Bezirksliga-Serie, Teil 7 "Zuckerl auf dem I-Tüpferl"

Aufstiegsanwärter SV Aubing ist seit September unbesiegt. Das liegt an Torjäger Daniel Koch. Und an einer höheren "Stresstoleranz". Auch Trainer Simon Kaltenbach hat aus dem vergangenen Jahr gelernt.

Von Christian Bernhard

Auf den Abend im Casino hatte sich Simon Kaltenbach schon lange gefreut. Ihm als "alter Taktikfuchs" käme das Roulette-Spiel entgegen, erzählt der Trainer des SV Aubing schmunzelnd. Doch diesmal halfen alle Taktik-Kenntnisse nichts, Kaltenbach spazierte im Februar mit einem Minus aus der Garmischer Spielbank. Das Werdenfelser Land verließ er dennoch gut gelaunt. Wie schon im Jahr zuvor hatten sich die Aubinger dort im Kurztrainingslager auf die Rückrunde in der Bezirksliga Süd vorbereitet - aber diesmal unter besonderen Umständen. Vor dem ersten Punktspiel nach der Winterpause, das sie am Sonntag (14.30 Uhr) zu Hause gegen Phönix München bestreiten, führen die Aubinger mit 36 Punkten die Tabelle an und haben gegenüber Verfolger FC Garmisch-Partenkirchen (34) noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Der SVA auf Platz eins - das gab es schon lange nicht mehr.

Seine Mannschaft habe eine "große Entwicklung" durchlaufen, sagt Kaltenbach. "In der vergangenen Rückrunde haben wir ein tiefes Tal durchschritten", vieles sei schief gelaufen. Das habe das Team aber stärker miteinander verwoben. "Wir können jetzt besser mit Rückschlägen umgehen", erklärt er, außerdem verfüge seine Mannschaft mittlerweile über eine "höhere Stresstoleranz". Alle Spieler hätten sich weiterentwickelt. Das zeigte sich auf dem Platz: Seit zehn Spieltagen ist der SVA unbesiegt, die letzte Niederlage erlitt er im September.

Schön sei der Blick auf die Tabelle, sagt Kaltenbach, "wir können es aber gut einordnen". Er meint damit: Aubing sieht sich trotz der besten Ausgangsposition weiter nicht als Aufstiegsfavorit. Andere Teams seien deutlich stärker, findet er, "finanziell können wir nicht mithalten". Kaltenbach denkt an Verfolger Garmisch und den FC Anadolu. Deshalb baut der Trainer vor: "Sollten wir am Ende Fünfter werden, wird es auch eine schöne Abschlussfeier geben." Die Saison "wird toll gewesen sein" - egal was kommt.

So einfach ist das in Aubing aber nicht. Kaltenbach spürt, dass im Umfeld eine gewisse Erwartungshaltung entstanden ist: "Meine Aufgabe ist es, das zu reduzieren." Der SVA bestreitet mittlerweile seine 15. Bezirksliga-Saison in Serie, er hat dabei immer wieder mal am Aufstieg geschnuppert, ihn aber nie realisiert. Kaltenbach will deshalb gar nicht erst Druck aufkommen lassen, etwas schaffen zu müssen. "Aubing ist schon so oft gescheitert", sagt er, "da wäre es nur eine Fortsetzung, wenn es wieder passieren würde."

Dass die Aubinger überhaupt in dieser komfortablen Position sind, liegt laut dem Trainer daran, dass alle Beteiligten die richtigen Schlüsse aus der Vorsaison gezogen haben. In der Vorbereitung auf die letztjährige Rückrunde hätten "Spieler und Trainer viele Fehler gemacht", erzählt Kaltenbach rückblickend. Er habe die Spieler mit zu komplexen taktischen Inhalten überfordert, gesteht er ein. "Ich wollte mit aller Macht nach oben." Am Ende wurden sie Sechster.

Mithilfe der Tore von Daniel Koch soll es diesmal mehr werden. Der Stürmer, der sich in den vergangenen drei Spielzeiten die Torjägerkrone gesichert hat, führt auch in dieser Saison die Torschützenliste mit 20 Treffern an. Der 24-Jährige habe die Fähigkeit, aus dem Nichts zu treffen, sagt Kaltenbach. Mittlerweile hat Koch auch seine Casino-Qualitäten unter Beweis gestellt, er verließ die Garmischer Spielbank im Februar als großer Gewinner. Der größte Triumph wäre aber der Aufstieg. Oder, um es in Kaltenbachs Worten zu sagen: "Das Zuckerl auf dem I-Tüpferl."