Sendling-Westpark Unklare Luftqualität

Der Verkehr ist unten, die Abgase steigen nach oben: In Sendling-Westpark will man wissen, wie stark die Luft über dem Südwest-Tunnel belastet ist.

(Foto: Catherina Hess)

Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark ist verwundert, dass man zwei Jahre nach Eröffnung des Tunnels am Luise-Kiesselbach-Platz noch immer nicht erfährt, wie hoch jetzt die Schadstoffbelastung an der Oberfläche ist

Von Berthold Neff, Sendling-Westpark

Fast auf den Tag zwei Jahre ist es her, seit sich die Verkehrslawine des Mittleren Rings auf dem Gebiet von Sendling-Westpark durch den Untergrund wälzt. Am 27. und am 28. Juli 2015 wurde der 2,8 Kilometer lange Tunnel Südwest eröffnet. Bis heute aber gibt es noch keine Zahlen darüber, wie sich der Tunnelbau auf die Luftqualität an der Oberfläche ausgewirkt hat: ist sie heute weniger oder mehr mit Schadstoffen belastet?

Wer das wissen will, wird sich noch gedulden müssen, wie auch die Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Sendling-Westpark am Dienstagabend mit einigem Kopfschütteln zur Kenntnis nahmen. Erst in einem weiteren Jahr, voraussichtlich im Mai oder Juni 2018, werden die Ergebnisse der Messungen vorliegen - obwohl sie schon seit dem 1. Januar dieses Jahres laufen. Das Referat für Umwelt und Gesundheit, das in Zusammenarbeit mit dem Baureferat die Messungen in Auftrag gegeben hat, begründet die Verzögerung damit, dass die Zwischenergebnisse erst eine Qualitätssicherung durchlaufen müssten. Diese umfasse auch "den Vergleich der erfassten Messwerte mit denen an der Vergleichsstation Stachus des Lufthygienischen Landesüberwachungssystems Bayern, die als Referenzmessstelle dient".

Es sei ohnehin nicht möglich, die Zwischenergebnisse einzelner Monate mit Blick auf die Grenzwerte zu bewerten. Der für eine solche Beurteilung relevante Zeitraum umfasse nämlich ein vollständiges Jahr. Außerdem müsse man bei der Bewertung der Messergebnisse berücksichtigen, dass die derzeit noch laufenden Bauarbeiten an der Oberfläche eine zusätzliche Feinstaubbelastung zur Folge haben könnten. Dass entlang der Tunnelstrecke an der Oberfläche Messungen der Luftschadstoffe erfolgen müssen, wurde bereits im Planfeststellungsbeschluss für die Röhre festgelegt. Nach einem Vergabeverfahren entschied die Stadtverwaltung, damit die Firma InfraServ aus Burgkirchen zu beauftragen. Diese misst seit dem 1. Januar 2017 die Immissionskonzentration an acht Messpunkten im Bereich des Luise-Kiesselbach-Tunnels und des Heckenstallertunnels. Gemessen wird an der Heiterwanger Straße 66, an der nördlichen Preßburger Straße, an der Garmischer Straße 250 und 241, am Luise-Kiesselbach-Platz, an der Einhornallee (östlich der Elmauer Straße) sowie an drei Punkten der Heckenstallerstraße (nahe den Hausnummern 161 und 147, östlich der Friedrich-Hebbel-Straße sowie östlich der Passauerstraße). Ermittelt werden die Werte für Stickstoffdioxid (NO₂), das vor allem von Dieselmotoren ausgestoßen wird, sowie von Feinstaub (PM₁₀). Stickstoffdioxid wird mit Diffusionsröhrchen gemessen, die Werte für Feinstaub werden über Membranfilter ermittelt.

So richtig zufrieden waren die BA-Mitglieder mit diesen technischen Details nicht. "Wir werden wieder einmal nur vertröstet", kritisierte SPD-Fraktionssprecher Walter Sturm. "Die Situation ist komplex", sagte der CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel. Auf Anregung von BA-Chef Günter Keller (SPD) wurde beschlossen, zur nächsten Sitzung einen Experten vom Referat für Umwelt und Gesundheit einzuladen, der unter anderem darstellen solle, wie die punktuellen in die permanenten Messungen einzuordnen sind.

Jens Röver (SPD), der auch dem Stadtrat angehört, kritisierte das Vorgehen des Freistaats als "zögerlich". Er sei gespannt, ob die Regierung von Oberbayern, wie vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gefordert, am Donnerstag die straßengenaue Übersicht über die Luftbelastung durch Stickoxide in München vorlegen werde. Tags darauf, am gestrigen Mittwoch, erklärte Röver in einer Presseerklärung: "Die Staatsregierung hat angekündigt, dies nicht zu tun und vertröstet auf Mitte Juli." Röver kritisierte, "dass die CSU die Maßnahmen für Umweltschutz und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger so dickköpfig blockiert".