"Solidarisches Wohnen" Die meisten Mitarbeiter zahlen ohnehin Marktpreise

Richtig aber ist: Das Angebot ist bislang nicht nur frappierend günstig, es ist auch einem relativ kleinen Personenkreis vorbehalten. Zwar können sich alle 450 Mitarbeiter der ELKB-Zentrale im Raum München bewerben, aber nur ein gutes Drittel von ihnen lebt derzeit tatsächlich in einer Dienst-Mietwohnung, die anderen zahlen großteils Marktpreise. Überhaupt steht bislang nur ein sogenannter Pool von 200 Wohnungen zur Verfügung, alle im Raum München. Wer anderswo arbeitet - bayernweit zählt die Kirchenzentrale mehr als 1000 Beschäftigte - ist ganz außen vor. Rechnungsprüfer der Kirche monieren das seit Jahren. Jetzt wird reformiert.

Jeder Mitarbeiter in Bayern soll künftig eine Dienst-Mietwohnung beantragen können, sagt die Kirche. Und statt des bisherigen Pools sollen dafür grundsätzlich alle vom Evangelischen Siedlungswerk verwalteten Mietwohnungen in Frage kommen, das sind mehr als 5000 in Bayern. Entsprechend mehr Geld stellt die Kirche freilich nicht bereit. Vielmehr gibt sie den einen, nimmt aber den anderen.

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Das heißt: Alle Mieter sollen künftig den jeweiligen mittleren ortsüblichen Mietzins entrichten. Das seien immer noch drei bis vier Euro pro Quadratmeter weniger als auf dem Markt, rechtfertigt sich die ELKB. Bei neuen Verträgen gilt das bereits, bei bestehenden soll die Miete alle drei Jahre um 15 Prozent steigen, bis die endgültige Höhe erreicht ist. Bei einem Quadratmeterpreis von 4,04 Euro dauert es etwa zwei Jahrzehnte, bis die Miete angepasst ist, aber mehr lässt das Gesetz nicht zu. Je höher die Mieten steigen, desto mehr will die Kirche dann auszahlen, insgesamt eben 1,4 Millionen Euro. Wie diese Zuschüsse genau verteilt werden, wird noch ausgehandelt.

Diese Erklärung aber wird nicht von allen akzeptiert. Die Rede von Gerechtigkeit sei vorgeschoben, heißt es - schließlich gebe es gar nicht so viele Interessenten. Immer wieder stünden Wohnungen längere Zeit leer, und mangels interner Interessenten wohnten in mehreren Pool-Wohnungen offensichtlich externe Mieter, heißt es.

Tatsächlich seien 40 der 200 Wohnungen nicht an aktive, wohnungssuchende Mitarbeiter vermietet worden, bestätigt die Kirche. Aber nur dann, wenn deren Wünsche nicht zum Angebot gepasst hätten. Das Interesse sei durchaus da: Man führe eine Liste mit derzeit 27 Bewerbern. Und die auswärtigen Mitarbeiter hätten sich bislang ja nicht einmal bewerben können.

Mitarbeitervertreter haben eine Klage angestrengt

Das Klima im Landeskirchenamt sei jedenfalls vergiftet, ist von mehreren Seiten zu hören. Und auch die aktuellen Verhandlungen über künftige Zuschüsse bergen Zündstoff. Denn weil Mitarbeiter in ganz Bayern betroffen sind, spricht die Amtsleitung nicht mehr wie bisher mit den Mitarbeitervertretern des Landeskirchenamts, sondern mit der Gesamtmitarbeitervertretung. Die sei eben zuständig, sagt die Kirche.

Sie sei "pflegeleichter", weil sie weniger auf die Lage in München blicke, argwöhnen dagegen die Kritiker. Die Münchner Mitarbeitervertreter strengten daher eine Klage gegen ihre Vorgesetzten an; formal geht es um Geld für ein Rechtsgutachten, letztlich aber darum, wer verhandeln darf. Am 16. Oktober sei ein Schlichtungstermin vor dem Kirchengericht, hieß es zuletzt im Intranet der ELKB.

Bleibt die Frage: Wie kann es sein, dass die Mieten 18 Jahre lang nicht erhöht wurden? Die Kirche antwortet: Man habe in der Vergangenheit wohl einfach die heftigen Diskussionen gescheut.

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