Holzer hat die Hoffnung nicht aufgegeben, direkt in die NHL zu rutschen. Darum trainiert er auf eigene Kosten in Los Angeles bei Mark Verstegen, der auch die deutschen WM-Fußballer fit macht - "der mit den Gummibändern, genau". 3500 Euro investiert Holzer in das Körpertuning. Neben Footballern und Boxern hat er im "Athlete's Performance" auch einen gewissen David Beckham schon getroffen. Und festgestellt, dass die Hysterie um den Fußballer "Wahnsinn" ist. "Da bin ich ganz froh, dass uns unter unserem Helm keiner erkennt."
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In Gelting füllt sich allmählich der Biergarten mit Ausflüglern, Rentnern und Feriengästen. Die Kirchenglocke läutet, Holzer bleibt unbehelligt. Beim "Alten Wirt" haben sie eine Autogrammkarte von ihm aufgestellt, auf der Eckbank am Stammtisch: Für einen Oberländer ist damit das Höchstmaß an Verehrung erreicht.
In 125 DEL-Spielen hat er 38 Scorerpunkte, aber 251 Strafminuten gesammelt. Abseits der Eisfläche wirkt er ruhig, fast vorsichtig. "Das Wort, das am besten zu Korbinian passt, ist: solide", hat Nationaltrainer Uwe Krupp gesagt. "Er hat eine gute körperliche Präsenz, spielt einen guten ersten Pass und ist defensiv eine Bank." Holzer fühlt sich damit treffend charakterisiert. "Wenn solche Leute etwas sagen" - Leute wie Krupp oder seine Vereinstrainer in Düsseldorf, Harold Kreis und Mike Schmidt, ehemalige Verteidiger und Nationalspieler - "nimmt man das natürlich an". Gleichwohl müsse ein Spieler eigene Erfahrungen machen. So wie damals, als ihn dieser Lastwagen erwischte.
2008 war Holzer zum Rookie-Camp nach Toronto eingeladen. Einen Moment lang war er unachtsam - und wurde von einem Konkurrenten grußlos über den Haufen gefahren. "Ich habe das Video gesehen", sagt Holzer und zupft nervös mit Daumen und Zeigefinger seiner linken Hand in der rechten Armbeuge. Auf dem Band ist zu sehen, wie er nach dem Check scheinbar unbeeindruckt weiterfuhr. Tatsächlich kann er sich erst wieder an einen Zweikampf etliche Sekunden später erinnern. Er trug eine Gehirnerschütterung davon, konnte sechs Wochen lang nicht trainieren, hatte ständig Kopfweh. "Irgendwann fängst du an zu zweifeln." Was er daraus gelernt hat: "Ich werde nie wieder so zur Scheibe gehen."
Im Flugzeug nach Los Angeles
Den Konkurrenzkampf in Toronto will er annehmen. "In Kanada musst du dich jeden Tag neu beweisen", sagt Holzer. Wenn es klappt, gut, wenn es nicht klappt, dann nicht. "Aber wenn ich es nicht probiert hätte - ich glaube nicht, dass ich das in 30 Jahren mit mir vereinbaren könnte."
Den Tagen vor dem Abflug sieht er "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" entgegen. "Als Kind fällt es einem leichter, einen solchen Schritt zu tun", sagt Holzer. Eine bemerkenswerte Äußerung für einen 22-Jährigen. Seinen Eltern falle es schwer zu akzeptieren, "dass ausgerechnet ihr Jüngster am weitesten weg ist". Aus dem 180 Kilometer entfernten Regensburg war er mit dem Auto in zwei Stunden zu Hause, aus Düsseldorf (650 Kilometer) in der selben Zeit mit dem Flugzeug. Toronto liegt 6650 Kilometer oder 13 Flugstunden entfernt. Man müsse Opfer bringen, sagt er.
Es ist früher Nachmittag in Gelting, der Kirchturm steht ruhig in der Sonne. Dieser Sommer könnte einer werden, an den man noch denkt. Der DEB ist besorgt um seine Außenwirkung. Der EHC München zieht über die Hintertür ins Oberhaus ein. Frankfurt, der mit 4,4 Millionen Euro verschuldete Meister von 2004, hat am Montag den Laden dichtgemacht. Die Kassel Huskies marschieren durch die Instanzen.
Korbinian Holzer wird das alles aus der Ferne verfolgen. Am Dienstag ist er in ein Flugzeug nach Los Angeles gestiegen. Im August wird er seine Wohnung in Düsseldorf auflösen. "Ein paar Sachen will er mitnehmen", sagt Vater Albert, "sein Bett vielleicht, das ist ja doch ein bisschen Heimat." Er wolle sich möglichst keine Gedanken machen, hat Korbinian Holzer gesagt. Noch ist Sommer. Und Toronto weit weg.
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(SZ vom 07.07.2010/tob)
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