Soziale Medien und Polizei Polizei München: auf Twitter vorbildlich

Mehrsprachige Terrorwarnungen und ein Live-Stream. Die Münchner Polizei erhält in den sozialen Medien viel Lob für ihre Arbeit in der Nacht.

Von Julian Dörr

Am Ende dieser langen Nacht steht Zusammenhalt. Unter diesem Hashtag bedankt sich die Polizei München auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bei allen Nachtschwärmern und Silvester-Partygängern für ihre Ruhe und Verständnis. Da ist es bereits Morgen und der Schreck liegt einige Stunden zurück.

Kurz vor Mitternacht verbreitet die Polizei München den Hinweis, dass ein Terroranschlag in der Stadt geplant ist und dass die Bevölkerung Menschenmengen sowie den Hauptbahnhof und den Bahnhof in Pasing meiden soll. Kurze Zeit später sind diese geräumt und abgeriegelt. Die Stimmung in der Stadt ist angespannt, so kurz vor Neujahr sind viele Menschen auf der Straße. Es herrscht große Unsicherheit. Wenig ist bekannt, viel wird spekuliert. Wer wissen will, was los ist, folgt der Münchner Polizei auf Twitter. In kurzer Zeit erhöht sich deren Followerzahl um 50 Prozent. Denn das Social-Media-Team kuratiert die wenigen verfügbaren Informationen vorbildlich.

Bereits nach einigen Minuten taucht der erste fremdsprachige Tweet auf. Auf Polnisch informiert die Polizei über die aktuelle Gefahrenlage. Im Laufe der Nacht wird man neben deutschen auch englische, türkische, italienische und französische Tweets lesen können. Ein Service, auch für die vielen Silvester-Touristen in der Stadt. Diese Nachrichten entsprangen keinem Übersetzungsprogramm, sondern spiegeln die personelle Vielfalt der Pressestelle der Polizei München wider. Die anwesenden Kollegen seien eben dieser Sprachen mächtig, erklärt Elisabeth Matzinger, Mitarbeiterin der Pressestelle, am Morgen danach.

Natürlich habe es kritische Stimmen gegeben, die sich negativ zur Vorgehensweise der Polizei geäußert haben, so Matzinger weiter. Die meisten Nutzer reagierten jedoch sehr positiv auf den multilingualen Service und die Informationspolitik des Social-Media-Teams in dieser Nacht. Mehr als 3000 Kommentare sammelten sich unter einem Beitrag bei Facebook, der erste Warn-Tweet der Polizei wurde mehr als 4000 Mal geteilt. Man habe versucht, die Öffentlichkeit mitzunehmen, sagt Elisabeth Matzinger. Wenn man sich das Feedback in den sozialen Medien anschaut, dann hat das zu großen Teilen funktioniert: "Vielen Dank für diese großartige Polizeioperation vergangene Nacht", schreibt ein Nutzer auf Twitter: "Wir sind froh, dass nichts passiert ist und ihr aufgepasst habt."

Bei der Pressekonferenz via Periscope versagt die Technik

Die Live-Übertragung der Pressekonferenz mit Innenminister Joachim Herrmann auf dem Streaming-Dienst Periscope geriet dann doch sehr spontan. Beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau hatte das Social-Media-Team gute erste Erfahrungen mit dem Werkzeug gemacht, Periscope wurde ins Polizei-Repertoire aufgenommen. In dieser Nacht kämpfte man mit schlechtem Ton, ein passendes Mikrofon war nicht verfügbar. Das Feedback fiel dennoch auch hier sehr positiv aus, besonders von Medienvertretern, die nicht so schnell vor Ort sein konnten.

Die Polizei München hat in der vergangenen Nacht auf vielen Kanälen gesendet: Twitter, Facebook, Periscope. Auch wenn noch sehr wenig bekannt war. Beunruhigt man da nicht die Bevölkerung mit diesem Dauerbeschuss aus den sozialen Medien? Die Balance zwischen Information und Panikmache ist zuweilen schwer zu finden. In München hat man in dieser Nacht abgewogen - mit gesundem Menschenverstand und aufgrund der Informationslage, wie Elisabeth Matzinger sagt. Das Ergebnis: "Die Hinweise waren so konkret, dass wir mit einer Warnung rausgehen mussten."

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