Von Wolfgang Wittl

Viele Vereine beklagen Manipulationen im Jugendfußball, weil einige zweite Teams bei wichtigen Spielen mit Akteuren aus der ersten Mannschaft verstärkt werden. Der Verband will nichts unternehemen - und sieht die Klubs moralisch in der Pflicht.

Gestern Nachmittag erhielt der SC Fürstenfeldbruck Nachricht vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV): Die Revision sei vom Verbandssportgericht abgewiesen worden, am Abstieg der C-Jugend aus der Bezirksoberliga ist nicht zu rütteln. Er habe das Urteil so erwartet, sagt Jakob Ettner, der Rechtsbeauftragte des Vereins. Ihn interessierte vor allem die Begründung. Was er dann auf fünf Seiten las, erzürnte ihn hörbar. "Beschämend", nannte er die Ausführungen des Gerichts: "Der BFV bricht seine eigenen Regeln." In der ersten Aufregung spielte Ettner sogar mit dem Gedanken, ein Zivilgericht anzurufen.

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Oft stehen die Schiedsrichter im Zentrum der Kritik - sie können jedoch auch nur die Regeln anwenden, die der Fußballverband vorgibt. Weil er sich durch die Regeln zum Einsatz von Spielern aus der ersten Mannschaft in den Ersatzteams von Klubs benachteiligt fühlte, reichte der SC Fürstenfeldbruck Beschwerde beim Bayerischen Fußball-Verband ein. (© dpa)

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Wie berichtet, hatte die C-Jugend des SCF vergangene Saison gegen Burghausen II das wohl entscheidende Spiel um den Klassenerhalt 1:4 verloren - auch deshalb, weil der Gegner Spieler aus der ersten Mannschaft eingesetzt hatte. Möglich war dies nur, weil Burghausens C1 ein für sie bedeutungsloses Punktspiel lediglich mit acht Feldspielern begonnen hatte, obwohl genügend Akteure anwesend waren.

Erst nach der Pause wurde die Mannschaft komplettiert. Die eingewechselten Spieler durften nun laut Paragraph 19 der Jugendordnung in der C2 mitwirken. Fürstenfeldbruck berief sich auf Paragraph 47a der Rechts- und Verfahrensordnung, warf Burghausen "unbefugte Beeinflussung" und damit Spielmanipulation vor. Das Verbandssportgericht folgte dieser Argumentation nicht. Er habe mit vielem gerechnet, sagt Ettner, nicht aber damit, "dass der Verband einen neuen Paragraphen 47a schafft".

Bernhard Schütz, der stellvertretende Geschäftsführer des BFV, lässt durchaus Verständnis erkennen für den SC Fürstenfeldbruck: "Wenn ein Verein", in diesem Fall Burghausen, "es darauf anlegt, kann so etwas herauskommen".

Mindestens zehn Jahre schon versuche der Verband, den Einsatz von Spielern aus höherklassigen Mannschaften zu aller Zufriedenheit zu regeln. Gelungen ist das nicht: "Entweder wir bekommen Prügel von den großen oder den kleinen Vereinen. Der große Wurf ist uns nicht geglückt", sagt Schütz. Er sehe die Vereine in der moralischen Pflicht, den Paragraphen 19 nicht zu missbrauchen.

Für Siegfried Frost, den Vorsitzenden der JFG Glonntal, ist es mit einem Appell nicht getan. Er fordert wie der Fürstenfeldbrucker Jakob Ettner eine umgehende Satzungsänderung. Das Problem: Der zuständige Verbandstag fand vor wenigen Wochen statt, die nächste Gelegenheit zur Korrektur bietet sich erst in vier Jahren.

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