Sozialwohnungen in München Nicht nur Armen-Häuser
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Sozialwohnungen gibt es ab jetzt auch für "Besserverdiener": Der Stadtrat erhöht die Einkommensgrenze für Sozialwohnungen um 30 Prozent.
Das klingt gut, das klingt, als würden die Wohnprobleme vieler Bedürftiger gelöst. Tatsächlich aber ist eine Revolution auf dem Mietmarkt in weiter Ferne. Rund 47.000 klassische Sozialwohnungen gibt es in München derzeit. Für diese gilt eine Einkommensgrenze, die in den vergangenen 28 Jahren so gut wie nicht erhöht wurde. Weil zugleich aber die Löhne, auch von Geringverdienern, gestiegen sind, hatten immer weniger Münchner Anspruch auf eine solche Wohnung mit gut fünf Euro Miete pro Quadratmeter. So durfte bislang ein Zwei-Personen-Haushalt nicht mehr als 18.000 Euro netto pro Jahr verdienen. Eine Erzieherin etwa, wahrlich nicht üppig bezahlt, verdiente zu viel für eine Sozialwohnung.
Nun hat die Stadt nach einer Gesetzesänderung diese Grenze auf 23.400 Euro erhöht. Das bedeutet aber nicht, dass eine völlig neue Gruppe in den Genuss einer Förder-Wohnung kommt. Denn seit etwa fünf Jahren wird nur noch ein neuer Typ von Sozialwohnung errichtet, subventioniert gemäß der Einkommensorientierten Förderung (EOF). Von diesen EOF-Wohnungen gibt es derzeit rund 2600, und wer sich darum bewirbt, darf bisher schon die alte Einkommensgrenze um bis zu 60 Prozent überschreiten, muss dafür allerdings eine höhere Miete hinnehmen.
Positiv fürs nachbarschaftliche Klima
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Die jetzige Erhöhung der Grenze macht den Weg für viele EOF-Mieter in eine klassische Sozialwohnung frei. Theoretisch. In der Praxis gilt es, einen ungewollten Effekt zu verhindern: Ein Vermieter nimmt eher einen "Besserverdiener" unter den Geringverdienern, also etwa eine Erzieherin, als einen am Existenzminimum. Um zu verhindern, dass diese nicht mehr zum Zug kommen, will das Wohnungsamt gegensteuern: Nur 20 Prozent der jährlich frei werdenden rund 4000 klassischen Sozialwohnungen sollen an Bessergestellte unter den Berechtigten gehen.
Keine Revolution also, doch in Nuancen dürfte sich der Mietmarkt durch das 30-Prozent-Plus verändern. In Sozialblocks könnte sich die Mieterstruktur verbessern. Das ist positiv fürs nachbarschaftliche Klima - und für die Einstellung von Investoren zu geförderten Wohnungen. Auch erhofft man sich im Wohnungsamt, dass mehr Menschen realisieren: Wir haben Anspruch auf eine Förder-Wohnung. Noch herrsche der Glaube vor, das wäre nur etwas für die Ärmsten. Wo man das erwartete Plus an Bewerbern dann aber unterbringen will, ist offen, denn die Zahl der subventionierten Wohnungen sinkt in München kontinuierlich. Der geplante Ankauf von sogenannten Belegrechten in gewöhnlichen Anlagen dürfte nur ein Tropfen auf einen immer noch sehr heißen Markt sein.