Sexuelle Belästigung im Michaelibad Was die Bäder gegen zudringliche Gäste tun

  • Im Münchner Michaelibad kam es erneut zu sexuellen Übergriffen von Flüchtlingen.
  • Die Polizei sieht keinen Anstieg der Vorfälle - außerdem seien gleichermaßen Deutsche und Ausländer beteiligt.
  • Die städtischen Bäder schulen ihre Mitarbeiter interkulturell und versuchen mit Baderegeln präventiv vorzugehen.
Von Martin Bernstein und Inga Rahmsdorf

Zwei 14-jährige Austauschschülerinnen aus Frankreich sind am Mittwochabend im Michaelibad Opfer von sexuellen Übergriffen geworden. Drei junge Männer berührten die Mädchen an Brüsten und Oberschenkeln und versuchten offenbar auch, ihnen die Bikinihose herunterzuziehen. Die Mädchen wandten sich an den Bademeister, der rief die Polizei.

Bei den Tätern handelt es sich laut Polizei um drei 23, 21 und 16 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan, die in verschiedenen Unterkünften wohnen. Anfang Januar hatte es einen ähnlichen Vorfall, ebenfalls im Michaelibad, gegeben: Drei 15-jährige Flüchtlinge aus Syrien begrapschten eine 14- und eine 17-Jährige. Einer von ihnen griff der Älteren in die Bikinihose. Die Bädermitarbeiter verständigten die Polizei und die drei erhielten eine Anzeige.

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Die CSU-Stadtratsfraktion erkundigte sich anschließend in einer Anfrage, wie man solche Übergriffe künftig verhindern könne. Die nordrhein-westfälische Stadt Bornheim hatte männlichen Flüchtlingen im Januar vorübergehend den Zugang zu Bädern verboten. In einer Kommune in Rheinland-Pfalz müssen Flüchtlinge Regeln unterschreiben, bevor sie eingelassen werden.

Was die Polizei dazu sagt

Wie ist die Stimmung in Münchner Bädern? Haben Übergriffe und Pöbeleien zugenommen, seit die Zahl der Flüchtlinge gestiegen ist? Oder besteht die Gefahr, dass nun jeder Einzelfall zu einer Projektionsfläche von Angst und Hysterie wird und Flüchtlinge unter Generalverdacht gestellt werden? Die Polizei habe keine Zunahme von Sexualdelikten oder Beleidigungen in Münchner Bädern festgestellt, sagt Polizeioberkommissar Markus Ellmeier. Vergleicht man die Zahlen der vergangenen drei Jahre, haben sie sich kaum verändert. 2013 hat die Polizei in den Bädern in Stadt und Landkreis München insgesamt 19 Sexualdelikte registriert.

2014 waren es zwölf, und im vergangenen Jahr wieder etwa 19 (die genaue Statistik wird erst im Mai erstellt). Auch die Zahl der Beleidigungen auf sexueller Grundlage lag 2015 mit 13 Fällen ebenso hoch wie im Vorjahr. In allen drei Jahren wurde jeweils etwa die Hälfte der Übergriffe von Ausländern begangen, die andere Hälfte von Deutschen.

Auch bei den Münchner Stadtwerken (SWM), die 18 Schwimmbäder betreiben, sieht man keinen Grund zur Besorgnis. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen und Monaten keine Zunahme von Pöbeleien oder Übergriffen beobachtet, so Bäderchefin Christine Kugler.

Wie die städtischen Bäder damit umgehen

Jeder Einzelfall sei schlimm, aber glücklicherweise sei die Zahl der Vorfälle angesichts von vier Millionen Badegästen im Jahr doch relativ gering. "Unsere Mitarbeiter werden außerdem regelmäßig geschult und bei Auffälligkeiten greifen sie sofort und beherzt ein." Die Sicherheit und der Schutz der Badegäste stehe im Vordergrund.

"Bäder sind ein Abbild der Gesellschaft. Zu uns kommt ein Querschnitt der Bevölkerung", sagt die Bäderchefin. Viele der Gäste seien Ausländer oder Migranten. "Und die überwiegende Mehrheit verhält sich tadellos." Wenn sich die Gesellschaft verändere, müsse man natürlich auch schauen, wie man darauf reagiere. Das hätten die Münchner Bäder aber schon früh gemacht. Die Mitarbeiter werden schon seit Langem interkulturell geschult, schließlich ist München die Großstadt mit einem der höchsten Ausländeranteile in Deutschland.

Ihr Team sei auch sehr multikulturell, mit Mitarbeitern aus vielen Nationen. "Zudem müssen wir auch nach jedem Vorfall schauen, wie wir künftig noch wachsamer sein können, die Außenwarmbecken noch stärker beobachten und punktuell auch die Aufsichten stärken", sagt Kugler. Solche Vorfälle habe es aber leider immer schon gegeben, begangen von Deutschen wie von Ausländern. "Es besteht kein Anlass, aus singulären Ereignissen nun Angstszenarien zu entwickeln."

Flyer und Plakate mit Baderegeln

Um Übergriffe zu verhindern, setzen die SWM auch auf Prävention. Sie haben bereits vor drei Jahren Flyer und Plakate mit den Baderegeln erstellt. Die seien keine spezifischen Anweisungen für Flüchtlinge, sondern eine Grundlage für alle Gäste. Entstanden ist die Idee mit den Baderegeln eigentlich, weil es immer häufiger vorkam, dass Badegäste ins tiefe Wasser sprangen, ohne schwimmen zu können. Da unter den Nichtschwimmern häufig Ausländer waren, die wenig oder kein Deutsch sprachen, gibt es die Infoblätter in sieben Sprachen.

Und die Baderegeln kommen gut an. Nicht nur bei den Besuchern der SWM-Bäder, an die schon 20 000 Flyer verteilt worden sind, sondern deutschlandweit. Seit Jahresbeginn hätten sie bereits mehr als 50 Anfragen von anderen Kommunen erhalten.

Geplant sei nun auch, noch stärker Flyer in Flüchtlingsunterkünften zu verteilen. Viele Flüchtlinge betreten in Deutschland schließlich zum ersten Mal ein Schwimmbad. Einer bestimmten Gruppe von Menschen den Zugang zu den Bädern zu verweigern, lehnen die Stadtwerke aber ab. "Bei uns ist jeder willkommen, der sich an die Baderegeln hält", sagt Kugler.