Schwarz-Weiß-Ball Münchner CSU lässt sich Ball von Bauunternehmen sponsern

Der Schwarz-Weiß-Ball der Münchner CSU im Jahr 2017 mit Kultusminister Ludwig Spaenle, Finanzminister Markus Söder und Münchens Zweitem Bürgermeister Josef Schmid.

(Foto: Johannes Simon)
  • Der Schwarz-Weiß-Ball der CSU mit gut 1000 Gästen wurde von mehreren Unternehmen aus der Immobilienbranche finanziell unterstützt, die derzeit wichtige Bauprojekte in der Stadt betreiben.
  • Grüne und Linke im Münchner Stadtrat kritisieren das.
  • Die CSU weist die Kritik zurück: Der Ball sei so teuer, dass die Partei das nicht aus eigener Kasse bezahlen könne.
  • Hier finden Sie einen Überblick über die Bau-Sponsoren und deren Projekte in der Stadt.
Von Heiner Effern, Hubert Grundner und Christian Krügel

Gut 1000 Gäste tanzten und speisten im Löwenbräukeller, Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle und Bürgermeister Josef Schmid empfingen dabei viele prominente Gäste, unter anderem den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder. Keine Frage: Der Schwarz-Weiß-Ball der Münchner CSU am 20. Januar war wieder ein gesellschaftliches Ereignis - und wird im Nachhinein ein politisches. Denn Linke und Grüne im Stadtrat stoßen sich daran, dass mehrere Unternehmen aus der Immobilienbranche den Ball finanziell unterstützten, die derzeit wichtige Bauprojekte in der Stadt betreiben. Die Linken finden, dass "ein schaler Beigeschmack" nach dem Ball zurückbleibe. Die Grünen sprechen von "mangelnder politischer Sensibilität".

Die CSU weist das zurück. Trotz 139 Euro pro Ticket für Ball inklusive Menü trügen Einnahmen nicht die Ausgaben. Etwa 140 000 Euro habe das Fest gekostet, erläutert ein CSU-Sprecher. Das könne die Partei nicht aus der eigenen Kasse bezahlen, weshalb ihr Schatzmeister Hans Hammer für die Organisation eine eigene Gesellschaft gegründet habe. Diese warb auch um Sponsoren, die sich auf der Eintrittskarte und am Ballabend präsentieren konnten.

Stadtrat macht Investor Benko ein Millionengeschenk

Durch den Umbau der Alten Akademie gewinnt das Unternehmen wertvolle Ladenfläche dazu: fast 450 Quadratmeter mitten in der Fußgängerzone. Zahlen muss Benko dafür nicht. Von Alfred Dürr und Christian Krügel mehr ...

Die CSU verweist darauf, dass sie mit dem Sponsoring sehr transparent umgeht, das Geld lande nicht in der Parteikasse. Die vielen Sponsoren aus der Baubranche seien leicht zu erklären: Chef-Organisator Hammer habe eben Kontakte genutzt, die sich aus seiner Tätigkeit in der Immobilienwelt ergäben. Ein Überblick über die Bau-Sponsoren und deren Projekte in der Stadt.

Signa: Die Unternehmensgruppe des Österreichers René Benko ist mittlerweile einer der mächtigsten Immobilieneigentümer in der Altstadt. Zum Imperium gehören das Kaufhaus Oberpollinger, das frühere Hertie-Gebäude zwischen Stachus und Hauptbahnhof. Daneben ist Signa am Lebensmittelhändler Eataly beteiligt, der die Schrannenhalle betreibt. Am Mittwoch genehmigte der Stadtrat mit den Stimmen der CSU die Umbaupläne für die Alte Akademie in der Fußgängerzone. Diese erwarb die Unternehmensgruppe vom Freistaat für 230 Millionen Euro auf Erbpacht. Bis zuletzt war umstritten, ob dort zugunsten von zusätzlichen Nutzflächen für Signa die Arkaden verkleinert werden sollen. SPD und CSU stimmten dem zu und mussten sich dafür von den Grünen scharfe Kritik gefallen lassen. Signa spendete 11 000 Euro für den Ball.

