Sendling Klangvolle Namen planen die Gasteig-Interimsphilharmonie

Die Doppelhalle soll das Herzstück des künftigen Kulturstandortes an der Isar bilden. Im denkmalgeschützten Teil werden die Garderoben, die Bars und das Foyer des Konzertsaals unterkommen.

(Foto: Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner)
  • Das Architekturbüro "Gerkan, Marg und Partner" (GMP) und den Akustiker Yasuhisa Toyota, beide international erfahren und anerkannt, hat die Stadt als Planer ausgewählt.
  • Im öffentlichen Vergabeverfahren haben sich zwölf weitere Büros beworben.
  • Der Neubau mit 1800 Sitzplätzen soll, weil billiger, aus marktüblichen Modulen erstellt werden, aus einem "außen liegenden Stahltragwerk".
Von Susanne Hermanski

Die Namen haben schon einmal einen guten Klang: Als Planer für die Interimsphilharmonie des Gasteig in Sendling haben die Entscheider der Stadt das Architekturbüro "Gerkan, Marg und Partner" (GMP) und den Akustiker Yasuhisa Toyota ausgewählt, beide international erfahren und anerkannt. GMP hat jüngst mit dem Umbau und der Sanierung des Kulturpalastes Dresden, einschließlich des Neubaus eines Konzertsaales im Kern des Bestandsgebäudes, begeisterte Kritiken erhalten. Das Büro hat aber auch schon komplett neue Opernhäuser in China errichtet. Yasuhisa Toyota gehört seit Jahren zu den renommiertesten Akustikern weltweit, hat die Elbphilharmonie gestaltet und gilt als Favorit der Münchner Philharmoniker.

Max Wagner, Chef des Gasteig, nennt GMP und Toyota ein "Dream-Team". Wie harmonisch das Zusammenspiel aller Kräfte wirklich sein wird, könnte bereits Ende 2020 zu hören sein, so will es der ambitionierte Plan. Dann soll die Interimsphilharmonie fertig sein und nebst dem gesamten Gasteig mit all seinen Institutionen auf dem Gelände der Stadtwerke an der Hans-Preißinger-Straße unterkommen. Das Kulturzentrum an der Rosenheimer Straße muss dringend generalsaniert werden.

Für die Entscheidung seitens der Stadt, welches Architekturbüro den Zuschlag erhalten soll, gab es drei Kriterien: Zeit, Geld und Erfahrung. Wer würde es realistischerweise schaffen, weniger als zwei Jahre von Planung bis Schlüsselübergabe zu benötigen? Wessen Konzept würde innerhalb des Rahmens von 30 Millionen Euro für die Baukosten bleiben? Und wer verfügt bereits über vergleichbare Referenzen im Bereich Kulturbauten? Neben GMP hatten sich im öffentlichen Vergabeverfahren dafür immerhin zwölf weitere Büros beworben. Um den Auftrag, die Akustik zu gestalten, waren neben Toyota noch sechs Mitbewerber im Rennen.

GMP folgt der Idee, den temporären Konzertsaal an die vorhandene denkmalgeschützte Trafohalle anzudocken. Trotzdem unterscheidet sich der Anbau im ersten Entwurf deutlich vom historischen Teil. Der Neubau mit 1800 Sitzplätzen soll, weil billiger, aus marktüblichen Modulen erstellt werden, aus einem "außen liegenden Stahltragwerk". In diesem könnte der hölzerne Konzertraum dann aufgehängt werden - oder auch hineingestellt werden. Dieser Holzsaal im Inneren soll aus einem Stecksystem mit Vollholzelementen entstehen. Ob die quaderhafte Konzerthalle und die Trafohalle mit ihrem typischen Satteldach dann noch als "Zwillingsbauten" durchgehen wie bisher gedacht, wird sich zeigen.

Im Querschnitt: der Konzertsaal der Interimsphilharmonie soll bereits in zwei Jahren einsatzfähig sein. Yasuhisa Toyota sorgt für die Akustik, das Architekturbüro "Gerkan, Marg und Partner" übernimmt die Planung.

(Foto: Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner)

Fest steht aber, die Doppelhalle soll das Herzstück des künftigen Kulturstandortes bilden. Im denkmalgeschützten Teil werden die Garderoben, die Bars und das Foyer des Konzertsaals unterkommen. Darüber hinaus soll die umgebaute Trafohalle zentrales Forum für alle Gasteig-Besucher auf dem Gelände sein. "Sie soll ein Schaufenster für alle Institute des Gasteigs werden", betont Max Wagner, "jedes Institut von der Bibliothek bis zur VHS muss dort vertreten sein." Außerdem würden die Architekten nun innerhalb der Doppelhalle Lösungen für die kleineren Säle erarbeiten, die der Gasteig beherbergt: Black Box, Carl-Amery- und Kleiner Konzertsaal.

Auf dem aktuellen GMP-Entwurf zeichnet sich zudem ein großer Vorplatz ab, der in Richtung Isar vor der Doppelhalle entsteht. "Der ideale Ort für Freilichtaufführungen", glaubt Wagner, "und ein sehr attraktiver Platz für die Gastronomie." Wie es drum herum weitergeht, wird eine weitere Ausschreibung zeigen. Die bezieht sich auf die weiteren Modulbauten auf dem Gelände für Stadtbibliothek, VHS und Musikhochschule und läuft bis Juli.

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