Baseball Wildschweine bei Fuchs und Hase

Der Bayernligist Baldham Boars bekommt eine neue Anlage an einem Waldrand zwischen Baldham und Zorneding.

Von Christoph Leischwitz, Vaterstetten

Ein wenig Wehmut ist natürlich dabei, wenn man die lieb gewonnene Wiese verlassen muss. Aber eine neue Heimat direkt an einem Waldrand, da sagen die Wildschweine natürlich nicht Nein - selbst dann nicht, wenn es nur darum geht, dort in der freien Zeit ein paar Bälle zu werfen und zu schlagen.

Die Baseballer von den Baldham Boars, die das Wildschwein im Wappen tragen, werden künftig rund anderthalb Kilometer weiter südwestlich spielen als bisher, auf einem Gelände am Hermann-Haage-Weg zwischen Baldham und Zorneding. Neben Fuchs und Hase gibt es hier nur noch die Fußballer und Tennisspieler des SCB, außerdem wird man dort bald Fußballgolf spielen können. Im Zuge der Bauplanung für die weitläufige Anlage hatte die Gemeinde beschlossen, ein zusätzliches Stück Land für den Baseball-Klub zu pachten. Die Boars sind sehr dankbar dafür, dass alles so schnell ging.

Der alte Platz, auf dem man zum Beispiel 2004 die Meisterschaft in der zweiten Bundesliga feierte, weicht schon bald einer Schule. "Irgendwann werde ich dort mit meinen Kindern vorbeifahren und zu ihnen sagen: Da haben wir früher gespielt", sagt Boars-Vorstand John Fürböck. Es sei eine schöne Zeit dort gewesen, auch eine erfolgreiche. Jetzt müsse man aber nach vorne schauen.

"Die zweite Liga ist das Ziel", sagt Boars-Vorstand John Fürböck

So ganz unglücklich waren die Boars dann auch gar nicht, als sie Ende der vergangenen Saison den Aufstieg in die neustrukturierte zweite Liga knapp verpassten. So ein Umzug kostet Kraft, mehr Aufwand und mehr Kosten hätten Unruhe verursachen können. Die Bayernliga, wo man übrigens heuer erstmals in der Nordstaffel antritt, scheint für das Übergangsjahr genau richtig. "Uns läuft die Zeit auch nicht davon", sagt Fürböck. Denn streng genommen handelt es sich bei der ersten Mannschaft gar nicht um Wildschweine, sondern um eine Ansammlung von Frischlingen. Im Schnitt ist die Mannschaft gerade mal volljährig, schätzt Fürböck. Die Start-Pitcher zum Beispiel, Lucas Traut und Francisco Paul, sind beide 18 und stecken gerade im Abiturstress. Trainer Matt Lopez ist der einzige US-Amerikaner auf oder neben dem Feld. "Die zweite Liga ist das Ziel, natürlich", sagt Fürböck. Er hofft, dass sich das Team den Aufstieg irgendwann über die gesammelte Erfahrung erspielt. Er hätte auch nichts dagegen, wenn man den Zuschauern gleich zur Einweihung des neuen Feldes im kommenden Jahr Zweitliga-Baseball bieten könnte. Die Gefahr, dass bis dahin andere Vereine aus der Region - allein in der zweiten Liga gibt es davon vier - die besten Talente abwerben könnten, sieht Fürböck nicht: "Der Zusammenhalt ist sehr eng, viele in der Mannschaft spielen seit zehn Jahren zusammen." Das sei es, was den Verein ausmache: alles aus eigener Kraft zu bewerkstelligen. Und Angebote von Konkurrenten könnten seine Spieler realistisch einschätzen: "Da werden viele Versprechungen gemacht mit der zweiten Liga, hernach gibt es immer lange Gesichter."

Unter dem alten Platz tummeln sich mittlerweile die Maulwürfe, der neue ist noch nicht ganz fertig. Die Boars haben aber eine vorübergehende Bleibe gefunden. Sie dürfen auf dem Gelände der Garching Atomics spielen, vorerst bis zum Ende der Punktrunde. Falls die Playoffs erreicht werden, muss man neu verhandeln oder suchen. In Garching stieß man auf Verständnis für die Boars. Denn die Atomics haben gerade erst ihren eigenen Platz aufwendig verlegt, um ihn begradigen zu können. Zur Bayernliga-Einweihung spielen die Atomics und die Boars am kommenden Samstag passenderweise gleich die ersten beiden Partien gegeneinander (13 Uhr, 15.30 Uhr). Auf dem Papier haben die Boars in der vorübergehenden Heimat erst einmal Heimrecht. Direkt neben der Autobahn, die A9 ist kaum mehr als einen wuchtigen Homerun entfernt. Im kommenden Jahr werden es die Wildschweine deutlich ruhiger haben.