Von Christian Rost

Ein neues Computersystem erkennt die Fingerabdrücke eines 39-jährigen Kochs, der vor 16 Jahren einen Homosexuellen erstochen hat.

16 Jahre nach der Tat hat die Polizei den Mord an einem 46-jährigen Münchner Maler geklärt. Der Mann war am 8. Februar 1987, einem Sonntag, im sechsten Stock seines Appartements in einem Hochhaus an der Theresienhöhe tot aufgefunden worden. Etwa 30 Mal hatte der Mörder auf den als homosexuell bekannten Alfred R. mit einem Brotmesser eingestochen und ihm mit einem Hammer den Schädel eingeschlagen. Ein bislang unbrauchbarer Fingerabdruck brachte die Polizei jetzt auf die Spur des Täters. Es handelt sich um den 39-jährigen Mario P., der bis zu seiner Festnahme am Donnerstagmorgen als Koch im Hofbräuhaus arbeitete. Es erging Haftbefehl.

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Die Polizei geht davon aus, dass P. sich in jungen Jahren als Stricher am Münchner Hauptbahnhof angeboten hat. Der aus dem Süden Italiens stammende 39-Jährige gestand zwar den Mord, indes bestreitet er, sich jemals im Milieu Freiern angedient zu haben. Von dem ermordeten R., der ihn am Bahnhof angesprochen, in seine Wohnung mitgenommen habe und dort zudringlich geworden sei, habe er sich bedroht gefühlt, sagte er aus. In der folgenden Auseinandersetzung sei es zu der Gewalttat gekommen.

Tatsache zumindest ist, dass sich P. an jenem 8. Februar in der Wohnung des Opfers aufgehalten hatte. Beide hatten Bier getrunken, weshalb die Polizei auch von einem Glas einen unvollständigen Fingerabdruck P.s sichern konnte. Bis vor einigen Tagen gelang es den Ermittlern jedoch nicht, diese Spur einer Person zuzuordnen. Erst als das Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS) am Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) mit einer neuen, hoch auflösenden Software ausgestattet wurde, ergab sich ein Treffer: Mario P. Er war wegen eines Sexualdeliktes 1998 vom Erkennungsdienst behandelt worden, weshalb sich seine Fingerabdrücke im Polizei-Computer befanden. Auch im Jahr 1988 hatte die Polizei ihn bereits im Visier - damals ging es bei den Ermittlungen allerdings um kleinere Delikte wie Betrug. Fingerabdrücke wurde deshalb nicht genommen.

An diesem Donnerstag gegen 8.30 Uhr wurde Mario P. an seiner Arbeitsstelle festgenommen. Im Verhör gestand er die Tat. Er hatte aus der Wohnung des Opfers eine Reihe von Gegenständen entwendet - eine Taschenuhr, einen Videorekorder, eine Lederjacke, ein Armband aus Gold sowie rund 2000 Mark Bargeld.

Die Polizei hofft nun, mit dem neuen Fingerabdruck-System eine Reihe weiterer Taten klären zu können. Der Chef der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, spricht von allein 20 ungeklärten Tötungsdelikten in den vergangenen 30 Jahren in der Stadt, die dem Strichermilieu zuzuordnen seien. Die Leiterin des Erkennungsdienstes am Landeskriminalamt, Eva Schichl, ordnete darüber hinaus die Prüfung von sämtlichen etwa 6000 ungeklärten Kapitalverbrechen in Bayern bis ins Jahr 1947 zurück an. In einigen Altfällen sei man, so Schichl, mit Hilfe der Software bereits erfolgreich gewesen und habe den ermittelnden Beamten die zu den Fingerspuren passenden Personen nennen können.

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(SZ v. 18./19.10.2003)