Schwanthalerhöhe/Neuhausen Doppelt auf die Ohren

Von Partisanenliedern bis zum Roten Wecker: Nun bekommt auch das Westend eine eigene Musiknacht - nach Neuhauser Vorbild und exakt eine Woche vor der beliebten Klangmeile im Nachbarviertel

Von Sonja Niesmann, Schwanthalerhöhe/Neuhausen

Die Neuhauser Musiknacht, jeden Herbst wieder ein Magnet für bis zu 8000 Musikbegeisterte und Bummler, bekommt eine kleine Schwester, möglicherweise eine Konkurrentin: die Westend-Musiknacht. Veranstaltet wird sie von Andree Heikes, im Westend bekannt als langjähriger Wirt der Kneipe "Stoa", und Willi Wermelt, einst beim Erdinger Sinnflut-Festival, bei Tollwood, in der Muffathalle und bis 2015 beim Zirkusferienprogramm Lilalu. "Musik inspiriert, Musik macht glücklich, Musik bringt Menschen zusammen" stellen die beiden als Motto über den nächtlichen Streifzug, der die Besucher am Samstag, 21. Oktober, an 18 bekannte und weniger bekannte Stätten im Viertel führen wird, vom Wirtshaus Eder ganz im Osten übers Multikulturelle Jugendzentrum im Norden bis zur Kongresshalle im Westen.

Gute Klänge, gute Laune: Die Neuhauser Musiknacht (ein Bild vom vergangenen Jahr) findet Nachahmer im Westend.

(Foto: Christian Vogel)

Zur Eröffnung um 19 Uhr spielt "Di Farykte Kapelle" am Gollierplatz Klezmer, Gypsy-Swing, Tango und Partisanenlieder. Danach muss sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen, seine eigene Route wählen oder sich einfach treiben lassen. Im Griechischen Haus etwa gibt's griechische Liebeslieder mit der Artless Mourmoura Band, im Winz-Theater Mathilde tritt die Sängerin Polly's Desaster auf, im Café Marais gastieren die Funny Valentines, eine Girl Group im Stil der Andrew Sisters. Wer Country-Blues, Swing und Hawaii-Songs mag, kann sich aufmachen zum Duo Sons of the Desert im Wirtshaus zur Schwalbe; wer wissen will, was sich hinter dem angekündigten "Mix aus Indie-Rock, Balkaneskem und Desaströsem" verbirgt, sollte Dillitzer im Ledigenheim lauschen. Partysound von Johnny Cash über die Beatles bis zu den Sex Pistols und Iggy Pop versprechen die Pubrockers in der Gaststätte Jia Mas. Auch das Haus mit der roten Fahne, seit geraumer Zeit in den Schlagzeilen wegen seines Kampfes gegen die Kündigung, beteiligt sich: Dort singt - fast erwartbar - der gemischte Chor "Roter Wecker" Klassiker von Brecht, Weill, Eisler und Tucholsky.

Andree Heikes (rechts) und Willi Wermelt haben das Musikevent ins Westend exportiert.

(Foto: Veranstalter/oh)

Die Konzerte starten jeweils um 20, 21 und 22 Uhr, vor der vollen Stunde sind immer 15 bis 20 Minuten Pause, so dass die Zuhörer Zeit haben, das Lokal zu wechseln. Um 23 Uhr beginnt das Abschlusskonzert in der Kongressbar auf der Schwanthalerhöhe mit den Delicious Groove Gourmets um Frontmann Adriano Prestel, die den alten Soul- und Funk-Legenden Tribut zollen. Mit einer Eintrittskarte für zehn Euro kann man alle Konzerte besuchen. Im Vorverkauf gibt es das Ticket im Klamottchen am Gollierplatz 12, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr, montags und dienstags auch von 15 bis 18 Uhr. Am 21. Oktober kann es außerdem von 19 Uhr an in allen teilnehmenden Spielstätten erworben werden - es ist rundherum exakt das Procedere, das man von der Neuhauser Musiknacht kennt.

Zu hören etwa: Hans O. Graf von "Sons of the Desert".

(Foto: Veranstalter)

Deren Organisatorin Niko Strnad von Bang Bang Concerts reagiert auf die Nachricht von der ersten Westend-Musiknacht mit gemischten Gefühlen. Einerseits findet sie, die leidenschaftlich gegen das Ausbluten der Live-Musik-Szene in München ankämpft, das Zusatzangebot "super". Anderseits sei es vielleicht nicht "ganz geschickt", in zwei benachbarten Vierteln an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen zur Musiknacht zu laden - möglicherweise ziehen sich die beiden Veranstaltungen gegenseitig Publikum ab.

Die Neuhauser Musiknacht jedenfalls am Samstag, 28. Oktober, trumpft wie immer mit einem kaum zu bewältigenden Angebot auf: 64 Bands in 55 Spielstätten, Sets um 20, 21, 22 und 23 Uhr, sämtliche Musikrichtungen von Rock und Pop über Soul, Blues, Balladen, Latin, Polka und Landler, Mittelalter-Folk, Jazz und Heavy Metal. Wichtig ist Niko Strnad und ihrem Co-Organisator Vernon Ryan auch die Mischung aus arrivierten Bands und weniger bekannten Nachwuchsmusikern, sowie die (kostenlose) Einstimmung mit Weltmusik von Konnexion Balkan am Rotkreuzplatz um 19 Uhr.

Im Freiheiz holt der Radiosender M94.5 vier Nachwuchsbands auf die Bühne, die derzeit auf sich aufmerksam machen. Dort steigt dann auch von Mitternacht an das Finale mit Blind Date und anschließender Party mit DJ. Das Eintritts-Armbändchen fürs Treiben in den Klangwelten kostet auch im achten Jahr nur fünf Euro. Und ein Wiedersehen mit "Di Farykte Kapelle" gibt's auch, sie spielt im Lupinus Salon.

Programm und Spielstätten-Plan gibt es unter www.westendmusiknacht.de sowie www.neuhauser-musiknacht.de.