Sendling Kritik am Koloss

Von "Gigantonomie" bei den Neubauplänen für den Viehhof sprach in der Sitzung des Sendlinger Bezirksausschusses Grünen-Mitglied Robles-Salgado.

(Foto: Privat)

Sendlinger halten an der Großmarkthalle als optimalem Volkstheater-Standort fest

Von Birgit Lotze, Sendling

Die Stadtverwaltung steckt bereits mitten in der Vorplanung eines Neubaus für das Münchner Volkstheater auf dem Viehhof-Areal in der Isarvorstadt. Doch für die Nachbarn in Sendling ist der Kampf um das Volkstheater noch nicht vorbei. Die Mitglieder des Sendlinger Bezirksausschusses haben am Montagabend den Antrag, das Theater in der Halle 1 auf dem Großmarkt-Gelände unterzubringen, nochmals einstimmig bekräftigt. Die Halle 1, die unter Denkmalschutz steht, müsse so oder so saniert werden, und zwar sehr, sehr teuer, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Markus Lutz (SPD). "Mit dem Volkstheater wäre sie optimal genutzt."

Anlass für die Erneuerung des Antrags bietet den Sendlinger Bezirksausschuss-Mitgliedern die Verunsicherung in der Isarvorstadt wegen des laufenden städtischen Antrags auf Bauvorbescheid. Darin ist das Theater deutlich größer konzipiert, als vom Stadtrat vorgegeben. In der Isarvorstadt regt sich deshalb Missmut, es wächst die Befürchtung, ein Koloss solle sich auf dem zentralen Areal des Viertels niederlassen und Identitätsstiftendes verdrängen, ohne Rücksicht auf Wünsche der Bürger.

In Sendling herrscht dagegen Frust seit der Entscheidung des Stadtrats für den Viehhof als Standort für das Volkstheater. Es gibt noch keine Nachnutzung für die Großmarkthalle, nicht mal eine Idee. Das Großmarkt-Areal wird in den kommenden Jahren umgebaut, die Händler sollen in eine neue Halle einziehen.

Elisabeth Robles-Salgado (Grüne) sprach in der Sitzung des Bezirksausschusses von "Gigantomanie", welche die Stadt mit den Neubau-Plänen im Viehhof an den Tag lege. Sie regte unter dem Beifall der Bürger im Zuhörerraum an, doch einmal bei der Stadt nachzufragen, welche Gedanken sich diejenigen, die die Großmarkthalle als Theater-Standort ablehnen, zum Schicksal der Großmarkthalle machten. "Sollen da vielleicht Luxusapartments für die Allerreichsten rein, die die dann zum Übernachten während des Oktoberfests nutzen?" SPD-Fraktionschef Ernst Dill sagte, man müsse der Stadt deutlich machen, dass die Halle 1 für das Volkstheater auch lediglich als Entrée dienen könne. Schließlich stünden die mit ihr verbundenen Hallen 2 bis 4 ebenso zur Verfügung. "Die Halle 1 reicht ja hinten und vorne nicht."

Laut Markthallen-Chef Boris Schwartz, der ebenfalls in der Sitzung anwesend war, bieten die vier Hallen oberirdisch 10 000 Quadratmeter Platz. Die Keller seien noch weit größer. Allerdings gebe es dort erhebliche, nur sehr teuer zu lösende statische Probleme, die Sanierung würde sehr teuer. Laut dem Antrag auf Bauvoranfrage soll das Theater nicht nur zwei, wie vorgesehen, sondern drei Bühnen bekommen. Außerdem ist in dem Antrag eine höhere Quadratmeterzahl gemeldet als der Stadtrat genehmigt hat: 9300 statt 5200.

Das Kulturreferat beteuert zwar, dies sei nicht die letztlich angestrebte Grundstücksgröße, man wolle auf diese Weise lediglich das maximal mögliche Baurecht ausloten. Im Schlachthofviertel kommt das nichtsdestotrotz schlecht an, zumal die Stadt auch schon angefragt hat, ob nicht Gebäude im Viehhof abgerissen werden können.