Basketball Nummer neun

Der FC Bayern München will in Ulm seine Siegesserie fortsetzen

Von Ralf Tögel

Die Wende, daran werden sich die Ulmer Basketballer gerne erinnern, begann am 21. November 2015. Eine Woche zuvor hatte das Team in der Basketball-Bundesliga (BBL) eine ernüchternde 69:91-Pleite bei den Gießen 46ers kassiert. Der Saisonstart war gründlich verkorkst, sieben Niederlagen aus den ersten neun Spielen, für eine Mannschaft, die seit Jahren zu den besseren der Liga zählt. Eine Mannschaft, die eigentlich angetreten war, in dieser Saison mehr als der respektable Verfolger der Branchengrößen Bamberg, Bayern und Berlin zu sein. In solchen Situationen neigen Klubs zu hektischen Reaktionen, Trainer werden hinterfragt, der Markt nach neuen Spielern durchleuchtet. Nicht so im Schwabenländle. Die Verantwortlichen blieben ruhig.

Eine kluge Entscheidung. Fortan legten die Ulmer eine beachtliche Siegesserie hin. Von elf BBL-Spielen gewannen sie zehn, nur einmal hatten sie das Nachsehen: Beim FC Bayern München erlitt das schwäbische Hochgefühl mit 85:101 einen gehörigen Dämpfer.

Ulms Trainer Thorsten Leibenath, 2012 BBL-Coach des Jahres, ordnete die Münchner in seinem Fazit als "anderes Kaliber als wir" ein. Nur zwei Tage später setzte es die nächste Pleite gegen die Bayern, 69:83 diesmal im Eurocup. Die Schwaben hatten die erste Runde im zweitklassigen internationalen Wettbewerb überstanden, die Bayern waren als einer der in der Euroleague ausgeschiedenen Klubs in der zweiten Runde dazugekommen.

Nun also Teil zwei der direkt aufeinanderfolgenden Vergleiche. Am Sonntag (17 Uhr) gastieren die Münchner in Ulm zum BBL-Duell, am Mittwoch (19.30 Uhr) zum letzten Eurocup-Spiel der Zwischenrunde. Die Münchner lassen keinen Zweifel daran, dass die Meisterschaft Priorität besitzt: "Wichtig ist das Ligaspiel", sagt Nihad Djedovic, Topscorer beim jüngsten Eurocup-Sieg gegen Bandirma. "Wir müssen punkten, weil wir Bamberg hinterherlaufen müssen." Im Eurocup steht der FCB bereits im Achtelfinale, es geht nur noch um den Gruppensieg. In der Liga müssen die Münchner aufpassen, dass ihnen Tabellenführer Bamberg nicht enteilt. Es ist bekannt, welch großen Vorteil der erste Platz nach der Vorrunde birgt: Heimrecht in allen Playoff-Runden um die deutsche Meisterschaft. Ausrutscher sind daher für die Bayern verboten, zumal sie nach wie vor den Platz an der Sonne im Visier haben. Und die Bamberger, die gerade in der Euroleague für Furore sorgen, machen nicht den Eindruck, als würden sie in absehbarer Zeit schwächeln.

Also ist ein Sieg gegen Ulm am Sonntag Pflicht, es wäre der neunte in Serie, die Gastgeber dagegen wollen sich vor eigenem Publikum rehabilitieren: "Es wäre jetzt das letzte i-Tüpfelchen, wirklich mal ein gutes Ergebnis zu erzielen gegen eine Mannschaft, die ein deutlich größeres Kaliber ist als wir", findet Ulms Kapitän Per Günther. Der Nationalspieler ist die große Konstante im Team der Schwaben, das einmal mehr nahezu komplett umgebaut wurde. Spitzenspieler sind in Ulm schwer zu halten, Topscorer Will Clyburn und Center Tim Ohlbrecht haben den Klub daher verlassen, zudem plagt sich Top-Zugang Carlon Brown (aus Bamberg) nachhaltig mit Verletzungen herum.

Die Frage nach dem Favoriten für die "Ulmer Wochen", wie die Bayern die zwei Spiele nennen, ist daher schnell beantwortet. Fehlen wird wohl weiter Kapitän Bryce Taylor, dem ein Hämatom im Oberschenkel zu schaffen macht. Ansonsten treten die Bayern die kurze Reise in bester Besetzung an, es ist anzunehmen, dass in Maxi Kleber und Justin Cobbs jene Akteure große Spielanteile bekommen, die spät zum Kader gestoßen sind. Nihad Djedovic jedenfalls sieht es als Vorteil an, dass man im Eurocup statt der 1900 Kilometer nach Nordost-Anatolien dieses Mal nur 155 Kilometer ins Nachbar-Bundesland Baden-Württemberg reisen muss. Das spart Kräfte für höherer Aufgaben. An vorderster Stelle steht die Meisterschaft, doch Sportdirektor Marko Pesic sagte kürzlich: "Wir wollen das Eurocup-Achtelfinale unbedingt überstehen."