Nach einigen Dates sinkt die Konzentration. Um mich herum das laute Lachen der Damen, die sich meist deutlich lauter und gestenreicher artikulieren. Die Männer flanieren von Tisch zu Tisch, jeder tritt anders auf. Mal lässig mit den Händen in der Hosentasche, mal souverän selbstbewusst mit breitem Lächeln und festem Händedruck. Der Vorstellung mit Nickname folgt das Frage- und Antwort-Spiel. Kreativität wird dabei anscheinend nicht erwartet - wem die Fragen ausgehen, findet Anregungen auf der Bewertungskarte. Job, Herkunft, Hobbies, Leben - austauschbar.

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So können sieben Minuten lang werden. Kaixx, der Footballer, und M_pete, Techniker im Lacoste-Pulli, sind von sich selbst begeistert. Ich muss nur nicken und lächeln. Irgendwann zähle ich die Bläschen in meinem Sektglas. Bei Nummer 113 erklingt Marcs Pling-pling: Kurze Pause und Zeit zur Rekapitulation.

"Wer möchte, kann sich mit neuen Drinks an der Bar versorgen." Marc animiert die Dater zum Alkoholkonsum, denn auch die Betreiber der Location wollen an der Liebesvermittlung verdienen. Ursprünglich war Speed-Dating keine kommerzielle Veranstaltung. Der jüdisch-orthodoxe Rabbi Yaacov Deyo initiierte es erstmals in den 1990er Jahren in den USA als Kontaktplattform seiner Gemeinde. Rund zehn Jahre später finden ähnliche Events ohne religiösen Bezug auf der ganzen Welt in Großstädten mit hohem Singelanteil statt.

Soll das flirten sein?

Im Gedächtnis bleibt dabei, wer anders ist, andere Themen angeht, witzig ist oder unerwartete Sprüche bringt. "Mein Nickname ist meine Telefonnummer, mein Geburtsdatum und meine E-Bay-Kundennummer", so stellt sich Chrisxxxx vor. Wie bitte? Soll das flirten sein? Es folgt eine Erklärung über seine letzten Online-Einkäufe, die Ausrede, er sei nur hier, weil es ein Geschenk sei und die Offenbarung, er habe seine große Liebe schon gefunden - den Motorsport.

Ich komme kaum zu Wort, aber die sieben Minuten verfliegen. Genauso bei Bärchenxx. Der kurzgeschorene Bär entpuppt sich als lustiger Berliner, der als Einziger zugibt, schon beim dritten Date mitzumachen. Er lacht viel und ordnet die ganze Veranstaltung in die richtigen Verhältnisse ein: "Ich will hier Menschen kennen lernen. Die große Liebe muss man ohne 'Dating-Angel' finden." Dann ein letztes Pling, das war's.

48 Stunden später zeigt sich der Erfolg der Dates im Internet. Bewerten sich zwei Teilnehmer positiv, werden die persönlichen Daten vom Veranstalter ausgetauscht. Ich klicke mich durch die Profile, wen will ich wiedersehen? Drei Mal gebe ich "ja" ein.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: In meinem Postfach finde ich Reisefotos von Ralph, dem Mathematiker. Artig bedanke ich mich, das wars. Ganz anders Willy: Erst eine SMS, ein Anruf, dann noch einer und bald kennt meine Mailbox seine Stimme besser als die meiner Mutter. Doch leider: Er war nett und äußerst attraktiv, mehr aber nicht.

Kann man also über Sympathie in nur sieben Minuten entscheiden? Oder bleibt die Wirkung der Speed-Dating-Teilnehmer auf äußere Eindrücke fokussiert?

Sicher, ein intellektuelles Gespräch in so kurzer Zeit zu führen, fällt schwer. Wer an die große Liebe auf den ersten Blick glaubt, könnte beim Speed-Dating fündig werden. Für mich und alle anderen gleicht die Veranstaltung eher einem kurzweiligen Partyabend. Übrigens: Kein einziger Teilnehmer hat in den zwei Stunden das Wort Liebe erwähnt.

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  1. Männer im Minutentakt
  2. Sie lesen jetzt Und die Liebe?
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(sueddeutsche.de/wib)