Sicherheitskonferenz in München Einsatz für die Mächtigen

400 Gäste, 4000 Gegner, 3000 Polizisten: Die Sicherheitskonferenz in München steht wieder an.

(Foto: dpa)

3000 Polizisten sind jedes Jahr bei der Sicherheitskonferenz im Einsatz. Zwar nimmt die Gewaltbereitschaft der Gegendemonstranten ab - doch dafür müssen immer mehr hochrangige Staatsgäste geschützt werden. Auch wenn diese zu einem spontanen Ausflug aufbrechen.

Von Florian Fuchs

Der US-Vizepräsident Joe Biden besucht am Sonntag gerne den Gottesdienst. Als er vor Jahren bei der Sicherheitskonferenz in München weilte, überraschte er die Polizei deshalb an einem Samstagabend mit dem Wunsch, am nächsten Morgen in die Kirche gehen zu wollen. Seit dem Papstbesuch in München hat die Polizei einen kurzen Draht zum Ordinariat, so war schnell herausgefunden, dass die Heilig-Geist-Kirche einen englischen Gottesdienst anbietet.

Noch am Abend organisierte Polizeivizepräsident Robert Kopp mit seinem Team den sicheren Transfer des US-Vizepräsidenten zur Kirche und zurück. Solche "kurzfristigen Wünsche der Politiker kommen immer mal vor", sagt Kopp, "aber damit können wir umgehen."

Staatsgäste, hochrangige Politiker, Diplomaten und Wirtschaftsvertreter - die Sicherheitskonferenz ist all jährlich der personalintensivste Einsatz, den die Münchner Polizei zu bewältigen hat, noch vor dem Oktoberfest. Vom 1. bis 3. Februar findet die Veranstaltung im Bayerischen Hof dieses Jahr statt, die Vorbereitungen der Polizei laufen bereits seit September. Der Aufwand, den das Planungsteam des Polizeipräsidiums leistet, ist ziemlich hoch. Die Gewaltbereitschaft bei den Protesten gehe zwar zurück, "dafür wird unser Einsatz komplexer, weil immer mehr und immer hochrangigere Gäste kommen", sagt Kopp, der den Einsatz zum sechsten Mal leiten wird.

Etwa zehn Mitarbeiter bilden die Planungsgruppe, die sich mit der Sicherheitskonferenz beschäftigt. Zunächst wird der Programmablauf besprochen, dann geht es an die Details. Die Polizei richtet eine Stelle ein, die alle sicherheitsrelevanten Informationen sammelt. "Das muss gar nicht über Terrorismus sein, wo dieses Jahr übrigens nach unseren Erkenntnissen keine Gefahr droht", sagt Kopp.

Die Polizisten bereiten sich auch auf den Mann vor, der vielleicht mal ein Ei auf einen Politiker geworfen hat - sofern dieser zur Siko nach München fahren will. Von den Erkenntnissen aus der Aufklärung hängt dann auch die Anzahl der Einsatzkräfte ab, die eingesetzt werden sollen. "Wir werden wohl wieder rund 3000 Polizisten haben dieses Jahr", sagt Kopp.

Auch die Absprache mit den Sicherheitsleuten der Gäste ist aufwendig: Vergangenes Jahr musste die Polizei 382 Personenschützer für 113 sogenannte Schutzpersonen, also hochrangige Politiker, koordinieren. Es gab 186 Begleitschutzfahrten, etwa vom Flughafen in die Innenstadt, und besondere Sicherheitsmaßnahmen in fünf Hotels.

57 Seiten plus Anlagen hatte am Ende der Einsatzbefehl des Polizeipräsidiums, in dem die Strategie für die Sicherheitskonferenz vorgegeben ist. Noch umfangreicher ist die Planung zuvor, bei der exakt festgelegt wird, welche Einheit bis zu welchem Punkt für welchen Politiker verantwortlich ist. So werden etwa die Fahrtrouten plus Ausweichstrecken für die Politiker vor der Konferenz von Beamten abgefahren, um mögliche Gefahrenstellen wie Baustellen zu erkennen.

"Eine gute Planung ist der halbe Einsatz", sagt Kopp. Denn dann kann man auch kurzfristig auf Politikerwünsche reagieren. Donald Rumsfeld etwa wollte einmal Squash spielen, die Polizei sicherte die Anfahrt und den Court. Und Hillary Clinton wollte morgens zum Bayerischen Hof spazieren.

Robert Kopp ging neben ihr um 8 Uhr morgens durch die menschenleere Stadt. Biden und Clinton scheint es immer wieder zu gefallen in München: Die US-Politiker, erzählt Kopp, bedanken sich bei jedem Besuch wieder persönlich bei den Beamten für deren Einsatz.