöchel-Operation wieder ein paar Runden, er ist aber so wie Richie Regehr, der mehrere Wochen auszufallen droht, und dem ebenfalls verletzten Tobias Wörle keine Option für das anstehende Wochenende. Konrad Abeltshauser schlägt sich mit einer fiebrigen Erkältung herum, er hofft auf einen Einsatz im zweiten Heimspiel des Wochenendes am Sonntag gegen Iserlohn (16.30 Uhr). Ohne dieses Quartett geht der EHC am Freitag in das vierte und letzte Hauptrunden-Derby gegen die Nürnberg Ice Tigers. Trotz des Münchner 4:2-Auswärtssieges im Januar spricht die Statistik in dieser Saison für die Franken, da sie die ersten beiden Duelle für sich entschieden haben (4:1 und 4:3 nach Verlängerung).

Der Tabellenfünfte, der nur vier Punkte hinter dem Jackson-Team liegt, verfügt über zwei der gefährlichsten Angreifer der Liga. Kapitän Patrick Reimer führt mit 57 Punkten überlegen die Scorerliste an, sein kongenialer 39-jähriger Partner Steven Reinprecht, der am Dienstag seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat, liegt mit 49 Punkten in nur 38 Spielen auf Platz drei der Wertung. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen denkt Jackson nicht über defensive Sondermaßnahmen nach. "Wir wissen, wie wir zu verteidigen haben", sagt er. Und offensiv kann er sich Kahuns Hilfe sicher sein.