Eishockey Chronische Ausfallerscheinungen

Endlich 18: Franz Mangold erzielte die 1:0-Führung für die Löwen in Schönheide. Mit nun 18 Saisontreffern ist der Stürmer bester Tölzer Torschütze.

(Foto: Endt)

Ohne Neun: Die Tölzer Löwen gewinnen mit Mühe das Nachholspiel gegen Schlusslicht Schönheide. Vor zwei Wochen mussten sie absagen: zu viele Verletzte

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz

Im Dezember dachte Axel Kammerer, im Januar würde alles besser werden. Dann kam der 29. Januar, ein Freitag, und nichts war besser geworden, sondern nur noch schlimmer. Die Tölzer Löwen mussten das Oberliga-Eishockeyspiel beim EHV Schönheide absagen: zu viele Verletzte. Damals dachte Kammerer, der Februar würde Besserung bringen. Aber dann kam der Dienstag, das Nachholspiel in Schönheide. Und so gut wie nichts ist besser geworden. Die Löwen gewannen zwar 4:3 nach Penaltyschießen, zwei Punkte nur statt der eingeplanten drei beim Tabellenletzten; angesichts der Lage nötigte Kammerer die Leistung seiner Mannschaft immerhin "großen Respekt" ab. Aber jetzt bleibt dem Trainer nur noch die Hoffnung auf den März. Denn vor den beiden Spielen am Wochenende gegen Weiden und Peiting muss Kammerer schon wieder auf neun Spieler verzichten. "Ich habe wirklich nie was gesagt und das nie als Ausrede benutzt. Aber allmählich wird's ein Problem", sagt der 51-Jährige.

Dass es in Schönheide schwierig werden könnte, wusste Kammerer vorher. Bis zum Dienstag hatte das abgeschlagene Schlusslicht der Liga vier seiner 14 Punkte gegen Bad Tölz geholt - irgendwie liegen die Sachsen den Oberbayern nicht. Diese waren überdies gewarnt, hatte das Team von Victor Proskuryakov am Sonntag doch überraschend 6:3 beim Tabellenzweiten Bayreuth gewonnen. Entsprechend zäh verlief der erste Abschnitt. "Wir waren gar nicht gut", sagt Kammerer. Und doch führte sein Team rasch 2:0 durch Franz Mangolds 18. Saisontreffer und "ein schönes Überzahltor" von Ex-Nationalspieler Klaus Kathan. Aber dann: "Pfffffff", macht Kammerer, er bläst die Luft durch die Lippen: "Dann haben wir den Faden verloren."

Schönheide glich bis zur ersten Pause aus, die Kammerer mit "einer kleinen Standpauke" anreicherte. Danach dauerte es 45 Sekunden, ehe Johannes Sedlmayr die Gäste wieder in Führung schoss. "Danach hatten wir Riesenchancen", sagt Kammerer, doch sie verpassten es, die Partie für sich zu entscheiden. Schönheide glich aus. Und die Tölzer Leidenszeit begann.

Erst verließ Vladimir Curilla das Eis, die alten Probleme mit dem Syndesmoseband. Dann - neun Sekunden vor Schluss - erhielt Christoph Fischhaber eine Spieldauerstrafe, sodass die Löwen praktisch die gesamte Verlängerung mit nur drei Mann gegen vier überstehen mussten. "Das war schon eine Leistung", sagt Kammerer. Sedlmayr mit seinem zweiten Treffer sicherte im Penaltyschießen schließlich den Zusatzpunkt, aber so recht freuen mochte sich sein Trainer nicht. Curilla und Fischhaber (Sperre) verlängern die Liste der Ausfälle auf aktuell neun. Auf Lubos Velebny (Bauchmuskelverletzung), Pascal Sternkopf (Patellasehne), Maximilian Hörmann (Schulter) und Stefan Mechel (Gehirnerschütterung) muss Kammerer schon länger verzichten, außerdem auf Tobias Eder (U18-Nationalmannschaft), Julian Kornelli (U19) und Christoph Kiefersauer, der vom Präsidium suspendiert wurde, weil er sich geweigert hatte, einen vom Verein offerierten Vertrag über zwei Jahre zu unterschreiben. Besonders die Abstellung von Ausnahmetalent Eder, der in dieser Saison bereits die U18- und die U20-WM spielte, ärgert Kammerer: U18-Bundestrainer ist der Tölzer Nachwuchschef Rick Boehm. "Aber wir sehen das Positive", sagt Kammerer: "Wir fighten uns immer wieder durch." Und eigentlich kann es jetzt nur noch besser werden.