Die Wahl zwischen Pleite und Aufgabe: Siemens zwingt einen Hotelier, die Übernachtungspreise für Mitarbeiter auf den neuen Mehrwertsteuersatz zu senken.
Die E-Mail von Siemens erreichte den Münchner Hotelbetreiber Gustav B. (Name geändert) am Dienstag, der Ton war unmissverständlich: Man erwarte "die Angabe eines um die Mehrwertsteuersenkung reduzierten Inklusivpreises." B. solle die Preisraten für von Siemens gebuchte Zimmer um zwölf Prozent senken - oder am "Hotelprogramm nicht mehr teilnehmen."
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Während die Mehrwertsteuersenkung den Hotels Spielraum für Investitionen verschaffen soll, bekommen Firmen wie Siemens bei der Abrechnung mit dem Finanzamt seit dem 1. Januar nicht mehr 19, sondern nur noch sieben Prozent zurückerstattet.
Bei Hotelbuchungen entstehen für Unternehmen also Mehrkosten, "es ist nicht ungewöhnlich, dass die Firmen diese oftmals von den Hotels wiederhaben wollen", weiß Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. Bei solchen Forderungen sollten die Hotels den Dialog mit den Unternehmen suchen. Dies solle "aber nicht mit der Pistole auf der Brust geschehen."
B. hat bis zum 20. Februar Zeit, um die neuen Konditionen von Siemens anzunehmen. In der E-Mail, die er erhielt, war kein Ansprechpartner genannt, seine Zu- oder Absage zu den veränderten Konditionen soll er auf einer Homepage im Internet angeben.
"Mir sind die Hände gebunden", resigniert Hotelier B., der anonym bleiben will, weil das Überleben seines Hotels von den Buchungen von Siemens abhängt. "Mit der Mehrwertsteuersenkung sollen doch die Hotels, nicht die Unternehmen gestärkt werden", findet er. "Ich kämpfe schon seit Jahren wirklich um jeden Gast."
Vor einem Jahr musste der Hotelier aufgrund der schwierigen finanziellen Situation einen Angestellten entlassen, "der ist jetzt arbeitslos." Durch die steuerliche Entlassung "hätte ich ihn vielleicht wieder einstellen können", meint B. "Gehe ich auf das Angebot von Siemens ein, muss ich jedoch über weitere Entlassungen nachdenken."
Wahl zwischen Aufgabe und Pleite
"Derzeit laufen entsprechende Nachverhandlungen zur Mehrwertsteuersenkung", äußert sich Lutz Ingo Stammnitz, Leiter vom Siemens Travelmanagment, in einer Stellungnahme. "Diese verursacht für Siemens erhebliche Mehrkosten."
Auf die Nachverhandlungen bekäme man aber überwiegend eine positive Resonanz. "Wenn das Hotel die Mehrwertsteuersenkung vollständig an uns weitergibt, hat es netto exakt den gleichen Betrag in der Kasse, wie er im Vorjahr für 2010 vereinbart wurde."
Geht B. auf die Siemens-Forderung ein, steht er finanziell tatsächlich genauso da wie vor einem Jahr. Jedoch wird die Entlastung seines Hotels durch den Staat durch die neuen Konditionen mit Siemens vereitelt.
Bis jetzt bucht Siemens die Hotelzimmer bei B. noch unter den Konditionen, die in einem Rahmenvertrag im Herbst 2009 vereinbart wurden. Ob B. danach auf das Angebot von Siemens eingeht, weiß er noch nicht. "Gebe ich der Forderung nach, werde ich bald vor dem Aus stehen", sagt B. "Tue ich es nicht, bin ich schon jetzt Pleite."
(SZ vom 12.02.2010)
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Die neueste Antwort
"Es sollten alle Unternehmer wie es Siemens tut auf Preisminderung um 12 % des Nettopreises (10,08% des Bruttopreises) bestehen und Privatleute die Hoteliers darauf ansprechen."
Nur wird das leider nicht viel nützen. In schlechten Zeiten bekommt man ein vergünstigtes Zimmer auch so und in guten Zeiten beißt man gel. auch als Stammkunde auf Granit. Z. B. wenn während einer Messe plötzlich das Doppelte verlangt wird.
