Spezlwirtschaft im Zerwirk-Gebäude Wo der Teller tanzt

Neues Lokal im Zerwirk: Die Spezlwirtschaft

(Foto: sonn)

Hip-Hop, Schnitzel und ungewöhnliche Beilagen: Im alten Zerwirk-Gebäude hat ein neues Lokal eröffnet. In der Spezlwirtschaft gibt es bayerische Gerichte - und das bis spät nachts.

Von Lisa Sonnabend

Der Teller tanzt. Die Tischplatte in der Spezlwirtschaft, einem neuen Restaurant im Zerwirk-Gebäude, besteht aus dicken Holzbrettern, die jedoch nicht alle gleich hoch sind. Zerschneidet der Gast sein Schnitzel, wackelt der Teller hin und her. Eine gute Einstimmung - denn die meisten Gäste kommen in die Spezlwirtschaft, weil sie später im Crux, dem Club ein Stockwerk tiefer, weiterfeiern und tanzen wollen.

Vor gut zwei Monaten haben die Betreiber des Crux die Spezlwirtschaft eröffnet, davor war hier die Etage 2 untergebracht, und schon jetzt lässt sich sagen: Das Lokal kommt an. Bis auf einen Tisch sind alle Plätze besetzt. Einige Tische sind zusammengeschoben, da mehrere große Gruppen gekommen sind. Statt Leuten vom Kaliber von Franz Josef Strauß, einst berühmt für seine Spezlwirtschaft, sind an diesem Samstagabend junge, hippe Personen da.

Die Spezlwirtschaft ist schlicht eingerichtet: An der weißen Wand hängt kein einziges Bild. Die Attraktion ist hier das alte Gemäuer. Denn das Zerwirk gilt als zweitältestes Gebäude der Stadt, erbaut wurde es 1264. Die Wände sind dick, die Decken recht tief, die Fenster klein. Der Gastraum ist groß und verwinkelt.

Die Gäste trinken Helles (Hofbräu, 3,80 Euro für 0,5 Liter), Longdrinks (ab fünf Euro) oder Spezi (3,80 Euro). Doch die Spezlwirtschaft ist mehr als eine angesagte Bar. Fast alle Gäste essen hier auch etwas. Die Speisekarte ist übersichtlich: Nur wenige Hauptgerichte stehen darauf. Schnitzel, Käsespätzle, Salat mit Backhendl oder ein veganes Gericht.

Wir entscheiden uns für das Wiener Schnitzel (16,80 Euro), das mit Salat, Preiselbeeren und Erdäpfelkas serviert wird. Das bekommt man sonst in kaum einem Münchner Lokal serviert: eine Art Mischung aus Püree und Kartoffelsalat zum Schnitzel. Darin befinden sich allerdings so viele Zwiebeln, dass einige Gäste - darunter wir - sich nach den klassischen Pommes oder Bratkartoffeln zurücksehnen. Auch weil, so mancher sicher vorhat, im Crux später ein paar Flirtversuche zu starten. Das Schnitzel dagegen ist tadellos. Das Fleisch frisch, saftig und herrlich im Geschmack. Die Panade dick, aber nicht zu fettig oder trocken. Die Größe ausreichend, aber die Portion ist nicht so viel, dass man später auf der Tanzfläche einen Stein im Bauch spüren würde.

Als zweites Gericht wählen wir Kürbisknödel mit Mangold, Kirschtomaten und Süßkartoffelchips (12,80 Euro), das vegane Gericht von der Karte. Der Knödel ist ein wenig trocken, der Kürbisgeschmack sehr zurückhaltend. Häuft man jedoch wahlweise Mangold oder Tomate mit auf den Löffel ist der Geschmack durchaus als interessant zu beschreiben.

Das Besondere an der Spezlwirtschaft: Das Lokal hat bis drei Uhr, an manchen Tagen sogar bis fünf Uhr geöffnet. Zwar gibt es dann nur noch ein Gericht, Rahmfleckerl mit Sauerrahm sowie Speck oder Käse (4,50 Euro), doch für Weggehfreudige, die spät nachts noch Hunger bekommen, könnte es zu einer wichtigen Anlaufstelle werden.

An der Bar steht ein DJ und legt Electro und HipHop auf. Zu fortschreitender Stunde wird die Musik immer lauter, das Licht gedämmter. Bis gegen Mitternacht ein Grüppchen nach dem anderen bezahlt, aufsteht und hinab zum Tanzen geht. Allerdings muss man dann doch noch einmal kurz raus aus dem Gebäude und im Freien bei der Kasse den Eintritt lösen.

Spezlwirtschaft, Ledererstr. 3, 80331 München, Telefon: 089/23232973, www.spezlwirtschaft.me. Geöffnet: Dienstag bis Samstag von 18:30 - 3 Uhr, am Mittwoch, Freitag und Samstag bis 5 Uhr.