Eishockey Giftiges Obst

Oft einen Tick voraus: Straubings Steven Zalewski (li.) schüttelt Münchens Jason Jaffray ab.

(Foto: Florian Ertl, Gepa/Imago)

Vier Spiele, vier Niederlagen: Der EHC München kommt einfach nicht mit Straubings Defensivtaktik klar. Im Playoff-Viertelfinale könnten sich beide abermals duellieren

Von Christian Bernhard

Pressekonferenzen sind oft eine mal mehr, mal weniger inspirierte Aneinanderreihung von Trainer-Phrasen. Ein paar 08/15-Sätze zum Spiel, und gut ist. Larry Mitchell hat den Nachklapp am Sonntagabend in der Münchner Olympia-Eishalle sichtlich genossen, zu gut und diszipliniert waren seine Straubing Tigers aufgetreten. Am Ende seiner Ausführungen sagte der Trainer, "vielleicht" sehe man sich in dieser Saison noch einmal hier. Seine Mannschaft steckt mitten im Rennen um einen der vier Pre-Playoff-Plätze in der Deutschen Eishockey Liga (DEL); sie hofft, auch in ein paar Wochen noch auf dem Eis zu stehen. Im Viertelfinale gegen München. Vielleicht.

Wie sehr sich der EHC München darüber freuen würde, sei dahingestellt. Solche Situationen seien immer interessant, sagte EHC-Trainer Don Jackson mit einem Lächeln. Der EHC hat am Sonntag zum vierten Mal in dieser Saison gegen Mitchells Straubinger gespielt - und zum vierten Mal verloren, 0:1 diesmal. In einem der intensivsten und spannendsten Heimspiele dieser Saison bestimmten die Münchner die Partie und gaben 41 Schüsse auf das Tor von Tigers-Keeper Matt Climie ab. Der Kanadier war aber zum vierten Mal gegen den EHC in Topform und hielt zusammen mit seinen leidenschaftlich auftretenden Vorderleuten seinen Kasten sauber. Dabei zeigten die Straubinger zum wiederholten Mal, wie man den EHC vor Probleme stellen kann.

Die Niederbayern störten den Münchner Spielaufbau mit einem Angreifer und positionierten gleich drei Spieler in der neutralen Zone, die die Passwege zustellen sollten. Sobald der EHC im Angriffsdrittel war, machten sie den Raum vor dem eigenen Tor mit allen fünf Mann eng. Straubings Spielweise sei "definitiv ein Faktor" gewesen, erklärte Jackson. "München hat Qualität, deshalb muss man verteidigen und clever spielen", sagte Mitchell. Bei ihren eigenen Vorstößen schaffte es seine Mannschaft immer wieder in den Rücken der Münchner Defensive, die in den Spielen zuvor sehr solide gestanden war.

Einige Münchner Profis konnten mit Straubings Taktik wenig anfangen. Straubing warte nur auf Konter, klagte Dominik Kahun nach dem zweiten Drittel. Frank Mauer fand die Gäste "sehr passiv", sie hätten für das Spiel "nichts" gemacht. In Wahrheit erarbeiteten sich die Niederbayern zahlreiche klare Torgelegenheiten, so viele wie schon lange kein EHC-Gegner mehr. Mads Christensen zollte den Gästen für ihre aufopferungsvolle Spielweise Respekt. "Straubing hat sehr gut gespielt", sagte der Däne. "Es ist kein Zufall, dass wir viermal gegen sie verloren haben."

Einen Grund für die Niederlage sah Jackson im Überzahlspiel seiner Mannschaft, das ligaweit die wenigsten Treffer hervorgebracht hat (33). Der Trainer hätte in bestimmten Situationen mehr Schüsse seines Teams sehen wollen und fand, dass "wir mit dem gegnerischen Druck nicht gut umgegangen sind". Genau das müsse ein gutes Überzahlspiel aber: den Druck aushalten und die Räume finden, "denn wenn Druck da ist, sind auch Räume da". Mauer fand, das Überzahlspiel "hapert schon die ganze Saison". Die Mannschaft dürfe sich nichts vormachen, erklärte er, "das müssen wir bis zu den Playoffs unbedingt in den Griff bekommen, weil dort bei Fünf gegen Fünf normalerweise nicht sehr viel passiert." Mauer fordert mehr Zielstrebigkeit beim Spiel mit einem Mann mehr. "Wir sind individuell gut genug, aber ab und zu vielleicht sogar zu gut, sodass wir den perfekten Pass suchen, statt einfach zu schießen und den Nachschuss zu verwerten", erklärte er.

An diesem Mittwoch tritt der EHC bei den Kölner Haien an. Diese haben sich in den vergangenen Wochen unter dem neuen Coach Cory Clouston stabilisiert, müssen aber weiterhin um ihre Playoff-Teilnahme bangen. "Die Kölner kämpfen auch ums Überleben", sagte Mauer, deshalb sei die Partie "ein guter Test für uns Richtung Playoffs". Drei Spieltage vor Schluss steht der EHC mit 87 Punkten in der Tabelle ganz oben, allerdings hat er nur vier Punkte Vorsprung auf den Vierten Nürnberg. Kapitän Michael Wolf geht die Schlussphase entspannt an. Es mache nicht den "Riesenunterschied" aus, ob man am Ende der Hauptrunde Erster, Zweiter oder Dritter sei, sagte er. Mauer meinte, ein Top-Vier-Platz sei wegen des Heimvorteils im Viertelfinale gut, der Rest egal, denn wer auch immer sich noch im Pre-Playoff-Bereich tummle: "Das ist alles kein Fallobst." Straubing darf sich damit explizit angesprochen fühlen.