Sicherheit bei Derbys Stadt steckt 2,5 Millionen ins Sechzgerstadion

Zuletzt zeigten sich die Sicherheitsmängel des Stadions beim kleinen Derby im August.

(Foto: Claus Schunk)

Dreiste Ultras, chaotische Kontrollen und beinahe eine Massenpanik: Beim jüngsten Regionalliga-Derby zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern gab es bedrohliches Gedränge und Gewaltszenen. Nun greift die Stadt ein - drei Maßnahmen sollen das Grünwalder Stadion sicherer machen.

Von Andreas Glas

Wer gehässig ist, behauptet jetzt, dass die Stadt das Grünwalder Stadion für die Rückkehr der Löwen-Profis fit macht. Die Vorstellung ist eben absurd, dass die kriselnden Sechzger im Fall eines Abstiegs ihr Drittliga-Heimspiel gegen die Sportgemeinschaft Sonnenhof-Großaspach in einer 70 000-Zuschauer-Arena austragen.

Doch in Wahrheit hat es nichts mit den Profis des TSV 1860 zu tun, dass die Stadt nun schon wieder eine Menge Geld in das baufällige Stadion in Giesing stecken will - sondern mit der zweiten Mannschaft der Sechzger und deren Rivalität mit der Zweiten des FC Bayern. Denn seit das für zehn Millionen Euro sanierte Stadion im Sommer 2013 wieder öffnete, gab es bei den Regionalliga-Derbys jedes Mal bedrohliches Gedränge und Gewaltszenen. Nach teils heftiger Kritik will die Stadt nun ihr Sicherheitskonzept korrigieren - für weitere 2,5 Millionen Euro.

Auf der To-do-Liste, die der Stadtrat an diesem Mittwoch wohl beschließen wird, stehen drei Maßnahmen: mehr Personenschleusen, höhere Zäune und eine neue Sicherheitszentrale. Die Zentrale hatte die Polizei bereits vor fünf Jahren gefordert, als das Konzept der inzwischen abgeschlossenen Sanierung beschlossen wurde. Die Stadt hielt den Vorschlag damals aber für überflüssig und verzichtete darauf.

Dieses Versäumnis soll jetzt nachgeholt werden, und zwar in Form eines Containers auf dem Dach des Kassengebäudes an der Nordostseite des Stadions. Von dort aus sollen Polizei, Feuerwehr und Stadionsprecher - gebündelt an einen Ort - ihre Sicherheitstaktik steuern. Durch eine bessere Kommunikation zwischen den Einsatzkräften will man also verhindern, was zuletzt nicht verhindert werden konnte: Feuerwerkskörper im Stadion, Schlägereien, Gequetsche an den Einlässen.

An der Massenpanik vorbeigeschrammt

Wie wichtig die Maßnahmen sind, zeigt der Polizeibericht des jüngsten Derbys im August. Darin heißt es, Ultras hätten versucht, die Absperrungen zu überspringen, um unerlaubte Gegenstände ins Stadion zu schmuggeln. Außerdem hatten Fan-Vertreter kritisiert, dass am Eingang an der Westkurve nur zwei Eingänge geöffnet waren, die Einlasskontrollen deshalb langsam und chaotisch verliefen - und beinahe eine Massenpanik ausgebrochen wäre.

Damit sich solche Zustände nicht wiederholen, sieht der geplante Stadtratsbeschluss vor, bis zu 37 sogenannte Vereinzelungsanlagen an den Einlasstoren der Nord- und Westtribüne zu installieren. Dieses Schleusensystem öffnet sich immer nur für eine Person, sodass jeder Fan einzeln auf Waffen, Wurfgegenstände oder Feuerwerkskörper kontrolliert werden kann. Bislang waren nur wenige mobile Vereinzelungsanlagen im Einsatz. Die Zäune rund ums Stadion sollen auf drei Meter erhöht werden.

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"Man muss sehen, ob es sich lohnt, für zwei Spiele so ein Brimborium zu machen", sagt Markus Drees. Damit spielt der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Sechzgerstadions darauf an, dass zwar zu den Derbys zuletzt mehr als 10 000 Zuschauer kamen, sich zu den übrigen Heimspielen von Löwen und Bayern aber meist nur ein paar hundert Fans im Stadion verlaufen.

Auf die Frage, warum sich die Stadt nicht während der Sanierung um ein anständiges Sicherheitskonzept gekümmert hat, sagt ein Sprecher des Sportreferats: "Das Fan-Verhalten hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert, deswegen haben wir damals nicht damit gerechnet, dass nachgebessert werden muss." Das soll nun geschehen, bis zum Herbst 2015 will die Stadt damit fertig sein.

Bis dahin soll der Spielbetrieb ganz normal weitergehen.