Schwer erziehbare Jugendliche Warteliste für Problemfälle

Spätestens Ende September sollen in den umstrittenen Heimen der Firma Haasenburg keine Jugendlichen aus München mehr untergebracht sein.

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Ihnen werden unmenschliche Methoden vorgeworfen: In den umstrittenen Haasenburg-Heimen sollen bald keine Jugendlichen aus München mehr untergebracht sein. Doch die einzige geschlossene Einrichtung in der Stadt musste nach nur acht Monaten schließen - nun fehlen Plätze für verhaltensauffällige Minderjährige.

Von Dominik Hutter

Spätestens Ende September sollen in den umstrittenen Heimen der Firma Haasenburg keine Jugendlichen aus München mehr untergebracht sein. Nach Auskunft des Sozialreferats will das Stadtjugendamt bis dahin alle der bis vor kurzem noch sieben Jugendlichen an andere Einrichtungen vermittelt oder - je nach Fall - auch ins Elternhaus zurückgeschickt haben.

Auslöser seien allerdings nicht die Vorwürfe wegen der offenbar rigiden Erziehungsmethoden, die bereits zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses in Brandenburg geführt haben. "Wir haben keinerlei Kenntnisse, dass die Jugendlichen nicht gut untergebracht waren", berichtet Behördensprecher Frank Boos - die Umzüge seien ohnehin geplant gewesen. Allerdings werden vorerst auch keine Neubewohner aus München in die geschlossenen Jugendheime in Brandenburg geschickt, für die ohnehin ein Belegungsstopp gilt.

Den Betreibern der Heime wird vorgeworfen, schwer erziehbare Jugendliche mit unmenschlichen Methoden diszipliniert zu haben. Vor wenigen Wochen war durch eine Anfrage von Linken-Stadträtin Dagmar Henn bekannt geworden, dass auch das Münchner Jugendamt sieben Jugendliche in Haasenburg-Heime geschickt hat. Nach SZ-Informationen sind seitdem vier wieder ausgezogen, die übrigen drei sollen nun folgen. In den Einrichtungen wohnten bereits seit längerem pro Jahr zwischen fünf und zehn Münchner - zumeist nur kurz, da es sich um eine auf einen engen Zeitraum ausgelegte Therapie und nicht etwa um eine Inhaftierung handelt.

Der zumindest vorübergehende Wegfall der Haasenburg-Heime dürfte den Münchner Behörden große Probleme bereiten. Denn Plätze in geschlossenen Jugendeinrichtungen sind rar in Deutschland, es gibt eine Warteliste. Nach Angaben des Sozialreferats stehen in Bayern lediglich 126 Plätze zur Verfügung, bundesweit gibt es 390. Allein das Münchner Jugendamt hat seit Jahren stets zwischen 25 und 30 Jugendliche in geschlossenen Heimen untergebracht.

Prinzipiell bemühe man sich darum, die Klienten heimatnah einzuweisen. Das sei aber wegen der Platznot nicht immer möglich, sagt Boos - zumal es manchmal ganz schnell gehen muss. Damit Jugendliche vom Familiengericht in eine geschlossene Einrichtung geschickt werden, muss eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegen. Das Münchner Jugendamt hält allerdings nach eigenen Angaben auch zu den in anderen Bundesländern untergebrachten Jugendlichen weiter Kontakt.

Unhaltbare Zustände

Die aktuelle Situation wird dadurch erschwert, dass die einzige Münchner Einrichtung dieser Art, das Jugendhilfezentrum in der Pasinger Scapinellistraße, seit Dezember vergangenen Jahres wegen unhaltbarer Zustände geschlossen ist - nach nur acht Monaten Betrieb. In der Einrichtung, in der 14 extrem verhaltensauffällige Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren untergebracht waren, war die Lage eskaliert, die Polizei musste mehrfach anrücken.

Zudem konnten gleich mehrere Bewohner aus der eigentlich gut gesicherten städtischen Einrichtung ausbüxen. Das Zentrum soll nun einem freien Träger anvertraut und möglichst im Herbst wiedereröffnet werden. Bis zur Schließung war der städtische Jugendhilfeverband "Just M" für die Scapinellistraße zuständig.

Linken-Stadträtin Henn fordert eine lückenlose Aufklärung, wie es Münchner Jugendlichen in den Haasenburg-Heimen ergangen ist und ob Münchner Behör etwaigen Beschwerden nachgegangen sind.