Von Martin Thurau

So long, Mister Gates! München ist die erste Kommune, die in puncto Betriebssystem von Microsoft zu Linux - LiMux genannt - wechselt. Mit der Umstellung sollen rund drei Millionen Euro Lizenzkosten eingespart werden.

Nein, das ist kein Schreibfehler - diese Antwort muss Christine Strobl öfter geben. Das große Software-Projekt der Stadt arbeitet zwar mit dem freien Betriebssystem "Linux", aber es heißt eben "LiMux", eine kleine Wortneuschöpfung. Schließlich ist München die erste Kommune, welche die Unabhängigkeit vom Software-Giganten Microsoft sucht und auf allen Rechnern in der Verwaltung vom kommerziellen Betriebssystem aus dem Hause Gates zu Linux wechselt.

Linux München

Der Pinguin ist das Symbol des Betriebsprogramms Linux (© Foto: ddp)

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Die Entscheidung des Stadtrates, Microsoft die kalte Schulter zu zeigen, hatte 2003 für reichlich Furore gesorgt. Die Umstellung läuft jetzt bereits seit zwei Jahren, Zeit für eine Zwischenbilanz.

An allen 14000 Arbeitsplätzen wird mittlerweile freie Software eingesetzt, Webbrowser und E-Mail-Client zum Beispiel. Auf rund 8000 Rechnern ist zudem die freie Bürosoftware "OpenOffice" installiert. Die tatsächliche Ablösung vom alten Betriebssystem, der zweite Schritt der Umstellung, ist an 1200 Rechnern schon vollzogen. Das Direktorium und das Kulturreferat sind nahezu vollständig umgestellt, bis Ende 2011 sollen es mindestens 80 Prozent aller Arbeitsplätze sein.

Drei Millionen sollen eingespart werden

Strobl hält die Umstellung für "richtungsweisend", wie nicht zuletzt Anfragen anderer Kommunen, Berlin und Amsterdam etwa, aber auch von Staaten wie Finnland belegen; allein 50 waren es im letzten Halbjahr. Neben der Unabhängigkeit von Hersteller-Monopolen sieht Strobl weitere entscheidende Vorteile: Die Stadt spare mit der freien Software nach "konservativer Schätzung" rund drei Millionen Euro Lizenzkosten in den kommenden fünf Jahren, rechnet die SPD-Politikerin vor.

Manche Software für Fachprogramme der Verwaltung ließe sich von anderen Behörden übernehmen und anpassen, die Stadt könne im Gegenzug ihre Eigenentwicklungen, etwa das zur Verwaltung von Formularen und Vorlagen ("WollMux"), zur Verfügung stellen. Die Vereinheitlichung der Büro-Software spare zudem Arbeitszeit. Freilich sind hier nicht wenige Angestellte der Stadt anderer Meinung, die über Umstellungsprobleme stöhnen. Davon war am Mittwoch nicht die Rede.

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(SZ vom 10.07.2008/pir)