Basketball Wie trockener Sandkuchen

Der FC Bayern muss in Frankfurt gewinnen, sonst fliegt er schon im Viertelfinale aus den Playoffs. Die Münchner haben die besseren Spieler, der Gastgeber derzeit das bessere Team.

Von Ralf Tögel

Anton Gavel zum Beispiel. Es ist nicht möglich, dem Kapitän der Basketballer des FC Bayern München etwas Despektierliches über einen Gegner zu entlocken. Der nächste Kontrahent, so pflegt der Deutsch-Slowake zu sagen, ist immer der wichtigste, der einzige von Interesse also. Bei Kalibern wie Weißenfels oder Bremerhaven mag das schon mal ein bisschen aufgesetzt wirken, Gavel begründet das mit Respekt, der nämlich gebühre jedem Gegenüber. Der Trainer stößt ins gleiche Horn, auch Dejan Radonjic will über die kommende Partie nie hinausblicken, das hat der Montenegriner stets betont. Aktuell ist das richtig wie lange nicht mehr, denn das nächste Spiel könnte schon das letzte der Saison sein.

Hier geblieben: Münchens Center Maik Zirbes (li., gegen Frankfurts Tai Webster) konnte seinem Team zuletzt wenig helfen, er ist seit geraumer Zeit auf der Suche nach seiner Bestform. Die vierte Partie in Frankfurt wäre eine gute Gelegenheit, um endlich fündig zu werden.

(Foto: imago/Eibner)

Am Montagmittag ist der Bayern-Tross gen Hessen abgereist, zu den Fraport Skyliners nach Frankfurt, dem aktuellen Gegner im Playoff-Viertelfinale. Und die Bayern hatten einen Rückstand im Gepäck, denn nach der ehrabschneidenden 83:86-Heimniederlage vom Samstagabend führt Frankfurt mit 2:1 im Best-of-five-Vergleich, das Zustandekommen der jüngsten Niederlage gibt den Gastgebern neben weiterem Selbstvertrauen auch die gerechtfertigte Gewissheit, dass man dieser eigentlich klar überlegenen Mannschaft jederzeit beikommen kann. Zumal dem Meisterschaftsfavoriten jegliche Souveränität abhanden gekommen ist. Trotz großem Vorsprung, trotz besserer Individualisten, trotz dem Momentum auf der eigenen Seite genügten zuletzt ein paar überraschende Würfe und das Spiel der Münchner zerbröselte wie trockener Sandkuchen. Dann ist jede Struktur dahin, dann flüchten sich die Spieler in Einzelaktionen oder tauchen gleich völlig unter. Die Installation des neuen Trainers hat diesen Effekt nicht behoben, sondern scheinbar verstärkt. Denn waren unter Vorgänger Aleksandar Djordjevic stets ein paar Extrakönner zur Stelle, die ein Spiel zu drehen wussten, gelingt das neuerdings nicht mehr. Und sonderlich viel Input kommt vom neuen FCB-Anführer auch nicht wirklich, Dejan Radonjic wirkt oft überfordert.

Sein Gegenüber hingegen wusste für sein Team die richtigen Schlüsse zu ziehen, Gordon Herbert sprach vor dem Spiel in München von ein paar "adjustments", Anpassungen also, er hatte schon im zweiten Vergleich seinen Matchplan wirkungsvoll modifiziert. Am Samstagabend im Audi Dome war augenfällig, dass die Frankfurter die meiste Zeit mit zwei Centern spielten, dafür einen ihrer starken Guards auf der Bank beließen. Und in der Tat waren die Rebounds von Jonas Wohlfarth-Bottermann und Mike Morrison ein wichtiger Faktor, denn in der Arbeit unter dem Brett sollten die Vorteile eigentlich bei den Bayern liegen. Was sicherlich auch damit zu tun hat, dass Nationalcenter Maik Zirbes seit Wochen außer Form agiert, bei der Niederlage gegen Frankfurt war seine auffälligste Aktion ein unsportliches Foul. Gerade Zirbes aber dürfte in den Überlegungen, Radonjic zu holen, eine Rolle gespielt haben, denn zusammen mit Stefan Jovic begründete das Trio große Erfolge bei Roter Stern Belgrad. Entsprechend erfreut hatte sich der FCB-Hüne über den neuen Übungsleiter gezeigt, was aber bisher völlig in die Hose gegangen ist. Im jüngsten Auftritt hatte zudem auch der geniale Spielmacher der serbischen Nationalmannschaft einen rabenschwarzen Tag erwischt, Jovic gelangen zwei Assists und kein einziger Punkt. Der erwartete Umschwung durch den neuen Coach jedenfalls ist ausgeblieben, in der Kommandozentrale der Basketballabteilung muss man sich langsam mit dem Gedanken beschäftigen, formidabel daneben gegriffen zu haben.

Keine Mannschaft in der Liga hat in der Breite so viel Qualität wie die der Münchner Bayern

Freilich bleibt diese eine Chance, die letzte, am Dienstagabend in der Fraport Arena (19 Uhr) vor 5002 Zuschauern, denn allein die Aussicht auf das Scheitern des so hoch gehandelten Promis dürfte die Halle füllen. Den allerdings sollte man nicht zu früh abschreiben, denn dem exklusiven Kader der Münchner ist das Weiterkommen trotz aller Probleme zuzutrauen.

Auch wenn das flüssige Teamplay und die schnellen Fastbreaks verschütt gegangen sind, darf man nie die Qualität des Münchner Kaders vergessen. Spieler wie Jared Cunningham, Braydon Hobbs, Reggie Redding, Jovic oder Vladimir Lucic, der wohl nach seiner Schulterverletzung wieder mitwirken kann, sind allesamt für besondere Aktionen gut - und alle sind zuversichtlich. Kein Kader der gesamten Liga hat diese Qualität in der Breite. Geschäftsführer Marko Pesic hatte ja daran erinnert, dass dem Team nur ein Erweckungserlebnis fehlt - wie ein Sieg in Frankfurt mit dem Rücken zur Wand. Dann könnte sich sogar alles ins Gute drehen, unter dem akribischen, wortkargen Trainer Radonjic. Aber ein Blick in die Zukunft ist, wie wir gelernt haben, nicht gestattet.