Basketball Spaziergang und Nervenprobe

Jenaer Gas: Bayern-Trainer Aleksandra Djordjevic (Mitte) treibt sein Team (hinten v.re. Anton Gavel und Maik Zirbes) zum Auswärtssieg.

(Foto: imago/Christoph Worsch)

Der FC Bayern München zementiert Platz eins in der Bundesliga. Nach dem lockeren Heimsieg gegen Bonn gerät der Erfolg in Jena aber zum Kraftakt.

Von Ralf Tögel, Jena/München

Gegensätzlicher hätte das Wochenende für die Basketballer des FC Bayern München nicht verlaufen können. Nach dem lockeren Arbeitstag inklusive 78:50-Erfolg am Freitagabend gegen Bonn wurde der 85:78-Sieg am Sonntag bei Science City Jena zu einer wahren Charakterprobe.

Dabei waren die Bayern blendend aus der Landerspielpause zurückgekommen, keine Selbstverständlichkeit, wie Kapitän Anton Gavel gewarnt hatte. Die zweiwöchige Auszeit war für die Münchner, die auch im Eurocup wöchentlich beschäftigt sind, in dieser Saison ein Novum. Was im Heimspiel gegen Bonn kein bisschen ins Gewicht fiel, nötigte dem Team im Auswärtsspiel in Jena einen gewaltigen Kraftakt ab. Allerdings war es für den FCB auch der zweite Auftritt innerhalb von 48 Stunden.

Trainer Aleksandar Djordjevic hatte das morgendliche Üben angesichts der Doppelbelastung vorsorglich storniert, das Team ging ein bisschen spazieren, berichtete er, Erholung stand im Vordergrund. Denn viele Patzer sind im FCB-Saisonplan nicht vorgesehen, der mit dem maximalen Erfolg gekrönt werden soll: der Meisterschaft.

Gegen Bonn führten die Gastgeber die Entscheidung früh herbei, beim 43:21 zur Pause waren berechtigte Zweifel am späteren Sieger weitgehend ausgeräumt. Der gelang mit 78:50 Punkten üppig, hätte aber noch deutlicher ausfallen können. Denn während die Gäste über eine gute erste Fünf verfügen, dahinter aber qualitativ abfallen, kann Bayern-Coach Djordjevic nach Belieben rotieren - ohne jeden Verlust beim Leistungsniveau befürchten zu müssen. Bonn ist ein Gegner, der den Münchnern in der Vergangenheit einige Schwierigkeiten bereitet hat, im Vorjahr den Vergleich sogar einmal gewinnen konnte. Dieses Mal offenbarte das Aufeinandertreffen, wie weit der Titelfavorit enteilt ist. Vorsicht ist bei derlei Prognosen dennoch angebracht, wie das Sonntagsspiel bewies. Der Dreizehnte aus Jena konnte ohne Druck aufspielen - und bereitete derart unbekümmert dem FCB immense Probleme. Ob der besonderen Qualität der Bayern, der sehr tiefe Kader, besetzt mit sehr guten Basketballern, erklärte Jenas Trainer Björn Harmsen die Münchner Auswahl gar (zusammen mit dem Bamberger Vorjahresteam) zur besten, die je in der Bundesliga zu Werke ging. So war es gegen Bonn nicht ins Gewicht gefallen, dass Jared Cunningham und Braydon Hobbs weit hinter ihren Möglichkeiten zurück blieben, beides Spieler, die eine Partie im Alleingang zu drehen wissen. Für München kein Problem: Spielmacher Stefan Jovic stützte des Trainers Worte, dass er zu deutlich mehr als dem bisher Gezeigten in der Lage ist. Mit seinen überfallartigen Gegenstößen weiß er den freien Nebenmann einzusetzen, der serbische Regisseur in beiden Spielen in Summe auf 17 Assists.

Gerne bedient er den Kollegen Maik Zirbes. Der National-Center war neben Barthel der Münchner Beitrag für den deutschen Nationaltrainer Hendrik Rödl (Milan Macvan und Trainer Djordjevic waren für Serbien im Einsatz) und zeigte bei den Siegen gegen Georgien und Österreich jeweils starke Leistungen. Den Schwung brachte der Hüne passender Weise zum Bayern-Team mit. Zirbes sprühte gegen Bonn vor Spielfreude, klaute Bälle, stopfte krachende Dunkings in den Korb, traf mit sehenswerten Hakenwürfen. Ob er öfter "Pausen" dieser Art brauche? "Körperlich nicht", sagte Zirbes, aber ja, der Trip zur Nationalmannschaft habe "viel Spaß gemacht, der Trainer ist ja auch ein sehr, sehr guter Freund von mir, es war sehr schön."

Weniger schön war der Abend in Jena für den Center, was dank des edlen Kaders neuerlich gut kompensiert werden konnte: Devin Booker, Danilo Barthel, der später humpelnd vom Feld musste (eine genaue Diagnose steht noch aus) oder eben Macvan sind allesamt große Spieler erster Güte, zudem waren in Thüringen Cunningham und Hobbs, der mit 14 Punkten Topscorer war, wieder zur Stelle. Das Spiel in Jena geriet dennoch zu einem derjenigen, die für den Favoriten auch mal in einem Albtraum enden. Vor allem in der ersten Halbzeit traf Jena aus allen Lagen, Bundesliga-Veteran Julius Jenkins versenkte einen Dreier nach dem anderen und erzielte allein in Halbzeit eins 20 Punkte. Jena führte 48:44 zur Pause, aber die Münchner ließen sich trotz eines zwischenzeitlichen Elf-Punkte-Rückstands nie abschütteln. Auch weil die unwirkliche Trefferquote der Gastgeber nachlassen musste. Fortan war es ein intensiver Schlagabtausch. 64:62 führte der FCB nach drei gespielten Abschnitten, der finale Durchgang wurde zur Nervenprobe. Die Bayern legten immer vor, doch Jena glich immer aus, rackerte mit Leidenschaft, kämpfte, biss, ging über seine Grenzen. In den Schlussminuten setzte sich die Klasse der Bayern durch, der Sieg war hart erkämpft, aber verdient.

In Summe untermauern die beiden Siege die Münchner Ambitionen. In Zirbes' Worten klang das so: "Wir sind eine herausragend gute Mannschaft und wir werden immer besser."