Mit 238 hauptberuflich Beschäftigten und 3500 freiberuflichen Dozenten bildet die Volkshochschule aber auch einen "Umschlagsplatz für Ideen". Sie greift Anregungen für neue Angebote von Teilnehmern ebenso wie von Dozenten auf, die Mitarbeiter spüren als "Seismographen" Themen und Fragestellungen auf, um so Kurse und Vorträge anbieten zu können, die Neugier und Interesse wecken. Die "Dauerkrise" rühre am Selbstverständnis der Menschen, sagt Susanne May. Themen der Offenen Akademie wie "Was lernen wir aus der Krise" oder "Wohlstand ohne Wachstum denken" sind gefragt, aber auch Hilfestellung beim Umgang mit Geld und Schulden.
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Die Volkshochschule will bewusst offen für alle Bevölkerungsschichten sein. "Wir arbeiten wirtschaftlich, aber mit sozial verträglicher Preisgestaltung", sagt Meisel. München-Pass-Inhaber wie etwa Arbeitslosengeld-II- oder Sozialhilfe-Bezieher zahlen den halben Preis. Nicht zuletzt auch deshalb gilt die Volkshochschule als Ort, wo sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus mischen und begegnen, sich über gemeinsame Interessen näher kennenlernen. Und gerade deshalb gilt für viele ältere, alleinstehende Menschen auch Meisels Erfahrung: "Bildung hilft gegen Einsamkeit."
Die Volkshochschule liefert ohnehin den Beweis dafür, dass dem von Politikern in Sonntagsreden geforderten "lebenslangem Lernen" nicht die Bedrohung anhaften muss, irgendwann auf der Strecke zu bleiben. Sie folgt keinem starren Lernkonzept, klebt an keinem lebensfernen Lehrplan. Ihr Erfolgsrezept liegt gerade darin, dass sie Jahr für Jahr ihre Mischung neu bestimmt, Trends aufgreift, politische Bildung aktuell ausrichtet, Informationen zu heiß diskutierten Themen bietet, neue Qualifikationen eröffnet, wie auch das Nachholen fehlender Schulabschlüsse.
Die Spannweite selbst an nur einem willkürlich herausgegriffenen Tag ist enorm, sie reicht vom Kurs "Deutsch als Fremdsprache" für Beschäftigte der städtischen Friedhofsverwaltung am Morgen bis hin zum 300. VHS-Vortrag von SZ-Kritiker Joachim Kaiser: "Die großen Spätwerke." Für die Programmdirektorin liegt das Erfolgsgeheimnis denn auch in der "Mischung aus Bildung, Geselligkeit, Unterhaltung und Qualifizierung, die Spaß und Freude macht".
Auch wenn die Volkshochschulen in der bundesweiten Diskussion um bessere Bildung bislang eher ein Schattendasein fristen, dürfte die demographische Entwicklung die Erwachsenenbildung mehr in den Blick rücken. "Es fehlt an der bildungspolitischen Untermauerung der neuen Rentenpolitik", sagt Meisel. "Auf die Erwachsenenbildung wird mehr Bedarf zukommen." Doch sowohl Meisel als auch May sind sehr zuversichtlich, dass zumindest die Stadt weiß, was sie an ihrer Volkshochschule hat, wie viel sie für den sozialen Frieden, aber ebenso für die Lernfähigkeit einer älter werdenden Gesellschaft leisten kann.
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(SZ vom 17.06.2010/amm)
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