Silvesteressen für Kurzentschlossene Super-Menü von der Tankstelle

Der gelernte Koch Robert Höllerer weiß auch aus Tankstellen-Beständen ein exquisites dreigängiges Silvestermenü zuzubereiten.

(Foto: Claus Schunk)
  • Wenn man an Silvester nach Ladenschluss plötzlich noch ein Essen kochen muss, bleibt fürs Einkaufen nur die Tankstelle.
  • Koch Robert Höllerer besorgt dort seine Zutaten und kreiert daraus ein Drei-Gänge-Menü - Quiche Lorraine und Gâteau au chocolat inklusive.
Von Michael Morosow

Die festliche Garderobe hängt gebügelt im Schrank, die Gastgeschenke tragen bereits eine Schleife. Der großen Silvestergala bei Freunden steht nichts mehr im Wege. Dann der Anruf des Gastgebers, der alles über den Haufen wirft: "Bin ausgerutscht, lieg' im Krankenhaus, muss leider kurzfristig absagen." Na bravo, im eigenen Kühlschrank herrscht gähnende Leere, seit 14 Uhr haben alle Geschäfte geschlossen und die Restaurants sind längst ausgebucht; das Jahr hört ja gut auf.

Für alle, die, aus welchen Gründen auch immer, am Silvesterabend noch schnell und quasi aus dem Nichts ein festliches Menü aus dem Hut zaubern müssen, liegt die Rettung nah - an der Tankstelle ihres Vertrauens. Robert Höllerer, gelernter Koch und Betreiber eines Partyservice, benötigt zehn Minuten und 56,01 Euro für den Einkauf fast aller Zutaten für ein dreigängiges Silvestermenü für vier Personen, das er für die SZ-Leser kreiert. Und gleich vorweg: Die Tankstellenkost mag nicht normal sein, aber sie schmeckt super.

Quiche Lorraine und Thunfisch-Mousse

Die Vorspeise: Quiche Lorraine und Erbsensuppe mit Parmesanschaum und Croûtons; Hauptgericht: Chili-Tortilla, Dessert: Gâteau au chocolat mit Walnuss-Eis, zum Knabbern für zwischendurch: Russische Eier, Tuc Frischkäse-Cracker und Thunfisch-Mousse auf Toastscheiben. Dass die gängigen Gewürze sowie Essig, Öl, Senf, Meerrettich und Zwiebeln in jedem Haushalt vorrätig sind, setzt Robert Höllerer voraus. Ansonsten beginnt die Kochanleitung mit: "Sie klingeln beim Nachbarn."

Leckere Zwiebel-Schinken-Quiche.

(Foto: Claus Schunk)

Der 44-Jährige breitet den Einkauf in der Küche seiner Wohnung in Harlaching aus, und ehe man sich umsieht, ist die Arbeitsplatte mit Mehl bestäubt für die Zubereitung des Quiche-Teiges. Im Sheraton-Hotel hat der frühere Heimstettener sein Handwerk gelernt, "aber das richtige Kochen lernt man eigentlich erst nach der Lehre", sagt er und legt los.

Der gelernte Koch betreibt heute einen Partyservice

Für den Quiche-Teig verarbeitet er 250 Gramm Mehl, 125 Gramm Butter, je eine Prise Salz und Muskat und ein Ei zu einem Mürbteig. "Ein Schuss Essig macht den Teig blättriger", verrät er. Den Teig rollt er bis auf Pfannkuchenstärke und legt damit eine leicht bemehlte Auflaufform aus. Im Kuffler an der Oper hat er nach seiner Ausbildung gekocht, dann beim Vogelbauer in Egling, mit 27 Jahren aber zwang ihn eine Lebensmittel-Allergie dazu, seine Schürze an den Nagel zu hängen. Er machte sein Abitur, studierte Wirtschaft und Informatik. Heute ist er Angestellter bei einer Versicherung, seine Kochleidenschaft lebt er als Betreiber eines Partyservice weiter aus, er war etwa bei der BMW-Open der Caterer.

Für den Quiche-Belag schneidet er eine Zwiebel in kleine Würfel und 200 Gramm Schinken ("Speck wäre besser") in Streifen und schwitzt beides mit Butter an. Den gestückelten Scheibenkäse ("normal nehm' ich einen guten Bergkäse") dazu geben, dann eine Royal aus drei Eiern und 150 Gramm Sahne anrühren, mit Chilischoten oder Cayenne-Pfeffer würzen und die Royal mit dem Schneebesen einrühren. Das Ganze kommt in die Form und wird in das Backrohr geschoben, bei 180 Grad Umluft für 40 Minuten. "Goldbraun muss sie sein und schwappeln darf sie nicht mehr", sagt der Koch und widmet sich dem zweiten Teil der Vorspeise.