Social Entrepreneurship Wie Gründer mit sozialen Projekten Geld verdienen wollen

Zusammen ist man weniger allein: Im neu eröffneten Social Impact Lab an der Balanstraße berät Kerstin Reimers Flüchtlinge bei der Unternehmensgründung.

(Foto: Florian Peljak)
  • In München gibt es eine Reihe von Start-ups, denen es nicht in erster Linie um die Rendite geht.
  • Eine neue Anlaufstelle für "Social Entrepreneurs" hat gerade an der Balanstraße eröffnet.
  • Die Geschäftsideen reichen von backenden Senioren über Honig per Internet bis zur Jobsuche für Flüchtlinge.
Von Jessica Schober

"Die besten Ideen kommen nicht im Sitzen." Das ist gleich so ein hibbeliger Satz, wie man ihn beinahe zu oft hört in der Start-Up-Welt. Lesen kann man ihn auch auf der Internetseite des Impact Hubs, einem Gründerdomizil im Münchner Schlachthofviertel. Von "Co-Creation" ist dort die Rede, wenn es um Zusammenarbeit gehen soll. Konferenzen gibt es hier nicht, sondern es muss schon eine "Unconference" mit völlig offenem Tagesprogramm sein.

An Anglizismen darf man sich nicht reiben in diesem Umfeld. Denn bei aller gelebten Hipster-Kultur zwischen karobehemdeten Vollbärtigen und Duttträgerinnen hat sich hier etwas Besonderes entwickelt, etwas, das tatsächlich nicht im Sitzen entsteht: Ein Biotop des Aufbruchs.

So werden aus Ideen erfolgreiche Firmen

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Münchens Gründerszene hat sich gemausert. Lange ging, wer ein Start-Up gründen wollte, nach Berlin. Zumal wenn er günstige Räume suchte. Inzwischen gibt es immer mehr Gründer, die von der Nähe zu zahlungskräftigen Investoren in München profitieren wollen. Es gibt aber auch Gründer, die überhaupt erst gar nicht profitorientiert sind, sondern das Gemeinwohl im Sinn haben. Eine solche Unternehmung nennt man Social Entrepreneurship. Und diese Sozialunternehmer haben einen hehren Anspruch: Die Welt zu einem besseren Ort machen.

Einer der ersten, der in dieser Branche das Münchner Feld bestellte, ist Johann Schorr. Der gebürtige Chiemgauer mit blonder Surferfrisur und lilafarbenem Pullover sitzt in seinem Impact Hub, das er und zwei weitere Gründer 2013 gemeinsam an der Gotzinger Straße eröffneten. Vor der Glastür wuseln Teilnehmer des diesjährigen Impact Festivals durch die Gänge, wer keine Lust auf Arbeiten hat, kann sich im Meditationsraum entspannen oder im Discoraum mit Musik und Stroboskoplicht ablenken lassen.

"Eingeschränkten Innovationsdurst" attestiert Schorr der Stadt, die er einerseits für ihre Gemütlichkeit liebe - und an der ihn andererseits "dieses Wohlstandsgesättigte" nerve. Es dauerte Jahre bis Schorr endlich passende Räume und alle Genehmigungen beisammen hatte, um den Impact Hub zu gründen. Dabei war er sich sicher: "Menschen, die in München an einer enkeltauglichen Zukunft arbeiten, brauchen einfach einen eigenen Ort." Enkeltauglichkeit? Im Grunde sei das nichts anderes als das, was man bei der IHK vielleicht das Prinzip des ehrbaren Kaufmannes nennt, räumt Schorr ein.

Sein Impact Hub ist aufgeblüht. Viele erfolgreiche Gründungsideen sind oder waren hier angesiedelt. In der luftigen Halle sieht man viel helles Holz, unverputzten Ziegelstein, Fahrräder stehen auf Arbeitskabinen, Glaskästen dienen den Teams als Rückzugsort , und alles richtet sich zur Mitte hin auf den so genannten Marktplatz aus. "Wir sind aber nicht bloß Raumvermieter - das wäre das Uninteressanteste an dieser Unternehmung", sagt Schorr, "wir schaffen hier gute Beziehungen zwischen Menschen, die gemeinsame Werte teilen."