Mut machen, Flagge zeigen: Der 25. Münchner Christopher-Street-Day richtete sich vor allem an schwule und lesbische Jugendliche.
"Doch", sagt der Vater zur etwa fünfjährigen Tochter, die auf seinen Schultern sitzt. "Das sind alles Männer. Ehrlich!" Auch dieses Wesen da, das langbeinig auf überdimensional hohen Schuhen stakst und gewagt die schmalen Hüften in glitzerndem Stars-and-Stripes-Outfit wiegt. Und diese dicke Dame in rosa Tüll da ebenso wie die weißgelockte Gestalt gleich neben ihr. Und das sind alles Frauen, ehrlich. Die in martialischem Schwarz gewandeten breitbeinig Dahinmarschierenden ebenso wie die in Schwarzer-Sheriff-Uniform beängstigend Dreinblickende.
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Ist eben alles nicht so einfach mit der Rollenverteilung, wie es im "normalen" Leben oftmals scheint, und deshalb wird am Christopher Street Day (CSD) damit demonstrativ gespielt. Es ist der 25. "Feiertag" der schwul-lesbischen Bewegung, der am Samstag zunächst mit einer "Polit-Parade" und dann mit einem Straßenfest am Marienplatz und am Rindermarkt zelebriert wird.
Gegenwind trotz aller Erfolge
"Polit-Parade", weil über der bunten Party nebst Umzug durch die Stadt die gesellschaftliche Situation und die Anforderungen an deren Veränderung nicht vergessen werden sollen, wie Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl bei der Auftaktkundgebung am Marienplatz betont. "Wir in München haben es gut", sagt er, "wir haben mit dem Glockenbachviertel unser eigenes schwul-lesbisches Viertel. Im Bezirksausschuss sind wir mit drei Sitzen vertreten und stellen sogar mit Alexander Miklosy den Vorsitzenden."
Trotz dieser Erfolge gebe es jedoch "auch Gegenwind". Mit dem Motto des CSD, "Young and Pride?" richte man sich vor allem an die Jugend. Das Fragezeichen könne man dabei immer noch nicht weglassen. "Nicht mal zehn Prozent aller schwul-lesbischen Jugendlichen bekennen sich zu ihrem Lebensstil." Kein Wunder, würden sie doch immer noch "zutiefst verunsichert". "Steht zu euch und euren Partnern", ruft Niederbühl auf, "damit wir das Fragezeichen verschwinden lassen können."
Hohe Selbstmordrate unter Jugendlichen
"Gerade Jugendliche brauchen eine greifbare, real erlebbare Szene", erklären auch Sebastian Frietinger und Cornelia Bumes von "Diversity München", dem Dachverband der lesbisch-schwulen Jugendgruppen der Stadt. "Die Selbstmordrate junger Lesben und Schwuler ist vier Mal so hoch wie bei Heterosexuellen", zitiert Bumes die Berliner Studie "Sie liebt sie, er liebt ihn". Daher brauche man dringend ein schwul-lesbisches Jugendzentrum.
Das mag noch fehlen, vieles andere gibt es schon, wie die bunte "Polit-Parade" vorbei an 10 000 staunenden Zuschauern beweist: den "Gay Outdoor Club" und die "PDS queer", "Gay & Gray - ältere Schwule", die "Isarhechte" und den "Karateverein für Schwule, Lesben und Freund/innen" sowie ein prominentes Männerpaar, das dem Ganzen voranschreitet: OB Christian Ude und Bürgermeister Hep Monatzeder. Natürlich nur rein dienstlich.
(SZ vom 11.7.2005)
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