Serie: Frühlingsboten, Folge 8 Alle Linien sind gezogen

In München hat die Tennissaison begonnen. Der Eröffnung ist viel Arbeit vorausgegangen. In Ramersdorf hat der Betreiber Hannes Schmidt seine zwölf Spielfelder abgezogen und mit neuem Belag versehen

Von CHRISTINA REBHAHN-ROITHER

Die Sonnenschirme stehen bereit, die weißen Linien sind auf dem ziegelroten Untergrund nachgezogen. Tennisschuhe reihen sich auf der Terrasse der Vereinshauses aneinander und alle paar Minuten erkundigen sich Leute im Sportoutfit nach ihrem zugewiesenen Platz. Am Tennisplatz Ramersdorf hat die neue Saison begonnen, seit Karfreitag fliegen hier wieder Bälle durch die Luft. Beim Bayerischen Tennis-Verband im Kreis München sind derzeit insgesamt 671 Tennisplätze registriert, verteilt auf insgesamt 88 Anlagen.

Auf dem Tennisplatz Ramersdorf hat die Saison begonnen. Der Verein vermittelt auch Spielpartner.

(Foto: Florian Peljak)

"Das ist Arbeit ohne Ende. Da komme ich körperlich an meine Höchstleistung", ist die Reaktion auf die Frage nach den Dingen, die im Frühjahr am Tennisplatz anstehen. Für den Anlagenbetreiber Hannes Schmidt hat das neue Tennisjahr schon früher begonnen. Jeder Platz, von denen es in der Anlage zwölf gibt, muss abgezogen und mit neuem Material frühlingstauglich gemacht werden. Dazu werden, sobald das Wetter es zulässt, zunächst Laub und umgeknickte Bäume entfernt, die sich seit dem vergangenen November angesammelt haben. Letzte Reste davon lagern aktuell noch auf einem großen Anhänger neben der Anlage. Zusätzlich fallen Reparaturarbeiten an, zum Beispiel wenn Tennisnetze ausgebessert werden müssen.

Hannes Schmidt, Geschäftsführer des Tennisparks Ramersdorf, spielt auch selbst gerne Tennis, doch im Sommer hat er dafür keine Zeit.

(Foto: Florian Peljak)

Die schweißtreibende Arbeit beginnt aber erst jetzt. Mit einem Scharriergerät, einer Art Besen, der statt Borsten eine Metallkante hat, werden ein bis zwei Zentimeter Altmaterial vom Tennisplatz abgetragen. Ungefähr 20 Tonnen werden so insgesamt per Handarbeit weggeschafft. Nachdem Unebenheiten ausgeglichen wurden, kommt dieselbe Menge an frischem Ziegelmehl wieder auf den Platz und wird mit einer Walze platt gedrückt. Danach werden noch die Linien neu gezogen, Bänke und Sonnenschirme positioniert. Insgesamt arbeiten vier Leute etwa zwei Wochen daran, dass die zwölf Tennisplätze wieder bespielt werden können. "Die sind alle fix und fertig danach. Aber es entsteht ja etwas Neues, deswegen ist das eine wunderschöne Sache", sagt Schmidt.

671 Tennisplätze

sind beim Bayerischen Tennis-Verband für den Kreis München registriert. Verteilt sind sie auf 88 Anlagen. Den Vereinen in der Stadt gehörten im vergangenen Jahr insgesamt etwa 20 000 Mitglieder an. Die zwei Tennisvereine mit dem höchsten Mitgliederzuwachs in ganz Bayern kommen beide aus München: der Münchner Tennis- und Turnierclub (MTTC) Iphitos und der Tennisclub (TC) Blutenburg München.

Und die Arbeit hat sich tatsächlich gelohnt. Dadurch dass Schmidt die Anlage selbst bearbeitet und keine Firma beauftragt, ist er auch in der Planung flexibler und kann eröffnen, sobald das Wetter es zulässt. Schon in den ersten Apriltagen ist der Tennisplatz heuer gut besucht. Ein Kinderkurs findet statt und durch die Spielpartnervermittlung, die der Verein anbietet, sind auch viele vereinsunabhängige Spieler hier. Tennisinteressierte können sich einfach bei Schmidt melden, und er kümmert sich dann um einen passenden Sportpartner. Sogar ein Liebespaar könne der Tennisplatz vorweisen, so Schmidt: "Da bin ich ganz stolz drauf. Die haben sich hier auch durch die Spielpartnervermittlung gefunden, sind mittlerweile glücklich verheiratet und haben vier Kinder".

Schmidt wird von jedem Spieler herzlich begrüßt und nicht selten in einen kleinen Plausch verwickelt. Das freut den Tennisliebhaber, denn wenn ab Mitte November die Plätze geschlossen sind, wird es eher still in Ramersdorf. Um das Vereinsleben über den Winter zu erhalten, organisiert Schmidt eine Darts-Runde und eine Weihnachtsfeier, ganz spurlos gehen die tennisfreien Monate jedoch nicht vorüber. "Mein größtes Problem ist, wenn ich dann die Vornamen nicht mehr weiß, wenn die Leute wieder kommen", sagt Schmidt, dem der familiäre Charakter seiner Anlage sehr am Herzen liegt.

Trotz regen Betriebs gibt es einen Menschen, der nicht direkt zum Tennisschläger greift, sobald die Plätze wieder eröffnet sind: Schmidt selbst, denn der komme im Sommer fast gar nicht mehr dazu, selbst Tennis zu spielen, wie er erzählt. Obwohl ihm der Sport fehle, würde es ihn aber nicht stören. Es freue ihn, wenn neue Leute kommen, die er begrüßen und einweisen kann. Schmunzelnd fasst er zusammen: "Ich hab irgendwann mal gedacht, dass ich mein Hobby zum Beruf mache, aber das war ein Irrtum". Ganz so ist es dann doch nicht. Im Winter findet er doch manchmal Zeit zu spielen, dann allerdings in der Halle - bis es heißt den Tennisplatz wieder frühlingsfit zu machen.