Von Torsten Landsberg

In einer Münchner Heilpädagogischen Tagesstätte soll ein 13-Jähriger mehrere Jungen vergewaltigt haben. Waren die Betreuer machtlos?

In einer Heilpädagogischen Tagesstätte soll es bis Juli 2006 regelmäßig zu sexuellen Übergriffen unter betreuten Jungen gekommen sein. Der Fall hat offenbar ein beispielloses Ausmaß: Mehrere der 16 Kinder sollen mehrmals vergewaltigt worden sein. Das Haus wurde im August 2006 geschlossen. Nun üben Eltern Kritik an Behörden, weil sie nicht über das Ausmaß der Vorfälle informiert worden seien.

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(© Foto: ddp)

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Die sexuellen Übergriffe in dieser Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT), die nur von Buben besucht wurde und in einem sozial schwachen Münchner Viertel lag, sollen 2004 begonnen haben. Unterlagen zufolge, die der SZ vorliegen, wurden sie behördenintern bekannt, als die Eltern eines Jungen Anfang Juli 2006 einen zuständigen Betreuer der HPT und einen beschuldigten Jugendlichen mit den Vorwürfen konfrontierten.

Nachdem die Mutter beim Waschen ihres damals achtjährigen Sohnes körperliche Auffälligkeiten bemerkte, vertraute sich der Bub seinen Eltern an und berichtete vom Missbrauch. Der damals 13-jährige Beschuldigte gestand daraufhin, bereits seit zwei Jahren im sogenannten Tobe-Raum der Tagesstätte sexuelle Handlungen an mehreren Jungen vorgenommen zu haben.

Am 21. Juli 2006 trafen sich Vertreter der HPT, des Trägervereins, der zuständigen Sozialbürgerhäuser und der Schule, die der Täter und zwei betroffene Kinder besuchten, zu einer Helferkonferenz. Dabei wurde bekannt, dass der beschuldigte Junge in der Schule bereits wegen seines aggressiven und depressiven Verhaltens aufgefallen sei. In der HPT sollen diese Veränderungen dagegen nicht bemerkt worden sein. Die Tagesstätte hatte zuvor jedoch mehrfach dokumentiert, dass sich der Junge "auffällig oft in den Hosentaschen manipuliert" hatte.

Alle 16 in der besagten Zeit betreuten Jungen sollen nach einer HPT-internen Dokumentation von den Vorfällen direkt oder indirekt gewusst haben. Wie viele unmittelbar betroffen waren, ist unklar. Einige Jungen sollen selbst an Übergriffen beteiligt gewesen sein, indem sie Opfer festhielten. "Es ist ein bekanntes Muster, dass sich Opfer selbst in eine Machtposition bringen, um nicht länger Opfer zu bleiben", erklärt Gerd-Rüdiger May, Sozialpädagoge der Evangelischen Jugendhilfe.

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