Hotelpreise sind reine Marktpreise und beruhen nicht auf tatsächlichen Kosten. Man vergleiche nur mal touristische Pauschalangebote mit den im gleichen Hotel üblichen Normalpreisen.
Oder der Innenstadt-Altbauhoteleigentümer, dessen Gebäude längst abgeschrieben ist und ihm selbst gehört, verlangt bei vergleichbarer Ausstattung für die Zimmer genauso viel, wie sein Nachbar, der sein Hotel nur gepachtet hat und Monat für Monat erst einmal die Pacht erwirtschaften muss, bevor er an Deckung sonstiger Kosten, geschweige denn Gewinn denken darf.
Siemens kämpft doch gar nicht um die Preise, die auf der allgemein zugänglichen Homepage des Hotels stehen sollen, sondern um die mit Siemens vereinbarten Konditionen. Dass diese vermutlich im Jahresschnitt deutlich niedriger sein dürften, als die Preise, dann von Privatpersonen oder Familien verlangt werden, dürfte klar sein. Dafür sichert die Teilnahme auf der Siemens-Hotelliste dem Hotelier eine gewisse Grundauslastung, die er braucht, um z. B. nicht allein auf das touristische Saisongeschäft oder auf Messezeiten angewiesen zu sein.
Insofern kann es gut sein, dass er das angebl. Minus, das er mit Siemens macht, auf die sonstigen Preise aufschlägt. Dieser muss er dann aber erst im Markt durch bringen.
Jeder mit grundlegenden kaufmännischen Kenntnissen weiß, was es mit dem Vorsteuerabzug auf sich hat.
Die FDP und die Hoteliers, die über die Steuersenkung gejubelt haben, wussten das wohl nicht. So viel Blödheit gehört halt bestraft. Warum sollte denn Siemens nun plötzlich einen höheren Zimmerpreis bezahlen? Das habe ich nicht verstanden.
Dafür dürfen die Hoteliers nun ihren Geschäftskunden das Frühstück in der Rechnung immer gesondert ausweisen - mit 19% USt.
Noch was: Die Autorin des Artikels scheint mit dem Begriff "Vorstauer" wohl auch nicht viel anfangen zu können.
Sollte mit der MWSt Senkung nicht die Umsätze im Hotelgewerbe gesichert werden, welche Aufgrund der "Krise" zurückgegangen sind.
Stattdessen nutzen die Hoteliers sie Senkung, um sich die Tasche voll zu stopfen. Dem Reinigungspersonal über Subunternehmen Hungerlöhne zahlen und den "Gästen" die Preise um 12% erhöhen. Hätten 3% mit einer Senkung der Endpreise um 9% nicht auch gereicht?
Klar, das Siemens als großes Unternehmen als der "böse Junge" gilt, der den armen kleinen Hotelier erpresst. Aber dieser "arme kleine" Hotelier interessiert es nicht, wenn sich eine Familie den Aufenthalt in seinem Hotel nicht mehr leisten kann - aufgrund der Krise -.
Daher braucht es großen Unternehmen, die den "arme kleine" Hoteliers zeigt, daß sie nicht alles machen können.
Das er auf der Homepage die Preise senken soll hat den Effekt, daß jeder davon profitiert. Auch der "normale" Gast.
War es nicht von der Regierung so geplant, vor allem von der CSU, daß durch Senkung deS MwSt-Satzes die Hotelbetriebe konkurrenzfähiger gegnüber dem Ausland werden sollten, da ja dort auch eine niedrigere MwSt wäre (Österreich, Frankreich).
Nun stellt sich heraus, die Hotelbetriebe geben die Senkung ja nicht weiter, sondern nehmen dieses Geld und machen damit was sie wollen, wohlgemerkt was die Hotelbetriebe wollen. Die einen in den Sparstrumpf, die anderen in die Renovierung.
Nun kommt der erste an, der deutlich macht, meine Kosten sind ja dadurch gestiegen und zwar um ca. 12%.
Und das ist gut so. Damit wird doch nochmehr deutlich, welche Versager dort in Berlin tätig sind.
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