Hirmer: Das Traditions-Unternehmen betreibt in der Fußgängerzone ein großes Modehaus. Die Münchner Unternehmerfamilie gilt aber auch als eine der Größen in der Immobilienbranche, spätestens seit sie das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft 2014 in Brasilien baute. Hirmer erhielt im November 2017 vom Stadtrat mit den Stimmen der CSU den Zuschlag für das Areal des Parkhauses am Sattlerplatz. Das Hauptargument für den Verkauf auf Erbpacht war die Förderung Münchner Unternehmen, Hirmer will dort sein Modehaus erweitern. Zwei Gebäude sind im Rücken der Fußgängerzone geplant, in die auch Wohnungen und Gewerberäume kommen sollen. Mit seiner Firma involviert in das Geschäft ist Hans Hammer, CSU-Schatzmeister und Organisator des Faschingsballs. Dieser sei "als erfahrener Immobilienentwickler beim Projekt beteiligt und unterstützt bei der Planung" heißt es in einer Mitteilung, die nach dem Kauf des Areals versandt wurde. Hirmer gestaltete die Stühle im Ballsaal. Wert: 6000 Euro.

Werksviertel Mitte: Werner Eckart ist wohl Münchens ungewöhnlichster Bauherr. Aus dem Gelände seiner stillgelegten Pfanni-Fabrik hat er in wenigen Jahren das "Werksviertel" geschaffen, um es als das Kultur-, Szene- und Wohnviertel der Stadt zu promoten. Ein Musicaltheater wurde vor zwei Wochen eröffnet, an zwei großen Hotelprojekten wird gebaut, dazu kommen Bürogebäude, Kneipen und Musikhallen, selbst die Interimsnutzung "Container Kollektiv" auf dem einzigen Bauplatz, für den konkretere Pläne noch im Werden sind, finden alle hip. Für das wichtigste Projekt bekommt Eckart jedes Jahr knapp 600 000 Euro vom Freistaat als Erbpachtzins: das neue Konzerthaus. Eckart spendete für den Ball 2000 Euro.

Büschl Unternehmensgruppe: Es war eines der größten Investorenprojekte im Freistaat und es hat den Charakter des Arbeiterviertels Giesing von Grund auf verändert: der Umbau des einstigen Firmenareals der Agfa-Fotowerke an der Tegernseer Landstraße. Verantwortlich dafür war die Büschl-Unternehmensgruppe. Dort trieb sie nach der Grundsteinlegung im Mai 2011 den Bau von etwa 1100 Wohnungen voran, wovon 13 Prozent als Sozialwohnungen geplant wurden. Insgesamt soll Günter Büschl rund 400 Millionen Euro auf dem 11,25 Hektar großen Areal investiert haben. Aktuell ist die Unternehmensgruppe beim ehemaligen Osram-Gelände (400 Wohnungen) in Untergiesing sowie auf dem Piederstorfer Gelände engagiert: Dort,zwischen Neuperlach und Trudering, sollen ungefähr 1300 Wohnungen entstehen. Büschl spendete 2000 Euro.

Legat Living: Das Unternehmen macht sein Geschäft nach eigenen Angaben mit "hochklassigen Immobilien in ausgesuchten Premiumlagen in München". Zu den prominentesten Gebäuden gehört das ehemalige Frauengefängnis am Auer Mühlbach, das Legat Living erst im Frühjahr 2017 erwarb. Das Unternehmen stellte die Neubaubestrebungen des Voreigentümers neben dem denkmalgeschützten Haus ein und wandelt nun Gefängniszellen in Wohnungen um. Daneben bietet es derzeit Immobilien in Haidhausen und Schwabing an. Die Firma spendete 2000 Euro.

BHB Bauträger GmbH: Das in Grünwald ansässige Unternehmen betreibt derzeit ein prominentes Projekt in Neuperlach. Zusammen mit der Stadt und deren Wohnungsbaugesellschaft Gewofag zieht es auf dem Hanns-Seidel-Platz ein neues urbanes Zentrum hoch. Alleine dort ist die BHB Bauträger GmbH mit 174 neuen Wohnungen beteiligt. Die Bauarbeiten begannen am 1. Juni 2017. Für den Ball steuerte BHB 2000 Euro bei.

München muss doch länger auf sein Konzerthaus im Werksviertel warten

Denn Landtagsabgeordnete haben die Staatsregierung und ihren ehrgeizigen Zeitplan deutlich ausgebremst. Horst Seehofer drängt auf einen schnellen Spatenstich. Von Lisa Schnell mehr...