Sicherheit im Verkehr Polizei will Radfahrer besser schützen

Mehr Kontrollen, neue Schilder und "rote Karten": Um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen, wollen Polizei und Kreisverwaltungsreferat ab sofort enger zusammenarbeiten - und härter durchgreifen.

Von Marco Völklein

Polizei und Kreisverwaltungsreferat (KVR) reagieren auf die gestiegene Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern: Sie wollen enger zusammenarbeiten und härter durchgreifen. So wird das Polizeipräsidium im Frühjahr und im Sommer zwei jeweils dreiwöchige Schwerpunktaktionen starten, bei denen Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer verstärkt kontrolliert werden sollen.

Zusammen mit den städtischen Verkehrsüberwachern sollen die Beamten gegen Autofahrer vorgehen, die Radwege zuparken oder durch Tempo-30-Zonen rasen, kündigt Polizei-Vizepräsident Robert Kopp an. Auch Radler, die in die falsche Richtung auf dem Radweg unterwegs sind oder rote Ampeln missachten, werden die Beamten im Visier haben.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Radler in München auf 2225 geklettert - "das ist der höchste Wert seit zehn Jahren", so Kopp. Fast jeder zweite Schwerverletzte war ein Radfahrer. Im ersten Quartal 2012 setzte sich dieser Trend fort: Die Unfallzahlen lagen auch hier über denen des Vorjahreszeitraums - gerade in den ersten sonnigen Wochen im Januar und Februar seien viele Münchner aufs Rad gestiegen. Und weil mehr Radler unterwegs sind, seien auch die Unfall- und Verletztenzahlen gestiegen, betont KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen stieg von zehn Prozent im Jahr 2002 auf mittlerweile 17 Prozent.

Ihre erste dreiwöchige Schwerpunktaktion plant die Polizei vom 7. Mai an. Dabei wollen die Beamten überwiegend das Verhalten der Autofahrer genauer beobachten - und zum Beispiel das Zuparken von Radwegen oder das unachtsame Öffnen von Autotüren ahnden. Damit sollen "die Rahmenbedingungen für Radfahrer verbessert werden", sagt Kopp. Die zweite Aktion mit dem Schwerpunkt auf die Radler plant Kopp im Juli.

Dann sollen die Beamten etwa auf "Geisterradler" achten und Fahrradfahrer verwarnen oder bestrafen, die bei Rot über die Ampel sausen. Um Auto- wie Radfahrer aufzuklären, wird die Polizei "rote Karten" verteilen, auf denen die Bußgelder und Strafen für die häufigsten Verstöße aufgelistet sind. So kann das Radeln auf einem Gehweg bis zu 20 Euro kosten; 30 Euro werden fällig, wenn Autofahrer mit zu wenig Abstand an einem Radfahrer vorbeiziehen.

Das KVR will zudem mit neuen Schildern darauf hinweisen, dass in mittlerweile 39 Straßen die Benutzungspflicht des Radwegs aufgehoben wurde. Dort steht es Radlern frei, sich auf der Fahrbahn parallel zu den Autos zu bewegen oder lieber den (meist schmalen und holprigen) Radweg zu benutzen. Viele Autofahrer kennen diese Neuregelung aber nicht - oft werden Radler beschimpft oder angehupt, die auf der Straße fahren. Nicht selten kommt es auch zu gefährlichen Situationen.

Die neuen Schilder will KVR-Chef Blume-Beyerle zunächst entlang der Goethestraße sowie der Ottobrunnerstraße in Ramersdorf aufstellen. Bis in den Sommer hinein könnten bis zu zehn weitere Straßen folgen, so das KVR.

Die Polizei hat an den Straßen, an denen die Pflicht zur Benutzung des Radweges aufgehoben wurde, bislang keine auffällige Steigerung der Unfallzahlen registriert - und das, obwohl "wir in einigen Fällen skeptisch waren und unser Veto eingelegt hatten", so Kopp. Ähnlich verhält es sich bei der Öffnung von Einbahnstraßen für Radler.

Derzeit können in 40 Prozent aller Münchner Einbahnstraßen die Radler gegen die Einbahnrichtung rollen. Blume-Beyerle peilt in den nächsten Jahren einen Ausbau auf 50 Prozent an. "Die Sorge, dass Auto- und Radfahrer hier permanent zusammenstoßen, war überzogen", sagt der KVR-Chef.